Historischer Erfolg für Darts-Spielerin Sherrock Die Botschafterin

Fallon Sherrock hat als erste Frau ein Spiel bei der Darts-WM gewonnen. Bisher war die Sportart eine Männerdomäne, nun fordert die Friseurin aus Milton Keynes mehr Anerkennung für Darts-Spielerinnen.
Fallon Sherrock nach ihrem Sieg bei der Darts-WM

Fallon Sherrock nach ihrem Sieg bei der Darts-WM

Foto: Alex Davidson/ Getty Images

Lisa "The Lancashire Rose" Ashton, Mikuru "Miracle" Suzuki und Anastasia "From Russia with Love" Dobromyslova waren bis zum 17. Dezember 2019 die prominentesten Darts-Spielerinnen. Fallon Sherrock hat noch nicht einmal einen offiziellen Spitznamen - undenkbar für jemanden im Darts, der etwas auf sich hält.

Und doch hat Sherrock mehr für Darts-Spielerinnen erreicht als die Weltmeisterinnen Ashton, Suzuki und Dobromyslova zusammen. Keine von ihnen hatte geschafft, was der gelernten Friseurin aus Milton Keynes gelang: ein Spiel gegen einen Mann bei der Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC) zu gewinnen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Sherrocks größter Erfolg vor dem wichtigsten Dartsturnier der Welt war das Erreichen des Endspiels bei der WM der Damen 2015, das sie 1:3 gegen Ashton verlor. Schon ihre Teilnahme an der von Männern dominierten Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace hat Sherrock mehr Aufmerksamkeit und Preisgeld eingebracht als alle bisherigen Erfolge bei den Frauen. Mit dem Sieg gegen Landsmann Ted Evetts hat sie Geschichte geschrieben. Wichtiger dürfte ihr aber sein, dass sie den vielen Zweiflern zeigen konnte, dass Frauen seit dem vergangenen Jahr zu Recht zwei feste Startplätze bei der WM haben.

Sherrock, die in der Jugend zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Felicity für das englische Nationalteam spielte, gehörte bei den Würfen auf die Triple-20 schon seit Jahren zu den besten Spielerinnen. In den vergangenen Monaten aber hat sie ihr Spiel auf ein neues Level angehoben.

Sie zeigte sich treffsicherer auf die Doppelfelder - beim Sieg gegen Evetts traf sie über 40 Prozent ihrer Versuche auf die äußeren Ringe - und hat das sogenannte "Board-Management" verbessert. Wenn die dreifache 20 durch ungünstig platzierte Darts blockiert ist, weicht Sherrock mittlerweile vermehrt und erfolgreich auf die Triple-19 oder -18 aus. Der Wechsel während eines Spiels kann auch wichtig werden, wenn es auf der Triple-20 mal nicht läuft.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Am kommenden Samstag wird Sherrock versuchen, weiter Werbung für Darts-Spielerinnen zu machen. Dann trifft sie in der zweiten Runde auf die Nummer elf der Welt, Mensur Suljovic aus Österreich. Botschafterin für ihren Sport ist sie schon jetzt. Kurz nach dem Sieg gegen Evetts wurde Sherrock zu "Good Morning Britain" eingeladen, dem Frühstücksprogramm des Fernsehsenders ITV. "Ja, wir können gegen Männer antreten, ja, wir können genauso gut sein wie sie", sagte Sherrock dort. Die 25-Jährige wünscht sich allgemein mehr Anerkennung für Frauen im Darts.

Für die Co-Kommentatorin bei Sky Sports, Darts-Spielerin Laura Turner, könnte Sherrocks Erfolg der Anfang eines Darts-Booms bei den Frauen sein. "Mädchen und Frauen werden das Spiel gesehen haben und sich denken, das werde ich auch probieren. So bauen wir unser Spiel auf", sagte Turner. Und weiter: "Man muss einfach vergessen, ob es eine Frau oder ein Mann ist, und realisieren: Es sind einfach Darts-Spieler der höchsten Qualität." Es gibt keinen Grund, warum Frauen in einer Sportart, in der es vor allem auf Präzision ankommt, nicht genauso erfolgreich sein können wie Männer.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Schon zwei Tage vor Sherrocks Erfolg war die aktuelle BDO-Weltmeisterin Suzuki nur knapp gescheitert. Die Japanerin verpasste in ihrer Partie gegen James Richardson das ultimative Comeback. 0:2 in den Sätzen und 0:2 in den Legs lag Suzuki zurück. Sie kämpfte sich auf 2:2 heran, verlor am Ende aber im fünften Satz.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es zwei feste WM-Startplätze für Frauen. Lange Zeit hatte PDC-Chef Barry Hearn betont, dass jede Spielerin die Chance habe, sich über die Qualifying School zu qualifizieren. Das ist ein viertägiges Event, bei dem die Tourkarten ausgespielt werden, mit denen man für zwei Jahre an allen Turnieren der Pro Tour teilnahmeberechtigt ist - bisher mit mäßigem Erfolg für Darts-Spielerinnen. Zur WM 2019 änderte Hearn seine Meinung und führte die beiden Quotenplätze ein, begünstigt durch die Erhöhung der Teilnehmerzahl von 72 auf 96.

Trotzdem bekommt die Qualifying School für die besten Spielerinnen eine größere Bedeutung. Die viermalige Weltmeisterin Ashton scheiterte im vergangenen Jahr knapp, tritt im Januar aber wieder an. Auch Suzuki wird wohl versuchen, sich eine Tourkarte zu erspielen. Fallon Sherrock hat sich dazu noch nicht geäußert, wie es für sie weitergehen wird. Als neue Botschafterin des Darts hat sie aber eigentlich kaum eine andere Wahl, als es zu versuchen. Und bis Mitte Januar hat sie bestimmt auch einen Spitznamen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.