Degenfechterin Duplitzer "IOC lügt, dass sich die Balken biegen"

Imke Duplitzer redet sich ihren Frust von der Seele. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung hat die Degenfechterin das IOC und den DOSB heftig kritisiert. Der Spitze des Deutschen Olympischen Sportbunds unterstellte sie absolute Ahnungslosigkeit. "Die raffen das gar nicht mehr", so die 36-Jährige.
Fechterin Duplitzer: "Die raffen das gar nicht mehr"

Fechterin Duplitzer: "Die raffen das gar nicht mehr"

Foto: DPA

Hamburg - Degenfechterin Imke Duplitzer hat fünf Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in London für Aufsehen gesorgt. Die Mannschafts-Silbermedaillengewinnerin von Athen 2004 wetterte in der "Bild"-Zeitung unter anderem heftig gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

"Wenn ich mich mit Doktor Michael Vesper (Generaldirektor des DOSB - d. Red.) unterhalte, oder wenn ich von weitem mal Präsident Thomas Bach sehe - ich glaube, die raffen das gar nicht mehr", sagte Duplitzer: "Das, was die erzählen, zählt für 0,5 Prozent der 392 deutschen Olympia-Sportler." Die Athletin wolle eine ehrliche Debatte über den deutschen Sport. Denn: Die Funktionäre wüssten gar nicht mehr, was in der Sporthalle los sei. "Das liegt auch daran, dass sie in ihrem Pixiewolkenkuckucksheim leben", so Duplitzer.

Die 36-Jährige äußerte sich zudem zur Zukunft des deutschen Sports generell. "Die Leistungen brechen immer weiter ein. Es liegt auch daran, weil das System völlig daneben ist." Duplitzer warnte davor, dass die Nachwuchssorgen nach Olympia groß werden könnten. "Wir haben jetzt schon ein massives Trainer-Problem. Uns laufen die Trainer weg, weil sie in anderen Ländern viel, viel, viel mehr verdienen und bessere Rahmenbedingungen vorfinden", sagte Duplitzer.

"Das IOC macht sich die Welt, wie es ihm gefällt"

Ob ihre Aussagen Konsequenzen nach sich ziehen werden, ist noch unklar. Der DOSB hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auch das Internationale Olympische Komitee wird sich wohl mit dem Fall beschäftigen. Denn die Fechterin hielt sich auch mit ihrer Meinung zum IOC nicht zurück.

Unter anderem sprach sie sich gegen das IOC-Verbot von TV-Werbung durch Athleten aus. "Ich finde das eine Unverschämtheit. Dem Athleten gegenüber ist das extrem unfair. Aber um den Athleten geht es schon lange nicht mehr. Olympische Spiele sind eine Verkaufsshow mit angeschlossener Rummelbude. Das IOC macht sich die Welt, wie es ihm gefällt."

Duplitzer sagte über die Funktionäre: "Das IOC behauptet von sich, edel, hilfreich und gut zu sein - dann sollen sie sich bitte auch so aufführen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Jede Bank wird mittlerweile verklagt, weil sie in Prospekten gelogen hat. Das IOC verkauft einen schönen Schein und lügt, dass sich die Balken biegen - aber es interessiert keinen. Die Welt will beschissen werden."

Auch zum Thema Doping hat Duplitzer eine klare Meinung. "Wenn du ein bisschen Geld für Medikamente, einen guten Arzt und einen laschen Verband hast, wirst du nie im Leben erwischt." Hoffnung, dass der Sport sauberer werden könnte, hat sie nicht. "Die Doping-Jäger können nur auf das testen, was sie kennen. Wenn du als Sportler ein Epo der fünften Generation nimmst, das irgendwo in China im Rattenlabor entwickelt wurde, kannst du das Zeug fressen, was das Zeug hält, und wirst nicht positiv getestet. Nur die Dummen lassen sich erwischen."

jar/sid