Doping-Affäre Kenteris und Thanou geben auf

Die peinliche Hängepartie ist beendet. Die griechischen Sprintstars Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou verzichten wegen der Doping-Affäre auf ihre Teilnahme an den Sommerspielen in Athen. Freiwillig erfolgte diese Entscheidung nicht, die Goldfavoriten kamen lediglich einem Ausschluss durch das IOC zuvor.




Sprinter Kenteris nach der Anhörung: Rückzug im Interesse des Landes
AP

Sprinter Kenteris nach der Anhörung: Rückzug im Interesse des Landes

Athen - "Ich ziehe mich in voller Verantwortung und im Interesse des Landes von den Olympischen Spielen zurück", sagte Kenteris nach seiner 50-minütigen Anhörung durch die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) heute Morgen. Das IOC-Exekutivkomitee trat unmittelbar nach der neuen Entwicklung des Falles zu Beratungen zusammen.

Gleichzeitig gab Kenteris die Trennung von seinem umstrittenen Trainer Christos Tzakos bekannt, der ebenfalls seine Akkreditierung zurückgab. Mit der Rücknahme seines Starts kam der Olympiasieger von Sydney über 200 Meter einem möglichen Ausschluss durch das IOC zuvor. Das Exekutivkomitee hatte, so die ursprüngliche Planung, heute Abend seine Entscheidung bekannt geben wollen.

Auch Thanou, die wie Kenteris zu einer Dopingkontrolle nicht erschienen war, wird in Athen nicht starten. "Sie wurde gestern für den Lauf über 100 Meter nicht gemeldet", sagte der Sprecher des griechischen NOK, Yiorgos Gakis.

Thanou bestätigte heute ihren Startverzicht. "Ich werde an den Spielen nicht teilnehmen. Ich werde nicht laufen. Ich habe meine Akkreditierung dem IOC zurückgegeben", sagte die Zweite von Sydney.

"Ich habe alle Fakten auf den Tisch gelegt, die zeigen, dass ich unschuldig bin", sagte Kenteris nach der Anhörung. "Ich war niemals darüber informiert, dass ich zu einer Doping-Kontrolle ins Olympische Dorf kommen sollte." Er sei außerdem in den vergangenen vier Jahren mehr als 30-mal ohne Probleme getestet worden.

Ekaterini Thanou: Hängepartie beendet
AFP

Ekaterini Thanou: Hängepartie beendet

Die IAAF hatte dagegen offiziell mitgeteilt, dass Kenteris und Thanou bereits am 28. Juli eine Doping-Kontrolle in Tel Aviv versäumt hatten und dafür verwarnt worden waren. Einen weiteren Verstoß gegen die Meldepflicht sollen die Sprinter in Chicago, kurz vor den Spielen, begangen haben.

Noch nicht klar ist, welche Konsequenzen sich für die beiden Leichtathleten aus der erneut verpassten Doping-Kontrolle ergeben. Der Weltverband IAAF wird sich noch mit dem Fall befassen.

"So ein Thema, das ein schlechtes Bild auf unser Land wirft, hätte rascher abgeschlossen werden müssen", hatte der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis schon vor der heutigen Entscheidung gesagt.

Trainer Tzekos, der nicht zum ersten Mal mit Doping in Verbindung gebracht wird, war sich auch nach dem Abschied von Olympia keiner Schuld bewusst: "Ich glaube weiterhin, keine Fehler gemacht zu haben", sagte er. Nach wie vor glaube er, dass die ganze Sache ohne Grund zu einem Riesenskandal aufgebauscht worden sei. "Meine Athleten und ich haben unsere Akkreditierungen zurückgegeben, damit dies zu Ende geht."

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