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24. Januar 2012, 16:00 Uhr

Deutschland bei der Handball-EM

"Das wird ein brutaler Kampf"

Endspiel in der Hauptrunde: Siegt die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Polen, steht die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger im Halbfinale - andernfalls droht das Aus. Vor dem Duell gibt sich das DHB-Team optimistisch. Dabei bangt es um einen ihrer wichtigsten Spieler.

Hamburg - Am Tag danach war die Enttäuschung verflogen. "Klar war die Niederlage gegen Dänemark bitter", sagte Michael Haaß, Spielmacher der deutschen Handball-Nationalmannschaft mit Blick auf die Pleite gegen den Vizeweltmeister am Montagabend. "Aber das bricht uns nicht das Genick. Wir haben einen Matchball vergeben. Nun kommt der zweite Versuch gegen Polen", so der 28-Jährige. Bundestrainer Martin Heuberger ergänzte: "Wir werden gewinnen und uns die zweite Chance nicht nehmen lassen."

Die Ausgangslage vor dem Duell mit Polen am Mittwoch (16.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist klar: Gewinnt die deutsche Mannschaft, steht sie bei der Europameisterschaft in Serbien im Halbfinale; bei einer Niederlage ist das Team des Deutschen Handball-Bundes (DHB) ausgeschieden. Ein Remis würde für das Weiterkommen reichen, wenn Dänemark anschließend gegen Schweden nicht gewinnt.

"Wir haben alles selbst in der Hand, das ist doch eine Top-Konstellation", sagt Deutschlands Abwehrchef Oliver Roggisch. Heuberger glaubt: "Das wird sicher ein brutaler Kampf." Der Bundestrainer sieht in der Ausgangslage sogar einen Vorteil: "Wir haben hier in Serbien schon so viele Endspiele gehabt. Offensichtlich braucht die Mannschaft diesen Druck." Bereits in der Vorrunde stand Deutschland gegen Mazedonien und Schweden unter dem Zwang, gewinnen zu müssen. In beiden Partien gelang dies.

Der kommende Gegner Polen zeigte - ähnlich wie das DHB-Team - bei der EM bislang schwankende Leistungen. In der Vorrunde gewann die Mannschaft von Trainer Bogdan Wenta knapp gegen Dänemark (27:26) und klar gegen die Slowakei (41:24), unterlag jedoch Serbien (18:22). In der Hauptrunde lagen die Polen gegen Schweden zur Halbzeit schon 9:20 zurück, erreichten aber noch ein 29:29. Gegen Mazedonien gab es zuletzt eine Pleite (25:27).

Rückraum ist die große Stärke der Polen

Im Kampf um den Halbfinaleinzug, der auch Polen im Falle eines Sieges noch gelingen kann, wenn Dänemark (gegen Schweden) und Mazedonien (gegen Serbien) höchstens unentschieden spielen, muss Deutschland vor allem auf den wurfstarken polnischen Rückraum um Karol Bielecki, Grzegorz Tkaczyk und Marcin Lijewski aufpassen. "Das Umschalten zwischen Angriff und Abwehr muss besser werden", mahnt Heuberger, der sich zuversichtlich gibt: "Wenn vor dem Turnier jemand gesagt hätte, dass wir solch eine Chance auf das Halbfinale haben, hätte es wohl kaum einer für möglich gehalten."

Fraglich ist, ob Holger Glandorf der deutschen Mannschaft gegen Polen helfen kann. Der rechte Rückraumspieler von der SG Flensburg-Handewitt leidet an einer Wadenprellung, sein Einsatz ist gefährdet. Heuberger erwägt daher, seinen Kader bis zum Ablauf der Meldefrist am Mittwoch (11 Uhr) aufzufüllen und den letzten der insgesamt 16 Plätze im Aufgebot zu vergeben. "Ich werde mit der Entscheidung bis zum Schluss warten, da ich kein Risiko eingehen will. Einige Spieler hatten hier schließlich schon Magen- und Darm-Probleme", sagte der Bundestrainer.

Erster Anwärter auf eine Nach-Nominierung dürfte der Lemgoer Martin Strobel sein. Der Spielmacher weilt bereits seit Beginn der EM-Vorbereitung bei der Mannschaft, wurde kurz vor dem Turnier aber aus dem Kader gestrichen.

ham/dpa/dapd/sid

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