Basketball-Nationalspieler Schröder "Muss noch überlegen, ob ich mitspiele"

Mit 19 wechselte der deutsche Basketball-Star Dennis Schröder in die amerikanische NBA. Jetzt, vor seiner dritten Saison, strebt er selbstbewusst einen Stammplatz an. Völlig offen ist dagegen, ob er 2016 wieder für die Nationalmannschaft aufläuft.
Basketballprofi Schröder: "Mein nächstes Ziel ist es, erster Point Guard zu werden"

Basketballprofi Schröder: "Mein nächstes Ziel ist es, erster Point Guard zu werden"

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Zur Person
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Dennis Schröder, Jahrgang 1993, ist ein deutscher Basketballprofi. Bis 2013 spielte der Point Guard in seiner Geburtsstadt Braunschweig. Mit 19 Jahren wechselte er dann zu den Atlanta Hawks in die nordamerikanische Profiliga NBA, mit denen er in der Saison 2014/2015 das Playoff-Halbfinale erreichte. Seit 2014 spielt Schröder auch für die deutsche Nationalmannschaft.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schröder, die neue NBA-Saison beginnt, Sie treffen mit Atlanta zum Start auf Detroit. Wie sehen Sie Ihre Rolle bei den Hawks in der kommenden Spielzeit?

Schröder: Ich bin vergangene Saison schon gut gewesen. Dieses Jahr will ich noch einen Schritt weitergehen. Der Coach redet sehr viel mit mir, die Spieler sind auch sehr gut zu mir. Alle wissen, dass ich eine wichtige Rolle spiele. Ich bin froh, dass ich mir diese bei einem NBA-Top-Team erarbeitet habe.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie werden vermutlich zunächst nur auf der Bank sitzen, schließlich ist Jeff Teague auf der Spielmacherposition gesetzt.

Schröder: Jeff und ich standen öfter zusammen auf dem Feld, etwa in der Playoff-Serie gegen Washington. Ich hoffe, dass ich in der neuen Saison wieder viel Spielzeit bekommen werde. Wenn nicht, bleibe ich geduldig. Irgendwann werde ich meine Chance bekommen - egal ob in diesem Team oder in einem anderen. Mein nächstes Ziel ist es, erster Point Guard zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Geben Sie sich ein Zeitlimit, um dieses Ziel zu erreichen?

Schröder: Ich habe gesagt, nach meinem dritten NBA-Jahr, also ab nächster Saison, will ich auf jeden Fall der Starter in einem Team sein. Ich habe schon sehr viel gezeigt.

SPIEGEL ONLINE: Kommunizieren Sie dieses Ziel offen mit Ihrem Trainer oder dem Management?

Schröder: Denen haben schon viele gesagt, dass ich nach meiner guten vergangenen Saison nun viele Minuten bekommen müsste. Ich denke, wenn man geduldig bleibt und hart arbeitet, wird sich das auszahlen. Aber nächstes Jahr wäre der Zeitpunkt für mich dann auch gekommen, an dem ich starten will.

SPIEGEL ONLINE: Was müssen Sie an Ihrem Spiel noch verbessern, um den Job als Starter zu bekommen?

Schröder: Ich muss einfach so spielen wie immer. Das Wichtigste ist die Verteidigung. Mit der Defensive gewinnst du Meisterschaften. Das habe ich schon gut drauf. Ich versuche jetzt, bei meinem Dreier- und dem Mitteldistanz-Wurf noch konstanter zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Vergangene Saison standen Sie mit den Hawks im Halbfinale. Was ist für Atlanta in dieser Spielzeit möglich?

Schröder: Sehr viel. Wir haben gezeigt, dass wir ein sehr gutes Team sind, sehr gut den Ball passen und oben mitspielen können. Wir müssen weiterhin so konkurrenzfähig sein. Wenn uns das gelingt, haben wir eine gute Chance.

SPIEGEL ONLINE: Allerdings wird nach der Vorsaison diesmal niemand mehr die Hawks unterschätzen.

Schröder: Natürlich nicht. Aber uns hatten viele bereits Mitte der Vorsaison auf der Rechnung. Und trotzdem haben wir so weitergespielt wie zuvor und blieben erfolgreich.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Cleveland Cavaliers mit Superstar LeBron James Ihr Hauptkontrahent im Osten?

Schröder: Die werden sicherlich wieder ein gutes Team haben. Aber da machen wir uns keine Sorgen. Wir haben mit Justin Holiday, Tim Hardaway und Tiago Splitter sehr gute Leute bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie Ihre Rolle als Deutscher in der NBA? Dirk Nowitzki geht ja langsam seinem Karriereende entgegen.

Schröder: Was Dirk für eine Karriere hingelegt hat, ist Wahnsinn. Ich freue mich, dass ich in seine Fußstapfen treten kann - bald.

SPIEGEL ONLINE: Sie gelten als sehr selbstbewusst. Wie sind Sie mit der Kritik an Ihrer Person nach der Europameisterschaft umgegangen?

Schröder: Das hat mich kein bisschen getroffen, und es interessiert mich auch nicht, was einige Leute über mich sagen. Ich bin jetzt hier in den USA und versuche einfach, mein Bestes zu geben, mich zu etablieren und einen weiteren Schritt zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht es dann 2016 mit Ihnen in der Nationalmannschaft aus? Es steht ja eventuell ein Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in Rio an.

Schröder: Da muss ich noch überlegen, ob ich mitspiele. Nach den ganzen Sachen, die da passiert sind, hätte natürlich auch der Deutsche Basketball Bund was sagen können. Vielleicht spiele ich nächstes Jahr nicht in der Nationalmannschaft, und wir schauen mal, wie es dann aussieht.

SPIEGEL ONLINE: Gegen wen richtet sich Ihre Kritik beim DBB genau?

Schröder: Gegen gar keinen. Der DBB hat mich immer gut behandelt, war immer für mich da. Aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich 2016 für Deutschland spiele.

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