DDR-Sport Doping-Opfer wollen Jena-Pharm verklagen

Nach der Einigung mit dem Sportbund werden die Doping-Opfer des DDR-Sports nun gegen das Nachfolgeunternehmen des damals verantwortlichen Konzerns vorgehen. Unterstützung bekommen die Kläger dabei ausgerechnet von einer Studie, die Jena-Pharm mit finanziert.


Jena - "Ich gehe davon aus, dass jetzt diese Klagen zügig folgen werden, die Einigung mit dem DOSB ändert daran überhaupt nichts", sagte der Heidelberger Doping-Forscher Werner Franke dem Sportinformationsdienst (sid). 180 Opfer des DDR-Dopings hatten sich mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf Schadenersatz-Zahlungen von 9.250 Euro pro Person geeinigt.

Unterstützung in dem Bemühen könnte den Doping-Opfern eine Studie des Forschungsprojektes "UM-unterstützende Mittel" liefern, das seit dem vorigen Jahr an der Universität Jena läuft. "Es ist unstrittig, dass Jena-Pharm die Masse der Doping-Substanzen für den DDR-Leistungssport produziert hat", erklärte Lutz Niethammer, der Leiter der Forschungsgruppe, bei einem Symposium in Jena. Das endgültige Ergebnis der Studie soll im kommenden Jahr vorliegen.

In ihrem Zwischenergebnis kommen die Wissenschaftler ebenso zu der Erkenntnis, dass die DDR ihre Doping-Praxis selbst vor den befreundeten Nachbarländern verschwiegen hat. Laut Niethammer durften die Ostblock-Länder nicht "am Pillenwesen der DDR genesen". Das Forschungsprojekt der Universität Jena läuft seit Mitte 2005 und ist auf zwei Jahre angelegt. Es wird wesentlich mit Mitteln der Firma Jena-Pharm finanziert, die auf diese Weise die Stellung des Vorgänger-Unternehmens im DDR-Leistungssportsystem erforschen lassen möchte.

goe/sid



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