DEB-Chaos Punkte bleiben, Busch darf weiterspielen

Chaos in Kanada: Weil die Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hat, droht eine herbe Strafe. Florian Busch darf dagegen auch weiterhin in Kanada aufs Eis - die Fördermittel wurden jedoch gestoppt.


Hamburg - Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft darf bei der WM in Kanada weiter Stürmer Florian Busch einsetzen. Der Berliner wurde am Mittwoch vom Internationalen Eishockey-Verband (IIHF) nicht gesperrt. Die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) hatte gefordert, den 23-Jährigen wegen einer zunächst verweigerten Dopingkontrolle vorsorglich vom Wettbewerb auszuschließen. Die IIHF bestätigte jedoch Buschs Spielberechtigung, die sie bereits vor WM-Beginn erteilt hatte. Damit kann der Berliner im letzten Vorrundenspiel in der Nacht zum Donnerstag gegen Norwegen eingesetzt werden.

Eishockey-Profi Busch: Viel Wirbel um eine Verweigerung
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Dafür drohte an anderer Stelle eine Blamage: Das DEB-Team hatte bei der Weltmeisterschaft in Kanada den Deutsch-Kanadier Jason Holland eingesetzt, der nicht spielberechtig ist. Aus diesem Grund hätte der 4:2-Sieg der DEB-Auswahl gegen die Slowakei in ein 5:0 für die Slowaken umgewandelt werden können, wie DEB-Generalsekretär Franz Reindl am Mittwoch vor dem Match gegen Norwegen erklärte. Doch die deutsche Auswahl darf die Zähler behalten. Wie das Turnier-Direktorium mitteilte, aufgrund "außergewöhnlicher Umstände".

Der 32-jährige Holland vom ERC Ingolstadt hatte 1996 für sein Heimatland Kanada an der Junioren-Weltmeisterschaft teilgenommen. Nach den Statuten IIHF hätte der Verteidiger vier Jahre in Deutschland spielen müssen, um für die dann für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt zu sein. Der Verteidiger, der bereits am Mittwoch die Heimreise antrat, wurde vom Turnier ausgeschlossen.

Das Bundesinnenministerium hatte zuvor mit sofortiger Wirkung die Auszahlung von Fördergeldern an den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) gesperrt. Zudem hat es bereits am 18. April beim zuständigen Bundesverwaltungsamt einen entsprechenden Antrag zur Rückforderung von Steuermitteln gestellt. Darüber informierte Sportstaatssekretär Christoph Bergner am Mittwoch im Bundestagssportausschuss.

"Wir versuchen, aus dem Fall die notwendigen Konsequenzen zu ziehen", sagte Bergner. Der DEB wird jährlich mit 600.000 Euro gefördert. Der Verband war im Sportausschuss nicht selbst vertreten. Das DEB-Präsidium hatte sich kurzfristig entschieden, keines seiner Mitglieder aus Halifax von der derzeit in Kanada laufenden WM zur Sitzung einfliegen zu lassen.

"Wir werden zum Einfrieren der Fördermittel erst dann Stellung beziehen können, wenn wir über die Gründe dieses Schrittes informiert worden sind", sagte DEB-Vizepräsident Uwe Harnos SPIEGEL ONLINE. "In jedem Fall werden wir das nicht akzeptieren und uns dagegen wehren", so der Rechtsanwalt am Rande der WM in Kanada.

Busch hatte am 6. März eine unangemeldete Dopingkontrolle zunächst verweigert und fünf Stunden später nachgeholt. Die Probe war negativ. Der DEB hatte daraufhin eine öffentliche Verwarnung ausgesprochen und eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro sowie 56 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängt. Gemäß dem Nada-Code wäre mindestens eine Einjahressperre auszusprechen gewesen. Am Dienstag hatte die Nada den Vertrag über Trainingskontrollen mit dem DEB gekündigt.

Die Wada prüft laut Christoph Niessen, Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), derzeit die Möglichkeit, beim Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen das Urteil vorzugehen. Bislang sei weiter nicht klar, ob der DEB den Nada-Code anerkannt hat oder nicht. Zugleich monierte Niessen vor dem Ausschuss erneut, dass der DEB neun seiner bei der WM im Einsatz befindlichen Nationalspieler teilweise seit zweieinhalb Jahren nicht dem Trainingskontrollsystem unterworfen hat. Die DEB-Argumentation, diese Aktiven seien zum Teil im Ausland tätig, sei inakzeptabel: "Die Nada kontrolliert doch auch Basketballer Dirk Nowitzki in Dallas."

fpf/sid



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