Deutsches Daviscup-Team Unruhe trotz Klassenerhalt

Deutschland gehört auch kommendes Jahr der Daviscup-Weltgruppe an. In der Playoff-Begegnung gegen Venezuela gab es einen klaren Erfolg. Dennoch kündigt sich bereits neuer Ärger an.


Nicolas Kiefer (l.) und David Prinosil: Entscheidender Punkt im Doppel
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Nicolas Kiefer (l.) und David Prinosil: Entscheidender Punkt im Doppel

Karlsruhe - Deutschland setzte sich gegen Venezuela mit 5:0 durch. Nicolas Kiefer hatte am Sonntag im vorletzten Einzel für die 4:0-Führung gesorgt. Der Holzmindener, der für den angeschlagenen Haas eingesprungen war, besiegte Kepler Orellana mit 6:1, 7:5. Haas hatte wegen einer Ellenbogenblessur, die den 24-Jährigen seit Monaten plagt, auf einen weiteren Einsatz verzichtet. Den 5:0-Endstand machter Rainer Schüttler perfekt, der sich gegen Jimy Szymanski 6:3, 6:0 durchsetzte.

Den Klassenerhalt hatte das deutsche Team bereits am Samstag geschafft. In der mit 2000 Zuschauern nur knapp zur Hälfte gefüllten Europahalle von Karlsruhe hatten Kiefer und Prinosil beim 6:1, 6:3, 6:0 über Jose de Armas/Szymanski im Doppel keinerlei Probleme. Bereits nach 45 Minuten führten die beiden Deutschen mit 2:0-Sätzen gegen die hoffnungslos überforderten Südamerikaner. Nach einer Stunde und fünf Minuten war das Match beendet.

Doch im deutschen Daviscup-Team wird vermutlich auch nach dem deutlichen Sieg über die allenfalls zweitklassigen Gäste so bald keine Ruhe einkehren. Zwar signalisierten Haas, Schüttler, Kiefer und Prinosil am Samstag vor laufenden ARD-Kameras ihre Bereitschaft, dem DTB im nächsten Jahr zur Verfügung zu stehen. Doch die nach außen übertrieben zur Schau gestellte Einigkeit konnte die Risse im Team nicht überdecken.

Eitler Auftritt von Thomas Haas


Dem Auftritt der Mannschaft bei ihrer Absichtserklärung für 2003 war ein bemerkenswertes Schauspiel hinter den Kulissen vorausgegangen, das der frühere Daviscupspieler Hans-Jürgen Pohmann als Reporter der ARD seinem Publikum nicht vorenthalten wollte. Offensichtlich auf Betreiben von Haas-Manager Stefan Füg, dessen Rolle im deutschen Daviscup-Team immer undurchsichtiger wird, sollten nur Haas und Schüttler ihren Treueschwur für den Daviscup leisten.

Kiefer und dessen Doppelpartner David Prinosil wollte man nicht dabei haben. Teamchef Patrik Kühnen legte erfolgreich sein Veto ein, allerdings hatte Füg eine deutliche Regie-Anweisung: "Also, Tommy steht dann in der Mitte und die anderen drumherum."

"Das Schlimmste, was es im deutschen Tennis je gab"


So war Haas der Einzige, der etwas sagte. "Es ist richtig, dass wir in der Vergangenheit nicht immer das beste Team hatten. Deshalb sind wir uns einig geworden, dass wir im nächsten Jahr alle zusammen angreifen und den Pott auch mal gewinnen wollen. Wir stehen dem DTB zur Verfügung", verkündete Haas. Seinem abschließenden "Stimmt's, Jungs?" mochte keiner widersprechen.

ARD-Reporter Pohmann machte aus seinem Unmut über die derzeitige Situation keinen Hehl. "Das Ganze ist das Schlimmste, was es im deutschen Tennis je gab, und es ist niemand anderes dafür verantwortlich als ausschließlich die Spieler", sagte Pohmann. Auch das ständige Bemühen, den Gegner stark zu reden, nervte den TV-Routinier: "Wir müssen nicht zwanghaft auf Spannung machen. Für Venezuela wäre es das Größte, überhaupt einen Satz zu gewinnen."



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