Depressiver Radstar Jiménez Tod mit 32 Jahren

José Maria Jiménez ist tot. Der dreifache Bergkönig der Vuelta verstarb in einer psychiatrischen Klinik Madrids - angeblich an Herzversagen. Vor anderthalb Jahren hatte er sich wegen Depressionen aus dem Radsport zurückgezogen.


 "Die Eleganz auf dem Rennrad": José Maria Jiménez
AP

"Die Eleganz auf dem Rennrad": José Maria Jiménez

Madrid - Die genaue Todesursache Jiménéz', der in der Nacht auf Sonntag verstarb, soll in einer Autopsie festgestellt werden. Der Spanier war wegen seiner Depressionen in Behandlung, die ihn zur Aufgabe seiner einst vielversprechenden Karriere gezwungen hatten.

Jiménez, der nur 32 Jahre alt wurde, war als möglicher Nachfolger von Miguel Induráin gehandelt worden. Der unter seinem Spitznamen "Chaba" bekannte Sportler war 1992 im spanischen Banesto-Team unter den Fittichen des fünffachen Tour-de-France-Siegers Induráin Profi geworden. "Er hat mir bei meinen Erfolgen sehr geholfen", sagte Induráin, als er vom Tod seines einstigen Teamgefährten erfuhr.

 Gehörte zur Radsport-Elite: José Maria Jiménez (l.) an der Seite von Jan Ullrich
DPA

Gehörte zur Radsport-Elite: José Maria Jiménez (l.) an der Seite von Jan Ullrich

Der als exzentrisch geltende Jiménez gehörte zu den bestbezahlten spanischen Radprofis. Er liebte die Show und war bei den Fans so beliebt wie kaum ein anderer. "Chaba war für den Radsport das, was Zinedine Zidane für den Fußball ist - die Eleganz auf dem Rennrad", sagte ein Verehrer. Allerdings wechselten sich bei dem Kletterspezialisten, der 1998, 1999 und 2001 das Bergtrikot der Spanien-Rundfahrt und insgesamt neun Etappen gewann, außerordentliche Erfolge häufig mit großen Leistungstiefs ab.

Dies wurde zuweilen auf einen ausschweifenden Lebensstil von Jiménez zurückgeführt. Erst später stellte sich heraus, dass er unter Depressionen litt und sich tagelang in seiner Wohnung eingeschlossen hatte. Jiménez war nach dem Italiener Marco Pantani und dem Belgier Frank Vandenbroucke der dritte erfolgreiche Profi gewesen, der sich wegen Depressionen aus dem Radsport zurückzog.

In Deutschland gibt derzeit der Fall des Fußballprofis Sebastian Deisler Anlass zur Sorge. Der 23-jährige Mittelfeldspieler von Bayern München leidet ebenfalls an Depressionen und muss in einer Klinik behandelt werden.



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