Nach Machosprüchen Sport1 verzichtet auf Shumway als Experten für Darts-WM

"Seine Kumpels lachen ihn schon Wochen vorher aus": Für diese und andere Machosprüche wurde Gordon Shumway zuletzt heftig kritisiert. Nun trennte sich Sport1 von dem früheren Dartsspieler als Co-Kommentator.
Gordon Shumway

Gordon Shumway

Foto: imago/Hartenfelser

Der TV-Sender Sport1 wird Gordon Shumway nicht mehr als Experte und Co-Kommentator bei der Darts-WM 2019 einsetzen. Dies teilte der TV-Sender auf Twitter mit.

Der frühere Spieler hatte während des Duells zwischen Anastasia Dobromyslova und Ryan Joyce über die erstmalige Teilnahme von Frauen beim Turnier in London gesagt: "Ich bin kein Freund von diesem Zirkus. Ich weiß nicht, was das soll, zwei Damen bei einem professionellen Darts-Turnier mit aufzunehmen? Warum nur zwei? Ich finde es keine gute Idee. Wenn man den Damen eine Plattform geben möchte, dann kann man ihnen eine eigene Turnierserie geben."

Shumway hatte massive Kritik geerntet, nachdem er zudem gesagt hatte: "Wir wissen ja, Dart ist ein mentales Spiel. Und Männer werden wahrscheinlich immer ein Problem haben, gegen Frauen zu spielen. Seine Kumpels lachen ihn schon vier Wochen vorher aus." Kommentator Basti Schwele hatte zunächst versucht, als Fürsprecher für Frauen bei der WM die Situation zu retten, dann aber irgendwann in Richtung Shumway gesagt: "Jetzt ist gut."

Der 50-Jährige hatte sich später live "bei den Mädels und Damen im Dartssport" für seine Machosprüche entschuldigt. Er habe "überhaupt nichts gegen Frauen im Darts oder bei dieser WM". Seine Tochter spiele ebenfalls, er selbst habe viele Jahre gegen Frauen gespielt.

Spielerin nach vielen Jahren ohne Veränderungen frustriert

"Es spielen so viele Frauen tolle Darts. Gebt ihnen, damit auch uns, das Recht, sich zu beweisen. Sie haben es sich mehr als verdient", sagt Ex-Nationalspieler Martin Hebecker. Bei Turnieren der Professional Darts Corporation (PDC) waren Frauen schon immer gleichberechtigt - in gemischten Wettkämpfen aber selten ganz vorne dabei.

Warum die Männer dominieren? An den Pfeilen könne es nicht liegen, sagte Michael Sandner: Man brauche "keinen besonders großen Bizeps", um die 20 bis 25 Gramm schweren Darts auf der Scheibe zu platzieren, sagte der Präsident des Deutschen Darts-Verbandes. Sandners Erklärung: Es gebe einfach noch zu wenige Spielerinnen, um den Pfeil-Sport in Deutschland groß zu machen. Nur rund zehn Prozent der knapp 12.000 gemeldeten Spieler sind weiblich. "Auch weil man im Fernsehen einfach immer nur Männer sieht", sagt der Verbandschef.

In der mit der PDC konkurrierenden British Darts Organisation (BDO) spielen seit den Siebzigerjahren gemischte und reine Damen-Teams. Seit 2001 gibt es das Lakeside-Turnier - eine WM nur für Frauen. "Die beiden Turniere sind aber nicht zu vergleichen", sagt die deutsche Nationalspielerin Irina Armstrong, die 2007 noch gemeinsam mit Dobromyslowa einen Doppel-Titel bei einem Teamwettbewerb gewonnen hatte. Statt 500 000 Euro Preisgeld gibt es dort gerade einmal 10 000 bis 20 000 Euro. Die 42-Jährige ist nach vielen Jahren frustriert: "Früher habe ich Darts sehr viel ernster genommen. Aber wenn man keine Zukunft sieht, möchte man das nicht mehr."

sak/dpa
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