Deutschland bei Segel-WM Die Nerven liegen blank

Erwartungen übertroffen, acht Boote für die Olympischen Sommerspiele qualifiziert - die deutschen Segler haben eigentlich Grund zur Freude. Doch ein "Zickenkrieg" sorgt für Ärger. Grund sind umstrittene Regeln, die der eigene Verband selbst festgelegt hatte.

Starboot-Segler Stanjek (hinten), Kleen: Silber bei der WM in Perth
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Starboot-Segler Stanjek (hinten), Kleen: Silber bei der WM in Perth


Bei der ISAF Weltmeisterschaft aller zehn olympischen Segeldisziplinen im australischen Perth haben die deutschen Teams eine ordentlich Leistung abgeliefert. Herausragend war die Silbermedaille von Robert Stanjek und Frithjof Kleen in der prestigeträchtigen Starbootklasse. Lasersegler Simon Grotelüschen verpasste nach einer Kollision im Finale die Medaille nur knapp. Die Nationalmannschaft belegte in der Gesamtrechnung Rang 10 von insgesamt 78 Nationen.

Ein starkes Ergebnis, das man im Vorfeld nicht erwarten konnte. Immerhin sind acht deutsche Boote in zehn Disziplinen für Olympischen Spiele qualifziert. Dennoch kann man sich beim Deutschen Segler Verband (DSV) nicht vorbehaltlos freuen.

Das interne Qualifikationsduell der 470er-Frauen Kathrin Kadelbach und Frederike Belcher gegen Tina Lutz und Susann Beucke sorgte für erhitzte Gemüter. Die Nerven lagen blank. In sechs von zehn Rennen verstrickten sich die Seglerinnen in enge Zweikämpfe. Schreiend, fluchend und protestierend segelten sie über die Bahn.

Eine besondere Konstellation hatte die Frauen aufeinander gehetzt. Bei der letzten von drei intern festgelegten Regattaserien für die Olympiaqualifikation nach Weymouth (England) und der Kieler Woche ging es für alle deutschen Teams bei der WM in Australien primär um das Ticket nach London und nur sekundär um Medaillen.

Steuerfrau Kadelbach ging mit einem Zwei-Punkte-Vorsprung in die finale Ausscheidung bei der WM. Nach einer DSV-internen Wertung sollten nur die ersten 20 punkten. Die eleganteste Lösung für die Olympia-Qualifikation wäre eine gute WM-Serie gewesen. Einfach eine Medaille holen und die London-Qualifikation wäre quasi nebenbei sicher.

Blockiert, behindert, ausgebremst

Aber die Serie in Australien begann für Kadelbach und Belcher mit einem Schock. Erst eine Frühstartdisqualifikation nach einem siebten Rang, dann zwei 25. Plätze. Der Zug schien früh abgefahren. Lutz und Beucke segelten dagegen stark, waren auf Top-Ten-Kurs. Sie mussten mindestens 18. werden, um die nationalen Gegnerinnen in der Qualifikation zu schlagen.

Das schien kein Problem bis Kadelbach ihre Strategie änderte. Sie wollte das Ticket nicht kampflos hergeben. Ab der fünften Wettfahrt behinderte sie die jungen Gegnerinnen nach allen Regeln der Segelkunst. Schon vor dem Start wurde blockiert und ausgebremst. Alles im Rahmen der Regeln.

Tina Lutz protestierte zweimal vor der Jury, unter anderem wegen unfairen Segelns, aber sie bekam kein Recht. Die 21-Jährige fiel nach den Zweikämpfen immer weiter zurück. Am Ende stand Platz 20. Damit holte sie zwar das letzte Nationenticket für Deutschland, aber Kadelbach und Belcher fahren nach London. Kadelbach hat den Vorsprung erfolgreich mit einem Punkt verteidigt.

Lutz äußerte sich verärgert: "Man kann seine Ziele auch auf unsportliche und unfaire Weise ersegeln - so will ich nie im Leben segeln." Kadelbach betont zwar, dass auch sie sich nicht freuen kann ("Es war kein schöner Weg"). Aber sie habe getan, was getan werden musste, um den Vorsprung zu verteidigen, so die 28-Jährige.

Viele Beobachter sprechen von "Zickenkrieg" und halten den Vorgang für unsportlich, andere glauben an angemessene internationale Härte. Unter Beschuss steht auch der DSV, der die Regeln vorgegeben hatte. DSV-Vizepräsident Thorsten Haverland erkennt den "Wermutstropfen" bei einer ansonsten positiv verlaufenen WM. Er äußert aber Verständnis für beide Seiten. "Am Ende müssen wir mit der Situation leben. Wir haben die Kriterien so festgelegt."

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
ratem 19.12.2011
1. Schade drum ...
Zitat von sysopErwartungen übertroffen, acht Boote für die Olympischen Sommerspiele qualifiziert - die deutschen Segler haben eigentlich Grund zur Freude. Doch ein "Zickenkrieg" sorgt für Ärger. Grund sind umstrittene Regeln, die der eigene Verband*selbst festgelegt hatte. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,804698,00.html
Schade um die Sportart, wenn man sich wie ein Schwein benehmen muss um weiterzukommen, statt selbst Leistung zu zeigen. Ich hoffe die Kandelbach kommt in London auf den allerletzten Platz.
sitacuisses 19.12.2011
2. "Sport"
Zitat von ratemSchade um die Sportart, wenn man sich wie ein Schwein benehmen muss um weiterzukommen, statt selbst Leistung zu zeigen. Ich hoffe die Kandelbach kommt in London auf den allerletzten Platz.
Die Sportart, in der man kein Schwein sein muß um weiterzukommen, die gibt es nicht mehr. Vorbei die Zeiten eines Fangio oder Clark, vorbei die Zeit der Gentlemen. Geld regiert die Welt.
marineoffizier 20.12.2011
3. Nicht tolerierbare Unfairnis - DSV muss handeln
Zitat von sysopErwartungen übertroffen, acht Boote für die Olympischen Sommerspiele qualifiziert - die deutschen Segler haben eigentlich Grund zur Freude. Doch ein "Zickenkrieg" sorgt für Ärger. Grund sind umstrittene Regeln, die der eigene Verband*selbst festgelegt hatte. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,804698,00.html
Ursprung 20.12.2011
4. Vorteilsnahmen
Zitat von sysopErwartungen übertroffen, acht Boote für die Olympischen Sommerspiele qualifiziert - die deutschen Segler haben eigentlich Grund zur Freude. Doch ein "Zickenkrieg" sorgt für Ärger. Grund sind umstrittene Regeln, die der eigene Verband*selbst festgelegt hatte. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,804698,00.html
Wer glaubt denn bloss, der Leistungssportvariante des Segelns sei anders als die in der Formel I-Variante, z. B.? Man kann nicht eine einzige Segelregatta, selbst nicht unter den Yachtcharter-Dumpfbooten gewinnen, ohne den Kontrahenten nach Kraeften zu behindern, ihn in den eigenen Abwind zu bringen und nach Moeglichkeit noch einen fahren zu lassen? Wem diese Einstellung nicht gefaellt, gehoert halt nicht ins Leben, dem Wettkampf der "fittest". "Fairness" ist das englische Wort fuer Vorteilsnahme, die dem Anderen aber nicht bewusst werden darf. Diese Kunst und das Wort dazu haben die Englaender den Deutschen voraus, weshalb man hierzulande wenigstens schon mal das Wort entlehnt hat. Merkt der andere das aber doch, ist man ein Stuemper. Gibts ja auch unter deutschen Politikern...
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