Dallas Mavericks im NBA-Finale Dirk, der letzte Mann

Drittes Finalspiel, zweite Pleite: Dirk Nowitzki droht mit den Dallas Mavericks wieder nur der zweite Platz. Die Heimpartie gegen Miami hat das Dilemma des deutschen Superstars verdeutlicht. So grandios er auch spielt, er braucht endlich verlässliche Nebenleute. Von denen war bislang wenig zu sehen.

AFP

Von , Dallas


Jason Terry fühlte sich nicht gut. Es war dem 33-jährigen Spieler der Dallas Mavericks anzumerken, dass ihn sein schlechtes Gewissen plagte, als er am Sonntagabend nach der dritten NBA-Finalrunde gegen die Miami Heat vor seinem Spind stand. Zuvor hatten die Mavericks mit der 86:88-Heimniederlage einen schmerzhaften Rückschlag hinnehmen müssen.

Für gewöhnlich hat der "Jet", wie sie ihn in Dallas nennen, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Doch diesmal war ihm nicht danach zumute. Seine Gemütslage hatte mit der knappen Niederlage zu tun. Mehr aber noch mit der Tatsache, dass er seinen Kumpel Dirk Nowitzki im Stich gelassen hatte. "Wir haben ihn nicht genug unterstützt, und ich nehme einen Großteil dieser Schuld auf mich", sagte Terry.

Er sitzt in der Umkleidekabine nicht nur neben Nowitzki, sondern er ist neben dem Deutschen auch der dienstälteste Profi in Dallas. Zusammen haben die beiden die bittere Finalniederlage 2006 gegen Miami miterlebt und zusammen wollen sie eben dieses Trauma jetzt vergessen machen. Doch dafür braucht Nowitzki jenen Terry, der in der zweiten Playoff-Runde gegen die Los Angeles Lakers im Schnitt 19,8 Punkte pro Partie erzielte und eine Trefferquote von sagenhaften 58,7 Prozent hatte. Terry gilt als nervenstark, trifft an guten Tagen Dreier fast wie er möchte.

In den bisherigen drei Finalspielen gegen Miami hingegen bekam Nowitzki von Terry kaum Hilfe. Dessen Punktedurchschnitt ist auf 14,3 gesunken, nur jeder dritte Ball sitzt. Am Sonntag fanden gar nur fünf von 13 Würfen ihren Weg ins Ziel. Als Dallas den Mann mit der Rückennummer 31 in der Schlussphase brauchte, war er nicht zu sehen. Nowitzki nahm notgedrungen alle Verantwortung auf sich, um die drohende Niederlage doch noch abzuwenden. Allein im vierten Viertel erzielte er unglaubliche 15 Punkte - und dennoch waren es letztlich mindestens zwei zu wenig.

Nowitzki unternahm auch den letzten Wurf vier Sekunden vor Schluss. Es hätte nicht viel gefehlt, und Dallas hätte sich in die Verlängerung gerettet. Was unverdient gewesen wäre. Miami war das aktivere Team, führte und konterte fast alle Aufholjagden der Gastgeber. Dass Nowitzkis 21. Versuch an der Ringkante hängen blieb, war Pech - aber auch ein klares Zeichen. So grandios wie der 32-Jährige derzeit auch spielt, er braucht ebenso zuverlässige Nebenleute, um endlich Meister zu werden. "In zwei der drei Partien war ich im Schlussviertel nicht im Stande, wichtige Treffer zu erzielen", sagt Terry und klingt enttäuscht.

Nowitzki meinte nicht Terry persönlich, als er nach der Partie betonte, dass "wir wieder mal von außen nicht gut geschossen haben". Denn er hätte die Kritik genauso gut an Jason Kidd, J.J. Barea oder den bislang völlig hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Peja Stojakovic richten können. Auch sie hatten sich der Verantwortung entzogen, als Verantwortung gefordert war. Aber Terry ist erfahren und ehrgeizig genug, um zu erkennen, dass er mehr einbringen muss, damit es in Dallas in den nächsten Tagen kein Déjà-vu gibt. Man könne Miami nicht weiterhin nur hinterherlaufen, betont er.

Statistik spricht gegen Dallas

Zwar war auf Seiten der Gäste nach dem wichtigen Auswärtssieg kein Wort von der Meisterschaft zu hören. Und die Mavericks geben sich längst noch nicht geschlagen. Dennoch besagen die Statistiken, dass der Titel nach dieser Niederlage wohl erneut nicht nach Texas gehen wird. Seit Einführung des 2-3-2 Finalformats (Auf zwei Heimspiele folgen drei Auswärtsspiele und dann - falls nötig - erneut zwei Heimspiele. Die Ansetzung ergibt sich aus der Anzahl der Siege beider Mannschaften in der regulären Saison) 1985, ist immer das Team Meister geworden, dass nach einem 1:1-Zwischenstand die dritte Partie gewonnen hatte. Elfmal war dies der Fall, zuletzt im Vorjahr, als sich die Boston Celtics dermaßen über ihren 103:94-Sieg bei den Los Angeles Lakers freuten, dass sie umgehend Spiel drei daheim 84:91 aus der Hand gaben. Am Ende unterlagen sie in der Finalserie 3:4.

Nowitzki selbst braucht keine Statistiken, um den Ernst der Lage zu erkennen. Er sprach am Sonntagabend von einer "schweren Niederlage" und davon, dass man im vierten Spiel am Dienstagabend "Vollgas" geben und unbedingt gewinnen müsse. Terry betonte, dass man die Partie wie ein alles entscheidendes siebtes Spiel ansehen und angehen werde.

Magic Johnson hält das aber gar nicht für nötig. Diese ganzen Statistiken solle man nicht zu Ernst nehmen, betonte die Basketball-Legende. "Was nützt Miami der Sieg, wenn sie die beiden kommenden Spiele verlieren?" fragt der 50-Jährige. Johnson geht von einer langen Serie aus, bei der ein Team erst nach dem dritten Sieg das Steuer in der Hand halte. "Aber soweit sind wir ja noch nicht."

Dallas Mavericks - Miami Heat 86:88 (22:29, 20:18, 22:20, 22:21)
Dallas:
Nowitzki 34 Punkte, Terry 15, Marion 10, Kidd 9, Barea 6, Chandler 5, Stevenson 3, Mahinmi 2, Stojakovic 2
Miami: Wade 29 Punkte, Bosh 18, James 17, Chalmers 12, Haslem 6, Bibby 3, Anthony 2, Howard 1
Zuschauer: 20.340

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Schnuffito, 06.06.2011
1. Das wird echt schwer....
Ich glaube, das gibt dieses Jahr leider wieder nichts mit dem Titel. Miami scheint mir einfach stärker zu sein. Das gestrige Spiel ist ein gutes Beispiel. Dirk war super, Terry ok, Marion ok, Kidd ok. Bei Miami nur Wade wirklich gut. Chalmers war auch gut. Aber wenn Bosh und vor allem Lebron "normal" spielen, hat Dallas IMHO keine Chance. Außerdem ist die Defense der Heat echt unglaublich. Die Niederlage in Spiel 2 war wohl eher ein Betriebsunfall, der sich nicht wiederholen wird. Und jetzt, wo Miami Spiel 3 gewonnen hat, ist die Serie statistisch entschieden: 11 von 11 Teams seit Einführung der 2-3-2 Reihenfolge (2mal Miami, 3mal Dallas, 2mal Miami), die nach einem 1 zu 1 in den ersten zwei Spielen Spiel 3 gewonnen haben, sind danach auch Meister geworden.
Monty68 06.06.2011
2. Sorry...
..selten so einen Blödsinn gelesen. Es waren 2 Punkte heute morgen zwei lausige Punkte.... Der Autor tut gerade so, als sei Dallas absolut chancenlos gewesen. Das ist nicht so. Außerdem es war erst Spiel Nr. 3. Alle Matches waren bisher sehr knapp... Locker bleiben. Dirk du packst das...
mehrlicht 06.06.2011
3. Ja was den nun?
Nach dem 2. Spiel wurde noch geschrieben "Dallas ist ausgeglichener besetzt".
sponner_hoch2 06.06.2011
4. Titel
Zitat von sysopDrittes Finalspiel, zweite Pleite:*Dirk Nowitzki steht mit den Dallas Mavericks vor dem Aus. Die Heimpartie gegen Miami hat das Dilemma des deutschen Superstars*verdeutlicht.*So grandios er*auch spielt, er braucht endlich verlässliche Nebenleute. Von denen war bislang wenig zu sehen.* http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,766851,00.html
Unseriöses Glaskugel lesen statt seriöser Süortberichterstattung. Letztere würde auf die Stärken und Schwächen beider Team eingehen, dafür hören wir hier aber z. B.: "Drittes Finalspiel, zweite Pleite: Dirk Nowitzki steht mit den Dallas Mavericks vor dem Aus." - Es steht also 2:1 bei einer Serie, in der das Team gewinnt, dass als erstes vier Siege hat. Wo man hier vor dem aus steht, kann ich nicht erkennen. Umgekehrt (also wenn Dallas gewonnen hätte) hätte der Spiegel wohl kaum geschriben "Miami steht vor dem Aus". Dieses ganzes Statistik-Brimborium ist in dieser Art doch Humbug, weil a) es eben nur deskriptive Statistik (also rückblickende) ohne stochastischen (also vorrausblickenden) Zusammenhang ist und b) aktuelle-varibale Parameter (also die aktuelle Lage der jeweiligen Teams) außen vor läßt. Ich finde das ja auch immer ganz nett, wenn sowas beschreibend erwähnt wird. Aber daraus ernsthaft Schlüsse zu ziehen ist absolut unseriös. Es glaubt ja wohl auch ernsthaft niemand, dass z. B. Schalke 04 nur deshlab nächste Saison kein Meister wird, weil die es die letzten 50+ Jahre auch nicht gewesen sind.
marlow, 06.06.2011
5. fein
Zitat von sponner_hoch2Unseriöses Glaskugel lesen statt seriöser Süortberichterstattung. Letztere würde auf die Stärken und Schwächen beider Team eingehen, dafür hören wir hier aber z. B.: "Drittes Finalspiel, zweite Pleite: Dirk Nowitzki steht mit den Dallas Mavericks vor dem Aus." - Es steht also 2:1 bei einer Serie, in der das Team gewinnt, dass als erstes vier Siege hat. Wo man hier vor dem aus steht, kann ich nicht erkennen. Umgekehrt (also wenn Dallas gewonnen hätte) hätte der Spiegel wohl kaum geschriben "Miami steht vor dem Aus". Dieses ganzes Statistik-Brimborium ist in dieser Art doch Humbug, weil a) es eben nur deskriptive Statistik (also rückblickende) ohne stochastischen (also vorrausblickenden) Zusammenhang ist und b) aktuelle-varibale Parameter (also die aktuelle Lage der jeweiligen Teams) außen vor läßt. Ich finde das ja auch immer ganz nett, wenn sowas beschreibend erwähnt wird. Aber daraus ernsthaft Schlüsse zu ziehen ist absolut unseriös. Es glaubt ja wohl auch ernsthaft niemand, dass z. B. Schalke 04 nur deshlab nächste Saison kein Meister wird, weil die es die letzten 50+ Jahre auch nicht gewesen sind.
sehr richtig beschrieben..... außer die Sache mit Schalke, also das wird nichts aus welchen gründen auch immer, aber weil es die letzten 50 Jahre nichts wurde....gefällt mir
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