Deutschland bei der Handball-EM "Das wird ein brutaler Kampf"

Endspiel in der Hauptrunde: Siegt die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Polen, steht die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger im Halbfinale - andernfalls droht das Aus. Vor dem Duell gibt sich das DHB-Team optimistisch. Dabei bangt es um einen ihrer wichtigsten Spieler.

Handball-Bundestrainer Heuberger: Bei Sieg gegen Polen im Halbfinale
dapd

Handball-Bundestrainer Heuberger: Bei Sieg gegen Polen im Halbfinale


Hamburg - Am Tag danach war die Enttäuschung verflogen. "Klar war die Niederlage gegen Dänemark bitter", sagte Michael Haaß, Spielmacher der deutschen Handball-Nationalmannschaft mit Blick auf die Pleite gegen den Vizeweltmeister am Montagabend. "Aber das bricht uns nicht das Genick. Wir haben einen Matchball vergeben. Nun kommt der zweite Versuch gegen Polen", so der 28-Jährige. Bundestrainer Martin Heuberger ergänzte: "Wir werden gewinnen und uns die zweite Chance nicht nehmen lassen."

Die Ausgangslage vor dem Duell mit Polen am Mittwoch (16.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist klar: Gewinnt die deutsche Mannschaft, steht sie bei der Europameisterschaft in Serbien im Halbfinale; bei einer Niederlage ist das Team des Deutschen Handball-Bundes (DHB) ausgeschieden. Ein Remis würde für das Weiterkommen reichen, wenn Dänemark anschließend gegen Schweden nicht gewinnt.

"Wir haben alles selbst in der Hand, das ist doch eine Top-Konstellation", sagt Deutschlands Abwehrchef Oliver Roggisch. Heuberger glaubt: "Das wird sicher ein brutaler Kampf." Der Bundestrainer sieht in der Ausgangslage sogar einen Vorteil: "Wir haben hier in Serbien schon so viele Endspiele gehabt. Offensichtlich braucht die Mannschaft diesen Druck." Bereits in der Vorrunde stand Deutschland gegen Mazedonien und Schweden unter dem Zwang, gewinnen zu müssen. In beiden Partien gelang dies.

Der kommende Gegner Polen zeigte - ähnlich wie das DHB-Team - bei der EM bislang schwankende Leistungen. In der Vorrunde gewann die Mannschaft von Trainer Bogdan Wenta knapp gegen Dänemark (27:26) und klar gegen die Slowakei (41:24), unterlag jedoch Serbien (18:22). In der Hauptrunde lagen die Polen gegen Schweden zur Halbzeit schon 9:20 zurück, erreichten aber noch ein 29:29. Gegen Mazedonien gab es zuletzt eine Pleite (25:27).

Rückraum ist die große Stärke der Polen

Im Kampf um den Halbfinaleinzug, der auch Polen im Falle eines Sieges noch gelingen kann, wenn Dänemark (gegen Schweden) und Mazedonien (gegen Serbien) höchstens unentschieden spielen, muss Deutschland vor allem auf den wurfstarken polnischen Rückraum um Karol Bielecki, Grzegorz Tkaczyk und Marcin Lijewski aufpassen. "Das Umschalten zwischen Angriff und Abwehr muss besser werden", mahnt Heuberger, der sich zuversichtlich gibt: "Wenn vor dem Turnier jemand gesagt hätte, dass wir solch eine Chance auf das Halbfinale haben, hätte es wohl kaum einer für möglich gehalten."

Fraglich ist, ob Holger Glandorf der deutschen Mannschaft gegen Polen helfen kann. Der rechte Rückraumspieler von der SG Flensburg-Handewitt leidet an einer Wadenprellung, sein Einsatz ist gefährdet. Heuberger erwägt daher, seinen Kader bis zum Ablauf der Meldefrist am Mittwoch (11 Uhr) aufzufüllen und den letzten der insgesamt 16 Plätze im Aufgebot zu vergeben. "Ich werde mit der Entscheidung bis zum Schluss warten, da ich kein Risiko eingehen will. Einige Spieler hatten hier schließlich schon Magen- und Darm-Probleme", sagte der Bundestrainer.

Erster Anwärter auf eine Nach-Nominierung dürfte der Lemgoer Martin Strobel sein. Der Spielmacher weilt bereits seit Beginn der EM-Vorbereitung bei der Mannschaft, wurde kurz vor dem Turnier aber aus dem Kader gestrichen.

ham/dpa/dapd/sid

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Andreas58 24.01.2012
1. eine Chance besteht wenn
die klaren Chancen auch konsequent genutzt werden, wenn nicht irgendwelche Verzweiflungswürfe erfolgen und wenn ein Herr Hens nicht spielt.
Besseralsnichts 24.01.2012
2. der wichtigstw Spieler
Zitat von sysopEndspiel in der Hauptrunde: Siegt die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Polen, steht die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger im Halbfinale - andernfalls droht das Aus. Vor dem Duell gibt sich das DHB-Team optimistisch. Dabei bangt es um einen ihrer wichtigsten Spieler. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,811122,00.html
... war bisher Pascal Hens, nämlich dann, wenn er auf der Bank gesessen hat. Man muss nur seine Körpersprache betrachten, wenn er denn mal spielt. Pflegmatisch trottet er über die Platte, als ginge ihn das Spiel nichts an. Aus so einer Haltung kann man auch beim besten Willen nicht "explodiren", um aus der zweiten Reihe Tore zu machen, sondern verdaddelt im Angriff Ball um Ball. Er ist ein reiner 'Chancentöter für die deutsche Mannschaft Also, Herr Heuberger, weiterhin richtige Entscheidungen mit Hens auf der Bank!
Mähtnix 25.01.2012
3.
Zitat von Andreas58die klaren Chancen auch konsequent genutzt werden, wenn nicht irgendwelche Verzweiflungswürfe erfolgen und wenn ein Herr Hens nicht spielt.
Hens war bis zur EM *der* Rückraumspieler der NM. Er weist bisher in der EM in der Tat ein (mir) unerklärliches Formtief auf. Und es war mutig und richtig von Heuberger, darauf zu reagieren. Über die hier in den Blogs teilweise verbreitete Gewissheit, Hens habe nichts in der Aufstellung zu suchen, kann ich mich allerdings nur wundern. Wer etwas von Handball versteht, hat gegen Dändemarkt gesehen, wie unterschiedlich die Dänen (richtiger Weise) auf Kaufmann/Hens auf Halblinks reagiert haben. Gegen Hens spielten sie zurückhaltender, weil er im Moment aus der 2. Reihe nicht trifft, aber über sehr variable Anspiele an Kreis und Außen verfügt und gegen Kaufmann extrem offensiv, weil der (fast) nur höllern kann. Hens ist gegenüber Kaufmann der komplettere Spieler und (wenn er aus dem Rückraum Gefahr ausstrahlt) der bessere Angreifer. In der Abwehr wiederum steht Kaufmann besser als Hens, weshalb letzterer zu Recht häufig nur auf Außen deckt. Insgesamt sind das viele Punkte, die Heuberger neben der Antizipation der (Tages)Form zu bedenken hat. Dieses eindimensionale Hens-Bashing geht mir auf den Sack. Wenn er vorne so spielt wie gegen Dänemark, ist er fehl am (auf dem) Platz. Wenn er seine normale Leistung abruft, erweitert er die Möglichkeiten von Heuberger und der Mannschaft enorm. Jetzt schon als Außenstehender zu wissen, dass Hens auf keinen Fall gebracht werden darf, zeugt davon, von dem Geschehen auf dem Platz nicht viel zu verstehen. Ich wünsche mir, dass Heuberger zunächst mal mit Kaufmann anfängt, um die Deckung zu stabilisieren, um dann Hens zu bringen. Ich wünsche mir auch, dass Wiencek mehr Einsatzzeiten erhält. Und ich wünsche mir, dass Pfahl nicht so sch... spielt wie gegen Dänemark. Dann könnte mein eigentlicher Wunsch in Erfüllung gehen, nämlich dass die d. NM heute ein gutes Spiel hinlegt, Polen weghaut und ins HF einzieht. :-D
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