DHB-Erfolg gegen Argentinien Klatsche für die Klosterschüler

Argentinien die Grenzen aufgezeigt und in die Zwischenrunde eingezogen - dennoch hielt sich die Freude bei Heiner Brand in Grenzen. Der Bundestrainer nominierte vor dem letzten Gruppenspiel gegen Polen einen Altstar nach.

Von , Halle/Westfalen


Der Herrgott gibt es den Seinen im Schlaf. Dieses Sprichwort traf heute nicht auf die Handballer aus Argentinien zu. Die zweitbeste Mannschaft Südamerikas ging gegen Deutschland mit 20:32 (11:17) unter. Damit kommt es morgen (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zum Endspiel um den Sieg in der Gruppe C zwischen dem DHB-Team und Polen. Der Gewinner startet mit zwei wichtigen Punkten in die Hauptrunde.

Vielleicht lag der schwache Auftritt der Argentinier daran, dass die Mannschaft von Trainer Mauricio Torres in aller Herrgottsfrühe geweckt wurde. Bereits um 7.45 Uhr läuteten am Morgen die Glocken im Quartier der Südamerikaner, die in einem Hotel direkt neben einem Kloster bei Gütersloh logieren. Die Mannschaft von Trainer Heiner Brand zeigte sich lediglich die ersten 20 Minuten barmherzig, in der zweiten Halbzeit deklassierte die DHB-Auswahl getragen von der prächtigen Stimmung der 11.000 Zuschauer in Halle die müden Argentinier.

"Wir hatten ein körperliches Problem", gestand Torres nach der schwachen Vorstellung seiner Mannschaft. Seine Sieben hatte in der Anfangsphase geschickt die passive Spielweise der sehr defensiven deutschen Abwehr ausgenutzt und durch zahlreiche gelungene Versuche aus dem Rückraum zunächst mitgehalten. "Wir mussten uns Tor um Tor nach vorne kämpfen", sagte Brand, der den immer größer werdenden Vorsprung in der zweiten Hälfte für zahlreiche Wechsel nutzte, "damit die jungen Spieler WM-Erfahrung sammeln konnten".

Preiß ist heiß - Brand nominiert Schwarzer nach

In der ersten Halbzeit spielte Deutschland fast ausschließlich über die rechte Seite, was nicht zuletzt daran lag, dass dem Kieler Christian Zeitz - im Gegensatz zu seiner schwachen Vorstellung im Auftaktspiel gegen Brasilien (27:22) - nahezu alles gelang. Mit vier Toren vor der Pause machte er neben dem starken Kreisläufer Sebastian Preiß (drei Tore) den entscheidenden Unterschied, zudem hatte Pascal Hens auf der halblinken Position einen schlechten Tag erwischt.

Für Preiß war dieser gelungene Auftritt besonders wichtig, da sich der eigentlich für die erste Sieben fest eingeplante Kreisläufer Andrej Klimovets beim Warmlaufen verletzte und einen Muskelfaserriss zuzog. Brand reagierte am Abend und nominierte überraschend Christian Schwarzer nach. Der 37-Jährige stand im erweiterten 28-Mann-Kader und soll schon morgen gegen Polen auflaufen.

Neben Preiß bot auch Johannes Bitter eine starke Partie, der in der zweiten Hälfte für den manchmal etwas unglücklich wirkenden Henning Fritz das Tor hütete: "Klar würde ich auch morgen gegen Polen gerne spielen", sagte der Magdeburger: "Gegen meine Vereinskameraden macht es doch viel mehr Spaß."

Deutschland gegen Bundesliga

Das wird Bogdan Wenta gar nicht gerne hören. Der Trainer der polnischen Auswahl steht seit Beginn dieser Saison auch beim SC Magdeburg an der Seitenlinie und weiß um die Stärken seines Torhüters. Von dem Spitzenclub bringt Wenta in Karol Bielecki, Grzegorz Tkaczyk und Bartosz Jurecki allerdings auch drei der neun Legionäre mit, auf die die Deutschen morgen besonders aufpassen sollten.

Mit Bielecki, Tkaczyk sowie dem Flensburger Marcin Lijewski und dessen jüngeren Bruder Krzysztof (HSV Hamburg) gehört der polnische Rückraum ohne Zweifel zu den stärksten des Turniers - auch wenn das Team beim heutigen 31:23 über Brasilien noch nicht restlos überzeugte. Der deutsche Abwehrchef Oliver Roggisch sollte besonders seinen Vereinskollegen Jurecki keine Sekunde aus den Augen lassen, schließlich erzielte der 27-jährige Kreisläufer in seinen bisherigen 42 Länderspielen 139 Tore und war mit einer 100-prozentigen Trefferquote maßgeblich am zweiten Sieg seiner Mannschaft beteiligt.

Wenta, der sowohl für die deutsche als auch für die polnische Nationalmannschaft spielte, hat Respekt, aber keine Angst vor dem Gastgeber. "Heiner Brand hat eine gute Mannschaft. In ihr steckt viel Potenzial", so Wenta. Viel mehr Sorgen bereitet ihm das Publikum: "Das ist eine neue Erfahrung für meine Spieler. Da müssen sie sich beweisen". Wenta bereitet seine Profis auf ungewöhnliche Art und Weise auf das Spiel vor: Mit Maßband ging es am Wochenende ins Gerry-Weber-Stadion: "Wir haben die Tore und das Spielfeld ausgemessen. Danach habe ich meinen Spielern gesagt, schaut her, es sind die gleichen Maße wie in jeder anderen Halle."

Weniger Ausgeglichenheit herrscht zwischen Stamm- und Reservepersonal der Polen, deren größter WM-Erfolg ausgerechnet der dritte Platz 1982 bei der WM in Deutschland war: "Die Kluft im Team war sehr groß, es herrschte großer Neid. Es gab in der Vorbereitung Probleme zwischen den Spielern, die in Polen aktiv sind, und denen, die bei den Top-Clubs in Deutschland ihr Geld verdienen", hatte der 45-Jährige nach dem souveränen Auftakterfolg seiner Mannschaft im westfälischen Halle gegen Argentinien (29:15) gesagt. Auch für morgen rechnet sich Wenta Siegchancen aus. Auf göttlichen Beistand wird er dabei allerdings verzichten müssen. Schließlich kommt der Papst aus Deutschland.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.