DEL-Meister Adler Mannheim Der Liga entflogen

In einer Saison voller Bestmarken haben sich die Adler zum Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga gekürt. Mannheim und Final-Gegner München sind der Konkurrenz sportlich und finanziell enteilt.

Uwe Anspach / DPA

Aus Mannheim berichtet


Es sieht ja immer ein wenig ungelenk aus, wenn sich jemand mit Straßenschuhen auf Eis fortbewegt. So kam auch Daniel Hopp nur schwerlich voran. Allerdings musste der Geschäftsführer der Adler Mannheim sowieso alle paar Meter auf der Eisfläche der Mannheimer Arena stehenbleiben. Spieler, Trainer, Mitarbeiter, Bekannte, Offizielle von Liga und Verband, Reporter - und sie alle wollten etwas von ihm. Da blieb kaum Zeit für einen Blick auf die Tribünen, wo 13.600 Fans sangen und tanzten, weil die Adler gerade Deutscher Meister geworden waren.

"Es ist ein Traum, eine Genugtuung", sagte Hopp sichtlich erleichtert. Nun konnte er es sein, in den Minuten zuvor war daran nicht zu denken. Denn fast hätte seine Mannschaft gegen den EHC Red Bull München eine 4:1-Führung verspielt. Kurz sah es so aus, als müsste die Meistersause abgesagt werden - ehe Thomas Larkin in der Verlängerung zum 5:4 traf und die Halle explodieren ließ. Der vierte und entscheidende Sieg im Play-off-Finale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) war perfekt.

Dass die Mannheimer ein würdiger Meister sind, daran besteht kein Zweifel. Auch die Münchner, zuletzt Seriensieger mit drei Titeln in Folge, erkannten das an. Bereits in der Hauptrunde hatten die Adler mit 112 Punkten nach 52 Spielen einen Rekord aufgestellt, doch erst in den Playoffs spielten sie "unser bestes Eishockey", wie Toptorjäger Markus Eisenschmid (28 Saisontreffer) sagte: 4:1 gegen Nürnberg, 4:0 gegen Köln, 4:1 gegen München. Für die zwölf Siege bis zum Titel benötigten sie 14 Spiele. Nie war ein Team schneller. Nie hat eins die DEL von Mitte September bis Ende April so dominiert.

Neuanfang mit neuem Konzept

Das ist sicherlich überraschend, aber keine Sensation. Schließlich stehen die Adler dank Daniel Hopp, Sohn des SAP-Gründers und Fußballmäzens Dietmar Hopp, weit oben in der Etat-Tabelle der DEL. Mithalten können da nur die Münchner mit ihren Red-Bull-Millionen. Doch Geld allein macht auch im Eishockey nicht glücklich: Nachdem die Mannheimer 2015 ihre siebte Meisterschaft gewonnen hatten, trafen sie viele falsche Personalentscheidungen. Zu oft wurde nach Name gekauft. Das Ergebnis: Anfang 2018 fanden sich die Adler auf Rang zwölf der 14er-Liga wieder.

Daniel Hopp, 38, leitete als Geschäftsführer den Erfolg der Adler Mannheim ein
Eibner/ imago images

Daniel Hopp, 38, leitete als Geschäftsführer den Erfolg der Adler Mannheim ein

Da reichte es Hopp, der sich nie als reinen Mäzen, sondern stets als Gestalter definiert: Er kündigte "den größten Umbruch der Vereinsgeschichte" an und zog ihn durch. Neuer Manager wurde der bestens vernetzte Schwede Jan-Axel Alavaara. Als neue Trainer verpflichtete der Verein Pavel Gross und Mike Pellegrims, die bereits die finanziell deutlich schlechter ausgestatteten Wolfsburger mehrmals ins Finale geführt hatten. Auch neue Schlüsselspieler kamen: unter anderem Torjäger Eisenschmid und der famose finnische Verteidiger Joonas Lehtivuori.

"Wir haben alles verändert, und das war glaube ich ganz gut", sagte Hopp nun sichtlich zufrieden. Ob das gleich für eine Wachablösung in der DEL reiche, ließ er offen. Auch Stürmer David Wolf mahnte trotz der einseitigen Serie gegen den Titelverteidiger, "mit den Füßen auf dem Boden" zu bleiben. "Du darfst München nie abschreiben, die werden nächstes Jahr wieder neu angreifen."

Adler nutzen Münchner Schwächephase

Davon ist auszugehen. Zur Wahrheit der Mannheimer Überlegenheit gehört, dass die Münchner vor der Saison Nationalspieler wie Dominik Kahun oder Brooks Macek nach Nordamerika verloren und das ganze Jahr über Verletzungspech hatten. Erschwerend kam hinzu, dass sie wegen ihres Einzugs ins Finale der Champions League und der engeren Play-off-Serien am Ende 17 Spiele mehr absolviert hatten als die Mannheimer. Nächste Saison könnte es wieder deutlich enger zugehen zwischen Adlern und EHC.

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Adler Mannheim: Der DEL-Rekordmeister

Es würde niemanden wundern, wenn es dann zur Neuauflage des Finals kommt. Die Klubs sind dem Rest der Liga finanziell wie sportlich enteilt. Sie haben die besten Trainer, die tiefsten Kader und locken immer neues Spitzenpersonal an. Im Finale stand nicht umsonst der halbe Silberkader von Olympia 2018 auf dem Eis, zudem zahlreiche Akteure mit Erfahrungen aus der NHL oder der russischen KHL.

Selbst Nürnbergs spendierfreudiger Mäzen Thomas Sabo hat da aufgegeben: Im Dezember klagte er gegenüber dem Fachmagazin "Eishockey News": "München und Mannheim laufen etatmäßig einfach weg, da ist nicht mehr mitzuhalten, und das will man auch gar nicht mehr." Machen sie keine allzu groben Fehler, könnte das Rennen um die deutsche Eishockey-Meisterschaft über Jahre ein Zweikampf werden.



insgesamt 14 Beiträge
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Edenjung 27.04.2019
1. Budget cap
Ich freu mich für Mannheim, da wurde dann endlich mal die monotonie aufgebrochen. Aber die liga braucht nen budget cap, dann würden auch nicht so viele vereine so enteilen. Und natürlich mehr Coverage in den Medien. Heißt dann sollte auch mal Donnerstags abends das Finale im ÖR laufen anstelle vom normalem program das eh keiner kuckt Dann wird der sport auch endlich aml profitieren. Aber in Dt gibt's ja nur den könig fußball. traurig...
stralle62 27.04.2019
2. Im Fußball
Hoffenheim und im Eishockey Mannheim. Die Familie Hopp hat halt Spaß daran, sich mit Vereinen zu schmücken. Die Aussage, dass man sich "nicht nur als Mäzen sehe" grenzt an Störung der Selbstwahrnehmung.
wolfi55 27.04.2019
3. Glückwunsch
Und ein bisschen Glück gehört immer dazu. Also von daher, alles gut. Dass da zwei Vereine den anderen finanziell enteilt sind, das muss man hinnehmen. Man kann nur hoffen, dass die auch international mitspielen können und vor allem profitiert davon auch die NAtionalmannschaft, weil man hier gute Spieler halten kann.
Hayas 27.04.2019
4. Nee eben nicht,
Zitat von wolfi55Und ein bisschen Glück gehört immer dazu. Also von daher, alles gut. Dass da zwei Vereine den anderen finanziell enteilt sind, das muss man hinnehmen. Man kann nur hoffen, dass die auch international mitspielen können und vor allem profitiert davon auch die NAtionalmannschaft, weil man hier gute Spieler halten kann.
so wird (bleibt?) Eishockey halt iwann genauso öde wie die Bundesliga. Wers Geld für die besten Spieler, Trainer, Trainigsbedingungen hat wird halt Meister. Wie will man nem neuen Publikum die DEL schmackhaft machen wenn immer nur zwei Vereie um die Meisterschaft kämpfen?
holzi2812 27.04.2019
5. nicht nur das Geld entscheidet
Vielleicht sollte man auch berücksichtigen, dass gerade diese beiden Vereine extrem auf jungen deutschen Nachwuchs setzen und eben nicht wie viele andere ein Haufen Geld für Namen und vermeindliche Stars ausgeben. Wenn man schaut welche "Stars" Nürnberg, Köln oder Berlin geholt haben als es Verletzte gab, die spielen bestimmt auch nicht für ein Butterbrot. Auch mit der neuen U23 Regel wird sich hier nochmal einiges tun. und dass auch kleines Budget oben mitspielen kann zeigen Vereine wie Bremerhaven oder Augsburg. wichtig ist nicht wie viel Geld es von wem gibt, sondern was damit angestellt wird. Aber klar macht es mehr Geld einfacher, das ist wie überall.
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