Damen Davenport bleibt Angstgegnerin von Hingis

Die Nummer zwei bleibt für die Nummer eins einfach eine Nummer zu groß. In imponierender Manier hat Lindsay Davenport gegen Martina Hingis ein schon verloren geglaubte Endspiel noch herumgerissen.


Lindsay Davenport: "Gegen Martina das beste Tennis"
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Lindsay Davenport: "Gegen Martina das beste Tennis"

Indian Wells - Martina Hingis kann gegen Lindsay Davenport einfach nicht mehr gewinnen. Trotz einer 6:4, 4:2-Führung verlor die Weltranglistenerste das Finale von Indian Wells noch mit 6:4, 4:6, 0:6 und kassierte damit die fünfte Niederlage in Folge gegen ihre 23 Jahre alte Angstgegnerin. Zuletzt gewann Hingis das Masters-Finale im November 1998 gegen Davenport, die mit 11:7 als einzige Spielerin der Welt eine positive Bilanz gegen die 19-jährige Schweizerin hat. Das Finale des parallel ausgetragenen ATP-Turniers in Indian Wells bestritten in der Nacht zum Montag (MEZ) der Schwede Thomas Enqvist und der Spanier Alex Corretja. Enqvist besiegte in einem begeisternden Halbfinale den australischen Titelverteidiger Mark Philippoussis nach Abwehr zweier Matchbälle mit 6:3, 6:7 (6:8), 7:6 (10:8). Corretja, seit seinem überraschenden Erfolg im Finale der ATP-WM 1998 ohne Turniersieg, gewann gegen Nicolas Lapentti (Ekuador/Nr. 8) mit 6:3, 6:4.

Lindsay Davenport ist auf der WTA-Tour die Spielerin der Stunde. 20 Einzel spielte die 23-jährige Amerikanerin in diesem Jahr, davon verlor sie nur das Finale von Sydney gegen die Französin Amelie Mauresmo. Seither ist Davenport in 16 Matches ungeschlagen und gewann unter anderem die Australian Open in Melbourne durch einen Finalsieg gegen Martina Hingis. Die Schweizerin hat sich längst in Galgenhumor geflüchtet: "Lindsay ist vier Jahre älter als ich, vielleicht macht das den Unterschied aus." Als Alptraum wollte sie ihre Pleitenserie gegen Davenport aber nicht bezeichnen: "Ein Alptraum wäre es, wenn ich im Rollstuhl sitzen müsste."

Dabei hatte es in Indian Wells lange so ausgesehen, als sollte Martina Hingis ihre Negativserie gegen die Olympiasiegerin endlich beenden können. Die 19-Jährige spielte klug und mit viel Übersicht und führte bereits mit 6:4, 4:2, 30:15. Danach wendete sich jedoch das Blatt. Davenport drehte mächtig auf und gewann zehn Spiele in Folge, in denen sie der frustrierten Martina Hingis nur noch insgesamt 16 Punkte ließ. "Ich weiß auch nicht, wie das kommt, aber gegen Martina spiele ich immer mein bestes Tennis", meinte die Siegerin, die Hingis bei dem am kommenden Wochenende beginnenden Turnier in Key Biscayne als Nummer eins ablösen kann.

Um die Nummer eins ging es im Finale zwischen Thomas Enqvist und Alex Corretja nicht, wohl aber für beide um den ersten Turniersieg in diesem Jahr. Enqvist gewann seinen bis dato letzten Titel im Oktober 1999 in Stockholm, Corretjas letzter Erfolg liegt sogar noch zwölf Monate länger zurück.

Nach dem Triumph im Finale der ATP-WM 1998 gegen seinen Landsmann Carlos Moya war der sympathische Corretja in ein tiefes Loch gefallen. "Spaß ist ein großer und wichtiger Teil des Lebens, aber ich hatte damals keinen Spaß mehr", erklärte Corretja seinen Absturz. Er legte eine mehrwöchige Tennispause ein und nähert sich mittlerweile wieder der Form, die ihn einst auf Platz zwei der Weltrangliste geführt hatte.



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