Gewinner des Golf-Masters Willett-wer?

Der Brite Danny Willett hat das Golf-Masters in Augusta gewonnen. Ein Überraschungssieg. Mit dem 28-Jährigen hatte vorher kaum jemand gerechnet. Wer ist das eigentlich?
Von Andrea Scharpen
Masters-Sieger Danny Willett (r.)

Masters-Sieger Danny Willett (r.)

Foto: Erik S. Lesser/ dpa

Danny Willett sitzt vorgebeugt auf einer braunen Ledercouch. Sein Gesichtsausdruck ist konzentriert. Er hält sich ein Telefon ans Ohr, verfolgt so die Spielzüge seines Konkurrenten . Titelverteidiger Jordan Spieth steht auf dem Rasen am 17. Loch beim US Masters in Augusta. Er läuft um den Ball herum, kniet sich hin, schätzt mit den Augen den Abstand ein. Es geht jetzt um alles. Macht er einen Fehler, kann er Willetts Vorsprung unmöglich aufholen. Spieth stellt sich parallel zum Ball auf, holt leicht mit dem Schläger aus - und verschlägt. Der Ball rollt ganz knapp am Loch vorbei. In dem kleinen Raum weitab vom Spielfeld fängt Willett an zu lachen und umarmt überschwänglich ein Teammitglied. Er hat gerade zum ersten Mal eines der vier großen Major-Turniere im Golfsport gewonnen - und damit auch 1,8 Millionen Dollar.

Ein Überraschungserfolg: Mit Willett hatte in dem Turnier kaum jemand gerechnet. Er ist nach Nick Faldo erst der zweite Engländer, der sich in Augusta durchsetzen konnte. Der Amerikaner Spieth galt als Favorit. Wer also ist dieser Willett, der so unerwartet am Titelverteidiger des Masters  vorbeigezogen ist?

Zum Golf brachte Willett sein Vater, ein Pastor der Church of England. Er setzte ihn am örtlichen Golfclub ab, mit ein paar Pfund fürs Mittagessen. So schreibt es zumindest die britische Zeitung "The Telegraph".  Artikel gibt es kaum über ihn. Dabei ist der 28-Jährige schon seit 2008 Profi, gewann in den vergangenen Jahren immerhin vier Titel der PGA European Tour . Er arbeitete sich kontinuierlich in der Weltrangliste  nach vorne. Im Jahr 2013 stand Willett noch auf Platz 116, im vergangenen Jahr knackte er die Top 20 und durch seinen Sieg beim Masters hat er sich auf Platz neun vorgekämpft. Außerdem hat er sich als Gewinner für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifiziert.

Fast hätte er das Masters verpasst

Als Kind übte er mit dem Schläger auf einer Schafsweide. "Dann spulst du 17 Jahre vor und bekommst eine Einladung zum Masters. Das ist wirklich ein bisschen verrückt", sagte Willett dem Telegraph. Er interessiert sich sonst, ganz Brite, vor allem für Snooker und Fußball, ist Fan des FC Liverpool.

Der Golfer wurde als einer von vier Brüdern in Sheffield in South Yorkshire geboren. Seine Mutter ist Mathelehrerin. Willett verließ mit 16 Jahren das örtliche College und ging für zwei Jahre in die Vereinigten Staaten - natürlich war Golf der Grund. Er spielte für die State University in Alabama. 2007 gewann er die englische Amateurmeisterschaft und führte ein Jahr später sogar die Rangliste in dieser Klasse an. Das Ziel war klar: Berufsgolfer.

Den bisher wichtigsten Moment seiner Karriere hätte er trotzdem fast verpasst. Seine Teilnahme am US Masters  stand bis zum Schluss auf der Kippe. Denn Willett ist am 30. März Vater eines Sohnes geworden. Hätte das Baby länger auf sich warten lassen, wäre der Brite bei seiner Ehefrau Nicole geblieben, anstatt in die Staaten zu fliegen. Sohn Zachariah James hielt sich aber an den Zeitplan und ließ sich rechtzeitig per Kaiserschnitt auf die Welt holen.

"Das war eine fantastische Woche", sagte der Golfer bei der Siegerehrung . Erst das Baby, dann der Sieg. "Ich bin fast sprachlos." Das dunkelgrüne Jackett, das die Gewinner des Masters traditionell bekommen, trägt er da schon. Und er wird es lange nicht ausziehen - obwohl sein Bruder ihn davor gewarnt hatte.

"Grün lässt dich fett aussehen. Nimm das Jackett nicht an", twitterte der. Willett konterte mit einem Foto, wieder auf der braunen Ledercouch, natürlich im grünen Sakko. Er grinst breit. "Cheers everyone!!!!", schreibt er dazu. Nach so aufregenden Tagen hat er sich den Drink verdient.

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