NBA-Trainer Popovich Der Spion, der mich coachte

Eigentlich stand Gregg Popovich kurz davor, für die CIA Geheimagenten aufzuspüren. Dann entschied er sich, ein drittklassiges Basketball-College-Team zu übernehmen. Wie er schließlich einer der erfolgreichsten Trainer in der Geschichte der NBA wurde, erzählt das Basketball-Magazin "FIVE".

Spurs-Coach Popovich (l.): Von der Air Force Academy in die NBA
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Spurs-Coach Popovich (l.): Von der Air Force Academy in die NBA

Von Manuel Solde


Der typische Werdegang eines Coaches in der NBA führt in der Regel über eine vorherige Karriere als Spieler oder einen Trainerjob im College-Verband NCAA. Taktikbrett-Koryphäen wie Phil Jackson, George Karl, Don Nelson oder Pat Riley spielten selbst in der stärksten Basketball-Liga der Welt, während etwa Tom Thibodeau und Stan Van Gundy ihre Laufbahn als Trainer am College starteten.

Ein aktiver und höchst erfolgreicher Übungsleiter sticht aus der Masse seiner Kollegen heraus. Und dass, obwohl er anfangs kaum etwas mit Basketball zu tun hatte. Die Rede ist von Gregg Popovich.

1970 macht der heute 63-jährige Coach der San Antonio Spurs seinen Abschluss an der United States Air Force Academy im Fach "Soviet Studies". Beim Nachrichtendienst der Luftwaffe absolviert er in der Folge diverse Agententrainings und spielt nebenbei vier Jahre für das Basketball-Team der Academy, die Air Force Falcons. Nach seinem Studium bietet ihm die CIA einen Job in der Spionageabwehr an. Doch es soll ganz anders kommen - vier NBA-Titel und zwei "Coach of the Year"-Awards anders, um genau zu sein.

Drei Jahre lang durch Osteuropa und die Sowjetunion

Popovich verpflichtet sich nach seinem Abschluss für fünf Jahre bei der Air Force. In dieser Zeit schließt er sich dem "Armed Forces Basketball"-Team an. Mit der Militär-Mannschaft tourt "Pop" drei Jahre lang durch Osteuropa und die Sowjetunion, läuft in Testspielen gegen einheimische Clubs auf und lernt den europäischen Basketball kennen.

Nach seiner Rückkehr in die Staaten nimmt er an einem Probetraining der Denver Nuggets teil, die in der damals parallel zur NBA existierenden Liga ABA spielen. Dort kommt es zur ersten Begegnung mit Trainerlegende Larry Brown - eine Begegnung, der in Zukunft weitere folgen sollen. Das erste Treffen jedoch endet für Popovich enttäuschend, da ihn Brown schnell aussortiert.

Als Popovich daraufhin 1973 an die Air Force Academy zurückkehrt, hat sich sein Berufswunsch gewandelt. Er übernimmt den Job als Assistenztrainer der Falcons unter Headcoach Hank Egan und arbeitet fortan an der Seitenlinie. Um sein Wissen über das Trainerhandwerk zu vertiefen, schreibt sich Popovich an der University of Denver ein und schließt die Fächer Sportwissenschaften und Leibeserziehung mit dem Master ab. Aus "Agent Popovich" ist jetzt "Coach Pop" geworden.

"In Pomona hätte ich fett, dumm und glücklich werden können"

Dass es sich mit der Karriere beim Geheimdienst erledigt hat, weiß auch Pop. "Die Gelder, die der Steuerzahler für meine Ausbildung an der Academy zahlen musste, waren wohl für die Tonne", so der spätere Spurs-Coach. Endgültig vorüber ist es mit dem Agentendasein, als er 1979 die Luftwaffe verlässt und bei einer drittklassigen Uni anheuert. Das Pomona-Pitzer College in Claremont, US-Bundesstaat Kalifornien, spielt bei Popovichs Eintreffen in der Division III der NCAA. Der neue Trainer leitet von nun an die Geschicke der Pomona-Pitzer Sagehens.

Doch auch wenn er sich in den folgenden Jahren mit Gegnern wie St. Olaf, La Verne oder Occidental herumschlagen muss - "Coach Pop" fühlt sich wohl. "In Pomona hätte ich fett, dumm und glücklich werden können. Ich habe es dort geliebt und wäre fast für immer dort geblieben", sagt er. Damit hätte wohl auch niemand in Claremont ein Problem gehabt, schließlich sorgt Popovich für Erfolg.

Nach einer Bilanz von zwei Siegen und 22 Niederlagen in seiner Debütsaison baut er in der Folge ein funktionierendes Team auf. 1984/1985 fährt er mit den Sagehens 16 Siege aus 28 Spielen ein und holt die erste Conference-Meisterschaft seit 68 Jahren nach Claremont. Doch der Coach will mehr: mehr lernen, mehr wissen. Also nimmt er die Saison 1985/1986 frei. Es geht als Assistent an die University of Kansas, um unter Larry Brown zu lernen. 1986 kehrt er zurück und betreut die Sagehens zwei weitere Saisons.

Seinen ersten Auftritt in der NBA hat "Pop" ebenfalls an der Seite von Brown, die beiden verbindet mittlerweile eine enge Freundschaft. Als Assistenztrainer seines Mentors startet Popovich 1987/1988 bei den San Antonio Spurs, wo er weitere vier Jahre Erfahrung sammelt. Dann allerdings feuert Spurs-Besitzer Red McCombs die gesamte Trainerbelegschaft.

Nach einem kurzen Abstecher zu den Golden State Warriors, wo er den Assistenten von Don Nelson gibt, geht es für "Pop" 1994 zurück nach San Antonio. Die Spurs haben mittlerweile den Besitzer gewechselt, und der 45-jährige Popovich wird von der neuen Investorengruppe als General Manager eingesetzt. Es ist eine lohnende Personalbesetzung für die Franchise, allerdings erkennen viele Spurs-Fans das erst einige Zeit später.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie sich Popovich bei den San Antonio Spurs zunächst überaus unbeliebt machte - und schließlich einer der besten Basketball-Coaches der Welt wurde.



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