Ex-Rugby-Profi Price bei der Darts-WM Der Mann, den die Pfiffe veränderten

Sein exzessiver Jubel machte Gerwyn Price zum unbeliebtesten Darts-Profi. Inzwischen ist der Waliser ruhiger geworden - und das hat Auswirkungen auf sein Spiel. Er gilt nun als ein Favorit bei der WM.
Wenn Gerwyn Price jubelt, kann man schon mal Angst bekommen

Wenn Gerwyn Price jubelt, kann man schon mal Angst bekommen

Foto: Swen Pförtner/ DPA

Gerwyn Price nennen sie bei der Professional Darts Corporation (PDC) "The Iceman". Und das ist eigentlich ein schlechter Scherz.

Denn auf der Bühne ist der walisische Dartsprofi alles andere als ein gefühlskalter Eisschrank. Eher das Gegenteil: Er schreit seine Freude über einen guten Wurf hinaus, das kann schon einschüchternd wirken. Der ehemalige Rugby-Profi sieht so aus, als könnte er immer noch die meisten anderen Spieler problemlos zu Boden reißen. Auf jeden Fall ist er laut.

Allerdings schießt Price beim Jubeln auch mal über das Ziel hinaus: 2018 kam es beim Finale des Grand Slam of Darts zum Eklat: Gary Anderson fühlte sich vom exzessivem Jubel seines Kontrahenten gestört. Price feierte gute Würfe immer wieder demonstrativ in Richtung seines Gegners, anstatt - wie üblich - die Darts direkt nach dem Wurf aus dem Board zu holen. Beim Rückstand von 13:14 ließ sich der genervte Anderson dann sogar zu einem kleinen Schubser gegen Price hinreißen. Für die Zuschauer in der Halle war trotzdem der "Iceman" der Schuldige, der 34-Jährige wurde für den Rest des Matches ausgepfiffen.

"Buht mich nächstes Mal ruhig noch lauter aus"

Price zeigte sich davon unbeeindruckt, gewann 16:13 und damit seinen ersten Major-Titel. Unter Buhrufen und Pfiffen nahm er seine Trophäe entgegen und legte im Siegerinterview nach: "Er kommt mit Typen wie mir nicht zurecht und jammert immer", sagte Price. Und ans Publikum gewandt: "Buht mich nächstes Mal ruhig noch lauter aus."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Auf Twitter stichelte Price nach dem Spiel weiter gegen Anderson, löschte den Eintrag aber kurze Zeit später wieder. Ein Nachspiel hatte sein Verhalten dennoch: Die Darts Regulation Authority nahm Ermittlungen auf (auch weil Price schon im Halbfinale aufgefallen war) und verhängte gegen Price die bisherige Rekordstrafe von 21.500 britischen Pfund. Anderson kam mit einer Verwarnung davon. Price legte zwar Einspruch ein, seine Strafe wurde auf insgesamt 11.500 Pfund reduziert - aber es war immer noch das höchste Bußgeld, das je verhängt wurde.

Spätestens nach dem Grand Slam hatte Price den Ruf als Rüpel des Darts. Wo er auch hinkam, Pfiffe und Buhrufe gab es zur Begrüßung. Bei seinem Auftaktspiel bei der WM im Vorjahr ließ ihn das nur zu Beginn kalt. Nach einer 2:0-Führung gegen Nathan Aspinall kam der Gegner immer besser in die Partie. Als das Publikum merkte, dass es doch spannend werden könnte, schlug es sich auf die Seite von "The Asp". Für Price gab es wieder Buhrufe, und am Ende verlor er das Match tatsächlich 2:3.

Price hat seine Emotionen besser im Griff

In einem Interview mit dem "Guardian" sagte Price kürzlich, dass ihn die lautstarke Abneigung der Fans beeinflusst habe. "Ich wurde als Schurke des Darts dargestellt", so Price. "Ich kann es ertragen, ein bisschen den Bösen zu spielen. Aber das war übertrieben."

Inzwischen ist Price zwar immer noch nicht der "Iceman", was die Gefühlsausbrüche angeht. Aber er ist ruhiger geworden. Das zahlt sich aus: Die Pfiffe gegen ihn wurden weniger, seine Trefferquote auf die Doppelfelder hat er in den entscheidenden Momenten einer Partie steigern können.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Mittlerweile ist Price die Nummer drei der Welt und einer der Topfavoriten bei der WM. Beim Grand Slam verteidigte er seinen Titel, schlug dabei Michael van Gerwen im Halbfinale. Beim letzten Turnier vor der WM, den Players Championship Finals, verlor er ein Endspiel auf höchstem Niveau 9:11 gegen "Mighty Mike". Nur durch diesen Sieg überholte Dominator van Gerwen noch Price beim 2019 eingespielten Preisgeld.

Bei der WM kam Price noch nie über das Achtelfinale hinaus. Damit das dieses Jahr anders wird, hat er einen Wunsch an die Fans: "Buhrufe während des Spiels machen mir nichts aus. Aber wenn du auf die Doppelfelder wirfst, dann solltest du ein bisschen Respekt bekommen." Bei seinem 3:2-Auftaktsieg gegen William O'Connor haben die Zuschauer ihm diese Bitte erfüllt, während der gesamten Partie gab es kaum Pfiffe oder Buhrufe.