Dallas-Star Dirk Nowitzki Triumph mit 39 Grad Fieber

Selbst ein grippegeschwächter Dirk Nowitzki lehrt die Gegner noch das Fürchten. Der Dallas-Star führte seine Mavericks gegen Miami zum Sieg. In den NBA-Finals ist jetzt wieder alles möglich - und Nowitzki hat einmal mehr bestätigt, wie wichtig er für das Team ist.

Von , Dallas


Die 0,5 Liter-Flasche Bier aus der Würzburger Heimat in Dirk Nowitzkis Spind blieb geschlossen, das dazu passende Glas daneben unbenutzt. Dabei hätte Nowitzki eigentlich einen guten Grund gehabt, sich einen Schluck zu gönnen: Die Dallas Mavericks sind zurück im Titelrennen. Das Team konnte dank eines hart erkämpften 86:83-Heimsieges gegen die Miami Heat in der NBA-Finalserie zum 2:2 ausgleichen. Außerdem waren die beiden Fans, die am Montag Getränk und Glas an der Mavericks-Geschäftsstelle für "ihren Dirk" abgegeben hatten, extra aus seiner Geburtsstadt die knapp 8000 Kilometer nach Dallas geflogen.

Doch Nowitzki hatte keinen Durst - und möglicherweise hätte er auch gar keine Kraft mehr gehabt, die Flasche zu öffnen und den Humpen zu heben. Mit bleichem Gesicht und dunklen Augenrändern verließ er die Arena. Sein Kopf pochte. Das Adrenalin war verflogen, das Fieber hatte längst wieder die Kontrolle über seinen Körper. Der Mavericks-Star kämpfte mit einer Grippe.

39 Grad Celsius Körpertemperatur hatte das Thermometer am Morgen angezeigt, Nowitzki trat seinen Arbeitstag dennoch an. Es sei schließlich die entscheidende Phase, betonte er. Da gebe es wohl kaum noch einen Spieler, der ohne kleinere Probleme in die Finals gehe. Als das Spiel begann, war die Temperatur immer noch nicht gesunken. "Wir wussten, dass er trotzdem dabei sein wird. Dirk hat noch nie ein Spiel wegen einer Grippe verpasst", sagte Nowitzkis Team-Kollege Jason Terry.

Stevenson und Chandler waren die X-Faktoren

In vielen seiner vorangegangenen 121 Playoff-Partien hatte Nowitzki geglänzt, spielentscheidende Punkte erzielt, den Journalisten jede Menge Material für ihre Geschichten geliefert. Die 122. K.o.-Runden-Begegnung jedoch war mehr - sie bot den Stoff für ein Heldenepos. Obwohl sich der Mavericks-Kapitän schlapp fühlte, sein Kopf dröhnte und bis auf seine ersten drei Würfe zur schnellen 6:0-Führung irgendwie kein Ball mehr in den Korb fallen wollte, stand Nowitzki unglaubliche 39:09 Minuten auf dem Feld.

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NBA-Finals: Nowitzki wie einst Jordan
"Wir reden hier über einen 2,13 Meter-Mann, für den es aufgrund seiner Größe viel härter ist, wenn der Körper nicht mitspielt", betonte Mavericks-Trainer Rick Carlisle. Jeder im Team habe sehen können, wie sehr sich Nowitzki quält. Bei jeder Auszeit und Werbeunterbrechung setzte sich der 32-Jährige umgehend auf die Bank, bedeckte seinen kochenden Kopf mit einem kühlenden Handtuch. Und reizte anschließend die Pause bis zur letzten Sekunde aus, ehe er sich wieder aufs Spielfeld schleppte.

Keiner der 20.430 Fans im ausverkauften American Airlines Center wusste, unter welchen Umständen Nowitzki es bis zur Halbzeit auf acht Punkte gebracht hatte. Viele wunderten sich lediglich über die schwächer werdende Trefferquote. Nach den ersten drei erfolgreichen Versuchen, traf der 32-Jährige bis zur Pause nur noch mit einem von sieben Würfen. "Ich hatte einige offene Schüsse, konnte aber nicht richtig abspringen", sagte Nowitzki - und klang dabei eher selbstkritisch denn entschuldigend.

Dass Dallas dennoch bis dahin nur 45:47 hinten lag, hatte vor allem mit DeShawn Stevenson zu tun. Das Energiebündel der Mavericks fand sich erstmals auf der Bank und nicht in der Startaufstellung wieder. Statt seiner vertraute Carlisle diesmal J.J. Barea von Beginn an. Dennoch brachte Stevenson in der ersten Halbzeit elf Punkte ein, traf unter anderem drei Dreier. "Er war neben Tyson Chandler heute unser X-Faktor", lobte Terry den 30 Jahre alten Guard.

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Dallas-Fans: Nur die Mavericks im Kopf
Zu Beginn der zweiten Halbzeit erwähnten die Kommentatoren des übertragenden Fernsehsenders ESPN erstmals, dass Nowitzki mit Fieber in die Halle gekommen und die Temperatur mittlerweile noch gestiegen sei. Via Facebook und Twitter wurde die Neuigkeit umgehend in der Arena verbreitet. Der Gegner indes bekam nach Angaben von Heat-Akteur Chris Bosh nichts von Nowitzkis Gesundheitszustand mit. "Ich habe noch nie erlebt, dass jemand in einem Spiel sagt, guck' mal, der da hat Fieber", so Bosh.

Miami hatte ohnehin andere Sorgen. LeBron James - wer hätte das vor der Finalserie gedacht - fällt kaum noch auf. Der "Auserwählte", wie er seit seinem 17. Lebensjahr genannt wird, spielte fast wie ein Ausgedienter. Der Superstar erhielt zwar die meiste Spielzeit aller Profis, kam aber nur auf acht Punkte und konnte keinerlei Akzente in der Offensive setzen. "Wenn wir dennoch gewonnen hätten, wäre es mir egal, weil es mir nur um den Mannschaftserfolg geht. Aber durch die Niederlage tut es mehr weh", betonte er.

Zwei Rebounds, zwei Fehlpässe, ein Fehlwurf und ein Foul, lautet seine Bilanz im vierten Viertel. Nowitzki war krank, James hingegen blass. Der Deutsche führte sein Team wie schon beim 95:93-Sieg in Spiel zwei mit einer grandiosen Leistung im Schlussabschnitt noch zum Sieg. Zehn seiner 21 Punkte erzielte Nowitzki zwischen der 40. und 48. Minute. Als Miami durch einen Wurf von Udonis Haslem in der 38. Minute 74:65 vorn lag, "hat es nicht gut für uns ausgesehen. Aber dann haben wir uns in der Verteidigung gesteigert", sagte der Deutsche.

Seine letzte Aktion des Matches war die siegbringende. Mit unbändigem Willen zog Nowitzki rechts an Haslem vorbei und legte den Ball 14,4 Sekunden vor dem Ende zum 84:81 in den Korb. Einige Zuschauer hatten sich den linken Mittelfinger verbunden - in Anspielung auf den Sehnenriss, den sich Nowitzki im ersten Finalspiel zuzog. Man darf gespannt sein, was sie sich zur fünften Partie einfallen lassen, um seiner Fieber-Vorstellung zu huldigen.

insgesamt 224 Beiträge
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Las51, 31.05.2011
1. Spiel 1...
... wird über nba.de frei übertragen! Yay!
dhermany, 31.05.2011
2. Ergebnis
Ich sage Euch schon mal das Ergebnis der Finalserie: 4:1 für Miami. Dallas hat nicht wirklich die Spieler, um Ausnahmetalente wie Lebron James oder Dwayne Wade zu bändigen. Und Chris Bosh gibt's ja auch noch..... Für Dallas wird's extrem schwierig gegen Miamis Verteidigung zu punkten. Man hat schon in den Serien Miami-Boston und Miami-Chicago gesehen, wie sich die Gegner die Köpfe an Heat's Defence eingeschlagen haben. 2006 war Miami ( damals aus meiner Sicht noch schwächer "nur" mit Shaq und Wade) Dallas schon überlegen und die Heat sind 2011 mit Sicherheit besser aufgestellt.
funkology 31.05.2011
3. ...na toll
Wieder mal ein völlig contentfreies Interview. Was Bauermann da sagt, hätte jeder sagen können, der sich etwas mit Basketball beschäftigt. Offensichtlich ist keiner beim SPON, der sich mit Basketball auskennt....dann lasst es doch lieber gleich. Ansonsten: Im deutschen Fernsehen wird jeder Fussballmist übertragen, mittlerweile schon die Relegationsspiele der BL zur Hauptsendezeit. Aber wenn ein Deutscher seine Mannschaft in ein NBA Finale führt herrscht Totenstille auf allen öffentlichen Kanälen im Fernsehen.
Phil41 31.05.2011
4. Das wird spannend
@Las51: Ja super hab mir extra 2 WOchen Urlaub genommen um die Nächte durchzumachen ! @dhermany: Da muss ich ganz klar wiedersprechen. Dallas ist mit Tyson Chandler, DeShawn Stevenson, Shawn Marion, Corey Brewer und Brendan Haywood defensiv durchaus in der Lage gegenzuhalten. Eine so gute Defense wie dieses Jahr hatte Dallas in der Nowitzki-Zeit noch nicht. Und Jason Kidd ist trotz seine 38 Jahre durchaus in der Lage spieler wie Kobe Bryant in den Conference-Semi-Finals mehr als potent zu verteidigen. Abgesehen davon sind die Mavs hunriger auf den Titel. Nowitzki wird alles geben und sein Team mitziehen. Und was ebenfalls Hoffnung macht ist die Bilanz der Regular Season die mit 2:0 an Dallas ging! @funkology: Besser hätte man es nicht sagen können !! Mein Tipp: 4:2 für Dallas. Die Heat sind einfach zu arrogant und selbstverliebt. Bei Dallas ist mehr Feuer. Das sind alte Veteranen mit ihrer letzten Chance auf den Titel und das wird den Ausschlag geben. Die werden käpfen bis zum Umfallen und Dirk ist unstoppable.
oscarro1 31.05.2011
5.
1. Bauermann war kein guter Spieler, hat selbst nie 'hoch' gespielt, stand als Spieler nie in einem Finale des DBB und hat auch nie 'was' gewonnen. Wenn er es als vermeintlich guter Rhetoriker (Ahnung vom Basketballspiel hat er schon) nicht geschafft hätte, sich als Profi-Basketballtrainer durchzusetzen, wäre er auch wohl als irgendwo als 'Kistenschieber' geendet. 2. In dem Spiegel-Artikel kommt zum Ausdruck, daß Bauermann zum Basketballhöhepunkt des Jahres keine Analyse liefern kann und uns auch sonst nichts zu sagen hat. 3. Nowitzki hatte zuletzt einen guten Lauf, er spielte über seine Verhältnisse. Sein Team spielte stärker, als es erwartet werden konnte. Das muß aber in der Finalserie nicht so weiter gehen. Wer Meister werden will, der muß auch im Finale gut spielen. Ich meine, mit der Vize-Meisterschaft ist Nowitzki in jedem Fall gut bedient. Er sollte, wenn es nicht klappt (1 : 4 Chance), sehr zufrieden sein. 4. Klar ist, das LeBron James und seine Freunde schon auf Dirk Nowitzki warten und keinerlei Angst vor ihm haben werden. Denen wird die Hand nicht zittern, die haben schon als College-Basketballer alles erlebt!
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