Doping-Affäre Basso soll aus Angst vor Kollegen schweigen

Erst war er kooperationsbereit, dann wollte Ivan Basso keine Namen mehr nennen. Der zuständige Staatsanwalt hat nun Vermutungen über das plötzliche Schweigen des Radprofis in der Fuentes-Doping-Affäre geäußert. Einblick in die Ermittlungsakten will nun auch ein Fußballfunktionär.


Rom - Staatsanwalt Ettore Torri vermutet, der große öffentliche Druck habe dazu geführt, dass der des Dopings verdächtigte Radprofi Ivan Basso seine Kooperationsbereitschaft deutlich vermindert hat. "Das ist nur eine Hypothese. Aber nach unserem Gespräch am 7. Mai hat er offensichtlich nicht nur mit seinem Anwalt, sondern auch mit Sponsoren und Sportdirektoren gesprochen", sagte Torri auf einer Pressekonferenz in Rom.

Radprofi Basso: Angst vor dem Straßengraben?
AP

Radprofi Basso: Angst vor dem Straßengraben?

Basso habe demnach wie auch der ebenfalls geständige Michele Scarponi Angst, bei einer Kooperation mit der Staatsanwaltschaft Probleme mit Rennfahrerkollegen zu bekommen. "In Radrennen ist es sehr einfach, im Straßengraben zu landen. Basso und Scarponi haben ihre Ängste diesbezüglich geäußert", sagte Torri.

Basso befürchte zudem die Aberkennung des Giro-Sieges 2006. Basso und Scarponi hatten jüngst ihre Verbindung zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes gestanden. Nachdem Basso zunächst große Kooperationsbereitschaft gezeigt hatte, machte der Italiener schnell einen Rückzieher und wollte keine Namen nennen. Durch diese Entwicklung dürfte sich das Urteil gegen Basso hinauszögern, wie Torri klarstellte.

Unterdessen hat auch der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa, Joseph Blatter, die Madrider Ermittlungsbehörden um Akteneinsicht in der Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gebeten. Er wolle Klarheit, ob auch sein Sport von dem bislang ausschließlich Radprofis betreffenden Skandal tangiert werde. "Man muss wissen, welche Sportarten einbezogen sind", sagte Blatter. Es gebe auch das Risiko, "dass Fußballer betroffen sind, aber wir wollen es wissen. Ich habe gesagt, dass man die Akten öffnen muss", so der Schweizer.

goe/sid

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