Der Dopingfall Fuentes Eine Chronologie

Schon seit 2006 steht der spanische Arzt Eufemiano Fuentes im Verdacht, um sich herum eines der größten Dopingnetzwerke der Welt aufgebaut zu haben. Dabei ging es nicht nur um den systematischen Betrug im Radsport, auch Fußballer und Leichtathleten standen in der Patientenakte.

Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes: Er soll Sportler beim Doping betreut haben.
DPA

Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes: Er soll Sportler beim Doping betreut haben.


Februar 2006: Die Guardia Civil, eine spanische Polizeieinheit, beginnt nach konkreten Hinweisen auf ein Dopingnetzwerk die Mission "Operación Puerto" und stößt auf eine illegale Blutbank im Zentrum Madrids.

23. Mai 2006: Im Zuge der Ermittlungen werden in Madrid und Saragossa fünf Personen festgenommen. Es handelt sich um die Mediziner Eufemiano Fuentes und José Luis Merino Batres, den Teamchef von Liberty Seguros, Manolo Saiz, den Direktor des Rennstalls Comunidad Valencia, Ignacio Labarta und Alberto León, den früheren Mountainbiker und mutmaßlichen Kurier des Dopingnetzwerks. Bei Hausdurchsuchungen fanden die Ermittler insgesamt 135 Blutbeutel, 71 Beutel mit Blutplasma, diverse Dopingpräparate sowie Bargeld in unterschiedlichen Währungen, die für Erlöse aus dem Dopinghandel gehalten werden.

25. Mai 2006: Im Zuge der Festnahme von Manolo Saiz tritt Liberty Seguros als Hauptsponsor des Teams zurück.

9. Juni 2006: Kurz darauf legt Manolo Saiz alle seine Ämter im Radsport nieder.

13. Juni 2006: Das Team Comunidad-Valencia, was durch Ignacio Labarta ebenfalls in das vermeintliche Dopingnetzwerk verwickelt ist, wird von der Tour de France ausgeladen. Dafür darf Astana-Würth als ProTour-Team starten.

25. Juni 2006: Die spanische Zeitung "El Pais" berichtet über 58 Radprofis, die in den Dopingskandal verwickelt sein sollen. Daraufhin wurde die Spanische Meisterschaft wegen Protesten einzelner Profis abgesagt.

26. Juni 2006: Jan Ullrich wird erstmals mit Fuentes in Verbindung gebracht. Sein T-Mobile-Team streitet das ab.

30. Juni 2006: Nach Einsicht in die Ermittlungsakten werden die T-Mobile-Profis Jan Ullrich und Oscar Sevilla vom Team suspendiert. Insgesamt werden neun Fahrer von der Tour de France ausgeschlossen, darunter auch Top-Favorit Ivan Basso.

4. Juli 2006: Fuentes äußert sich in einem Radiointerview. "Ich habe nicht nur Radprofis betreut, sondern auch Fußballer, Tennisspieler und Leichtathleten", so der Spanier.

20. Juli 2006: Die Bielefelder Rechtsprofessorin Britta Bannenberg erstattet bei der Bonner Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Betrugs gegen Jan Ullrich, Oscar Sevilla und Rudy Pevenage.

28. Juli 2006: Der Hauptsponsor des Teams Comunidad Valenciana gibt bekannt, sein Engagement beim Rennstall zum Saisonende zu beenden.

16. August 2006: Swiss Cycling leitet ein Verfahren gegen Jan Ullrich ein.

25. August 2006: Auch Doping-Experte Werner Franke stellt Strafanzeige gegen Ullrich.

28. August 2006: Die Bonner Staatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen gegen Ullrich, Sevilla und Pevenage auf. Im Zuge dessen werden Wohnungen und Firmenhäuser, darunter auch Ullrichs Villa in Scherzingen, durchsucht.

22. September 2006: Der Ex-Radprofi Jeús Manzano erklärt im französischen Fernsehen, dass auch Fußballer der Primera División von Fuentes behandelt worden sein sollen.

9. Oktober 2006: Die Madrider Staatsanwaltschaft hat den Radsportverbänden verboten, Ermittlungsergebnisse aus der "Operacion Puerto" für eigene Dopingverfahren zu benutzen. Das Material könne erst nach Beendigung des Strafverfahrens zur Verfügung gestellt werden.

12. Oktober 2006: Das Italienische Olympische Komitee stellt ihr Dopingverfahren gegen Ivan Basso vorläufig ein. Kurz darauf stellt auf die Disziplinarkommission des königlich spanischen Radsportverbands alle laufenden Disziplinarverfahren gegen 28 spanische Radprofis vorläufig ein.

8. November 2006: Basso unterschreibt einen Vertrag beim Armstrong-Rennstall Discovery Channel.

23. November 2006: In acht von insgesamt 90 untersuchten Blutbeuteln, die in der Wohnung von Eufemiano Fuentes beschlagnahmt wurden, konnte Epo nachgewiesen werden.

7. Dezember 2006: In einem Bericht der französischen Tageszeitung Le Monde ist Fuentes mit dem FC Barcelona, Real Madrid und dem FC Valencia in Verbindung gebracht wurden. Die Vereine und der Arzt bestreitend das.

26. Februar 2007: Jan Ullrich kündigt auf einer Pressekonferenz sein Karriereende an. Zuvor hatte er dem BKA eine Speichelprobe für einen DNA-Abgleich mit dem Blut aus den beschlagnahmten Beuteln abgegeben.

12. März 2007: Die spanische Justiz schließt die "Operacion Puerto" ab.

3. April 2007: Die Bonner Staatsanwaltschaft bestätigt eine Übereinstimmung zwischen den Blutbeuteln aus Madrid und Ullrichs Speichelprobe.

15. Juni 2007: Ivan Basso wird durch den Italienischen Radsportverband wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt.

14. Februar 2008: Die spanische Justiz nimmt die vor gut einem Jahr beendeten Ermittlungen gegen Eufemiano Fuentes wieder auf.

1. Oktober 2008: Untersuchungsrichter Antonio Serrano legt den Fall endgültig zu den Akten.

12. Januar 2009: Arturo Beltran, Präsident der Fünften Kammer des Landgerichts von Madrid, verfügt eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

11. Februar 2009: Das Nationale Olympische Komitee Italiens kündigt ein Strafverfahren gegen Alejandro Valverde an. Beweismittel ist ein DNA-Abgleich einer Dopingprobe und eines in Madrid sichergestellten Blutbeutels.

11. Mai 2009: Im Zuge dieses Verfahrens wird Valverde zu einer zweijährigen Sperre für Rennen auf italienischem Boden verurteilt. Ein jahr später weitet der internationale Sportgerichtshof CAS die Sperre gegen den Spanier weltweit aus.

10. Januar 2011: Alberto Leon, der in der "Operacion Puerto" als Kurier des Dopingnetzwerks um Fuentes beschuldigt wurde, begeht Selbstmord.

15. März 2011: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Eufemiano Fuentes, Yolanda Fuentes, José Luis Merino Batres, Manuel Saiz und José Ignacio Labarta wegen Gefährdung der Gesundheit durch Dopingpraktiken.

23. November 2011: Richter Antonio Serrano stimmt dem Antrag zu und kündigt eine Verhandlung an. Der Prozess soll am 28. Januar 2013 in Madrid beginnen.



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