Betrugsverdacht im Handball Schwere Vorwürfe gegen Montpellier

Der französische Handball-Meister Montpellier AHB ist unter Manipulationsverdacht geraten. Das Team um Superstar Nikola Karabatic wird verdächtigt, ein Spiel absichtlich verloren zu haben. Der Club-Präsident wurde bereits von der Polizei verhört.

Montpellier unter Betrugsverdacht: Journalisten warten vor der Geschäftsstelle
DPA

Montpellier unter Betrugsverdacht: Journalisten warten vor der Geschäftsstelle


Hamburg - Einen Tag vor Beginn der neuen Champions-League-Saison sieht sich der französische Handball-Meister Montepellier AHB mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Das Team um Nikola Karabatic, früherer Profi vom THW Kiel, steht im Verdacht, ein Spiel absichtlich verloren zu haben, um nahestehenden Personen hohe Wettgewinne zu ermöglichen. Gegen acht Spieler des Clubs sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, berichteten der TV-Sender "France 3 Languedoc-Roussillon" und andere französiche Medien übereinstimmend unter Berufung auf Justizkreise.

Bei dem betroffenen Spiel soll es sich um die 28:31-Niederlage von Montpellier am 12. Mai beim abstiegsbedrohten Club Cesson-Rennes HB handeln. Montpellier stand damals schon als Meister fest, Rennes konnte sich durch den überaschenden Sieg den Klassenerhalt sichern. Karabatic war wegen einer Verletzung nicht dabei.

Der französische Wettanbieter "Française des Jeux" hatte die ungewöhnlich hohen Wetteinsätze auf das Spiel in Cesson registriert und diesen Vorgang gemeldet. Laut "France 3" hat die Polizei herausgefunden, dass viele Wetten von Ehefrauen, Freundinnen und andere Verwandten der Spieler getätigt worden seien. Gilles Soulié, Chef der Kriminalpolizei in Montpellier, wollte diese Berichte auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.

Ungewöhnlich hohe Wetteinsätze

Den verdächtigten Spielern drohen wegen Sportkorruption und Betrug ein Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren und hohe Geldstrafen, berichtet die Zeitung "Le Figaro". Montpelliers Clubpräsident Rémy Lévy räumte bereits ein, er sei in Zusammenhang mit der Affäre von der Polizei verhört worden. "Ich will aber das Ermittlungsgeheimnis wahren", sagte Lévy der Zeitung "Midi Libre". Rennes-Präsident Philippe Barberet versicherte, beim Spiel sei alles mit rechten Dingen zugegangen: "Ich verstehe das nicht (...). Niemand hat während des Spiels etwas Komisches gesehen."

Nikola Karabatic, Frankreichs Sportler des Jahres 2011, hat sich zu den Vorwürfen bislang nur über seinen Manager geäußert. Er sei über die Nachrichten überrascht, noch sei kein Spieler angehört worden.

Die Mannschaft von Montpellier ist zur Zeit in Deutschland, um sich auf die Partie am Donnerstag in Flensburg vorzubereiten. Die Spieler sollen nach ihrer Rückkehr von der französischen Kriminalpolizei befragt werden, berichten französiche Medien.

rei/dpa



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