Darts-WM 2019 Mehr Teilnehmer, mehr Geld, aber kein Taylor mehr

Die Darts-WM lockt Jahr für Jahr mehr Menschen in die Hallen und vor die Bildschirme. Mit dem Interesse wächst auch die Weltmeisterschaft selbst. Aber nicht nur die Teilnehmerzahl hat sich verändert.

Darts-Weltmeister Rob Cross
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Darts-Weltmeister Rob Cross

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Die 26. WM der Professional Darts Corporation (PDC) steht direkt vor der Tür. Von heute an bis zum 1. Januar wird im Alexandra Palace (Ally Pally) der nächste Weltmeister ausgespielt. PDC-Chef Barry Hearn hat aus dem Kneipensport ein gewaltiges Event gemacht - mit Darts werden mittlerweile Millionen verdient. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. So verwundert es wenig, dass Hearn zur WM 2019 wieder einige "Verbesserungen" vorgenommen hat.

Mehr Preisgeld

Auch 2018 konnte man bei der WM schon ganz gut verdienen. 1,8 Millionen Pfund wurden insgesamt ausgeschüttet, allein 400.000 gab es für Sieger Rob Cross. Dieses Jahr wurde das Preisgeld um fast 40 Prozent auf 2,5 Millionen Pfund erhöht, eine halbe Million davon geht an den Weltmeister. Noch vor zehn Jahren belief sich das Preisgeld insgesamt auf 735.000 Pfund, bei der ersten WM 1994 waren es gerade mal 64.000.

Mehr Teilnehmer

Statt 72 kämpfen dieses Jahr 96 Spieler um die Darts-Krone. Auch die Internationalisierung der PDC wird weiter vorangetrieben, Teilnehmer aus 28 Nationen sind am Start - neuer Rekord. Die erste WM der PDC (damals noch WDC, World Darts Council) fand übrigens 1994 mit 24 Spielern statt, 17 davon kamen aus Großbritannien oder Irland, die anderen sieben aus den USA. Mit Max Hopp, Martin Schindler, Gabriel Clemens und Robert Marijanovic sind vier Spieler für Deutschland am Start, mehr als zwei waren es vorher nie.

Wie auch in den vergangenen Jahren sind die ersten 32 der Weltrangliste (Order of Merit) gesetzt, greifen diesmal allerdings erst in Runde zwei ins Turniergeschehen ein. In der ersten Runde treffen 32 Spieler, die sich über die Geldrangliste aller Nicht-TV-Turniere (Pro Tour Order of Merit) qualifiziert haben, auf 32 regionale und internationale Qualifikanten, unter anderem aus Japan, Lettland, Südafrika und Tschechien.

Erstmals zwei Frauen am Start

Unter den 32 Qualifikanten sind auch erstmals zwei Frauen. Lisa Ashton aus England und die Russin Anastasia Dobromyslova setzen sich in zwei separaten Qualifikationsevents gegen jeweils mehr als 200 Kontrahentinnen durch. Die 48-jährige Ashton ist vierfache Weltmeisterin der British Darts Organisation (BDO), die 34-jährige Dobromyslova gewann die Damen-WM dreimal. Ashton und Dobromyslova sind nicht die ersten Frauen bei der PDC WM, aber die ersten, die sich die Teilnahme erspielt haben. Die Kanadierin Gayl King und Dobromyslova bekamen 2001 respektive 2009 Wildcards, verloren allerdings beide ihr erstes Match.

Auch in diesem Jahr wäre ein Sieg von einer der beiden Teilnehmerinnen eine Überraschung. Denn obwohl beim Darts physische Vorteile von Männern keine Rolle spielen sollten, liegt das Niveau der besten Frauen deutlich unter dem der Männer. Dennoch könnte die Entscheidung der PDC eine Signalwirkung für Darts-Spielerinnen haben. Denn teilnahmeberechtigt sind Frauen an allen Qualifikationsevents der PDC, eine Geschlechtertrennung gibt es nicht.

Keine Walk-on-Girls

Im Ally Pally begleiten keine leichtbekleideten Damen mehr die Spieler auf ihrem Weg Richtung Bühne. Im Januar beschloss die PDC; bei den Major-Turnieren auf die Walk-on-Girls zu verzichten. "Die Entscheidung wurde nach Rücksprache mit den übertragenden TV-Partnern getroffen", erklärte ein Sprecher damals. Die Nummer eins der Welt, Michael van Gerwen, hatte den Schritt schon im Dezember 2017 vorausgesehen. "Darts ist bereits für den nächsten Schritt", so der Weltranglistenerste in einem Interview mit der niederländischen Tageszeitung "AD". "Einerseits lebt Darts vom Entertainment, andererseits will die PDC aber auch, dass mehr Menschen Darts als einen richtigen Sport sehen", so van Gerwen weiter.

Erste WM nach Phil Taylors Rücktritt

1989 war der große Mann des Darts das letzte Mal nicht bei einer WM dabei. Der Rekordweltmeister (16 Titel) war nach seiner Finalniederlage bei der WM 2018 gegen Rob Cross (2:7) zurückgetreten. Kein Spieler hat den Sport so geprägt wie der Engländer. Als Phil Taylor das letzte Mal nicht bei einer WM dabei war, war Titelverteidiger Rob Cross noch nicht geboren, "Looking For Freedom" von David Hasselhoff ein Riesenhit, und in den deutschen Kinos war gerade "Liebling, ich hab die Kinder geschrumpft" angelaufen.



insgesamt 3 Beiträge
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Laplace11 13.12.2018
1. Ohne Walk-on Girls, ohne mich!
Das einzige wofür es sich gelohnt hätte den Fernseher anzuschalten, wurde wegrationalisiert. Dann bleibt der Kasten eben aus.
jockyx 13.12.2018
2. Dart
macht einfach nur Spaß. Auch für den Laien. Für die Zuschauer ein Event. Klasse. Auch ohne Walk Girls.
widower+2 13.12.2018
3. Gut so!
Zitat von Laplace11Das einzige wofür es sich gelohnt hätte den Fernseher anzuschalten, wurde wegrationalisiert. Dann bleibt der Kasten eben aus.
Dann bleiben Sie eben weg. Für Sie gibt es ja heutzutage andere Kanäle um Ihren Voyeurismus und Sexismus zu befriedigen.
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