Starke Leistung bei Serbien-Pleite Nowitzkis Fingerzeig

Sensation verpasst, aber Respekt verdient: Dirk Nowitzki und die deutschen Basketballer hatten Titelfavorit Serbien bei der EM am Rande einer Niederlage. Das Spiel zeigt, dass sich das Team immer noch an dem 37-Jährigen aufrichten kann.

Deutschlands Basketballststar Nowitzki: "Richtig Spaß gemacht"
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Deutschlands Basketballststar Nowitzki: "Richtig Spaß gemacht"

Aus Berlin berichten und


Dirk Nowitzki machte einen entspannten Eindruck, als er über das zweite Spiel seines Teams bei der Europameisterschaft sprach. "Das war ein toller Basketballnachmittag", sagte der 37-Jährige, es habe "richtig Spaß gemacht".

Dabei redete Nowitzki über eine Niederlage, die deutsche Mannschaft hatte gegen Serbien 66:68 (38:39) verloren. Durch einen Treffer in der letzten Sekunde, Nemanja Bjelica hatte mit seinem Wurf für die Entscheidung gesorgt.

Natürlich sei er darüber enttäuscht, sagte Nowitzki, aber die Leistung gegen den Vize-Weltmeister und Titelfavoriten habe gestimmt. "Darauf können wir aufbauen."

Tatsächlich war es ein Spiel, das man dem DBB-Team nicht zugetraut hatte. Zu durchwachsen lief die Vorbereitung, zu groß waren die Fragezeichen hinter der Leistung, die Nowitzki mit 37 Jahren noch würde bringen können. Auch der knappe Sieg gegen Island in der ersten Partie gab Anlass zur Skepsis.

Doch Nowitzki ist nun mal immer noch ein herausragender Basketballer. Auch 18 Jahre nach seinem ersten Spiel in der Nationalmannschaft kann er noch Partien abliefern, in denen er das Team trägt. So wie am Sonntag. Nowitzki agierte vor allem in der ersten Hälfte überragend, frustrierte die Serben, die am Samstag Spanien beeindruckend besiegt hatten, immer wieder mit erfolgreichen Würfen und erzielte 12 seiner insgesamt 15 Punkte. Auch als Vorbereiter glänzte er, etwa mit einem sehenswerten Pass auf Center Tibor Pleiß in der fünften Spielminute.

An der Leistung des NBA-Superstars richtete sich das ganze Team auf: Aufbauspieler Dennis Schröder nutzte immer wieder seine Schnelligkeit, um zum Korb zu ziehen, Center Pleiß setzte sich gegen seine athletischen Gegenspieler durch und Kapitän Heiko Schaffartzik traf drei seiner sieben Dreipunktewürfe.

"Rebounds der Serben haben uns gekillt"

Es gab nur eine richtige Schwäche im deutschen Spiel: die Rebounds. In der ersten Halbzeit griffen sich die Serben zwölfmal den Ball nach einem eigenen Fehlwurf, dem DBB-Team gelang das nur einmal. "Die Offensivrebounds der Serben haben uns gekillt", analysierte Nowitzki. "Eigentlich hätten wir zur Halbzeit klar führen müssen."

Auch der Bundestrainer trauerte der verpassten Gelegenheit nach dem Spiel ein wenig nach, er betonte aber hier eine positive Entwicklung: "In der ersten Hälfte waren wir schlecht beim Rebound, nach der Pause dann verdammt gut", sagte Chris Fleming.

Insgesamt sei das Spiel ein Schritt in die richtige Richtung, so Fleming: "Wir sind gewachsen, nach jedem Rückschlag haben wir es geschafft, wieder zurückzugekommen."

Nun geht es gegen die Türkei

Fleming und Nowitzki wissen, dass auch eine knappe Niederlage gegen ein hoch favorisiertes Team positive Folgen haben kann. Sie könnte der deutschen Mannschaft einen Schub geben.

Bei den jungen Spielern überwog dennoch die Enttäuschung. Der sonst nie um einen Kommentar verlegene Schröder verzog sich nach dem Spiel wortlos in die Kabine, der ebenfalls 21-jährige Paul Zipser trauerte der verpassten Gelegenheit nach, eine der Top-Mannschaften in Europa zu schlagen.

Nach einem Sieg und einer Niederlage geht es nun am Dienstag gegen die Türkei (17.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ARD). Dann ist das deutsche Team weder Favorit noch Außenseiter, die Türken gelten als etwa gleich stark.

Nowitzki machte seinen Kollegen schon mal Mut: "Die Türken haben eine sehr gute Mannschaft, aber wir haben sie in der Vorbereitung schon mal geschlagen."

Der alte Mann des deutschen Basketballs ist noch nicht bereit, die große Bühne zu räumen.

Deutschland: Nowitzki (15 Punkte, 10 Rebounds, 3 Assists), Pleiß (15 Punkte, 7 Rebounds), Schaffartzik (11), Schröder (11, 6 Assists), Voigtmann (5), Gavel (4), Giffey (3), Zipser (2), King, Lo, Tadda.

Serbien: Bjelica (12 Punkte), Bogdanovic (9), Erceg (9), Teodosic (8), Raduljica (7), Kalinic (6), Nedovic (6), Simonovic (5), Kuzmic (4), Markovic (2), Milutinov.



insgesamt 4 Beiträge
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audiotom 06.09.2015
1. ein tolles Spiel
Ich kann mich nicht erinnern wann die deutschen Basketballer zuletzt eine solch starke Leistung gezeigt haben. Schröder wird - wenn er in der NBA weiter reift - ein herausragender Spieler werden. Übersicht hat er bereits jetzt schon, es fehlt aber noch die gewisse Gelassenheit. Ich freue mich schon jetzt auf Dienstag!
onceagain 06.09.2015
2. Mehr Nowitzki
Weniger Schröder , dann hätte man Serbien geschlagen....
viktor koss 06.09.2015
3. Lernen, lernen und nur lernen...
Wie die Serben von Deutschen lernen dürfen wie man Fußball spielt, dürfen die Deutschen die gleiche Lektion von Serben wiederholen. Das Niveau steigt und es ist gut so.
fredlieb 07.09.2015
4. Schröder wird ein Guter
Zitat von onceagainWeniger Schröder , dann hätte man Serbien geschlagen....
Dem kann ich mich nicht anschließen. Auch Schröder hat eine gute Partie gezeigt. Er ist schon jetzt bereit, in wichtigen Phasen Verantwortung zu übernehmen. Das trauen sich nur wenige. Irgendwann fallen die Bälle rein. Man muss den jungen Spielern Zeit geben. Er wird schon noch reifen.
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