Doping-Akte Ullrich und die "dritte Person"

Die Akte trägt das Zeichen CO.PP.4293/06, und ihr Inhalt, belastet Jan Ullrich schwer. Die spanische Justiz hat gegen den von der Tour de France ausgeschlossen T-Mobile-Fahrer etliche Indizien gesammelt. Ullrichs Mentor wurde bereits gekündigt.


Rennes - Während Ullrich weiter seine Unschuld beteuert und seit einer Woche abgetaucht ist, veröffentlicht der SPIEGEL am Montag in seiner neuen Ausgabe Auszüge aus dem Bericht der Guardia Civil vom 27. Juni. Demnach soll auch der Ansbacher Jörg Jaksche (Liberty Seguros) des Blutdopings überführt sein.

Suspendierter Ullrich: Zukunft offen
AP

Suspendierter Ullrich: Zukunft offen

T-Mobile-Manager Olaf Ludwig hat den bis zum Ende des Jahres befristeten Vertrag mit Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage unterdessen beendet: "Er hat die Kündigung." Wie es um die Zukunft Ullrichs bestellt ist, ist dagegen offen. Bei den Verhandlungen zwischen den Anwälten beider Parteien geht es vermutlich um die Regelung der Bezüge. Eine Vereinbarung, die Ullrich eine Weiterbeschäftigung im Konzern nach dem Ende seiner sportlichen Karriere garantierte, stehe zudem auf dem Prüfstand, wie Kommunikations-Leiter Christian Frommert heute erklärte.

Ullrich war den Ermittlern ins Netz gegangen, als diese dem 32-Jährigen den Codenamen "Dritte Person" zuordnen konnten. Diesen hatte Pevenage in zwei Telefonaten mit Dopingarzt Eufemiano Fuentes benutzt, die von der Polizei abgehört worden waren. Diese "dritte Person", die am 18. Mai überraschend das Zeitfahren beim Giro d'Italia gewonnen hatte, wollte am 20. Mai laut Pevenage "mehr haben, auch wenn es nur die Hälfte ist".

Anhand beschlagnahmter Notizen (Dokument 32) beim Fuentes-Partner Ignacio Laberta, geht die Justiz davon aus, dass es sich beim Ullrich-Wunschpaket "Vino, Nino, Ignacio, PCH" um Blut, Wachstumshormone, gentechnisch hergestelltes Insulin (IGF1) und Testosteron handelte, wie der SPIEGEL berichtet.

Ein "Jan" hat dafür 2970 Euro bezahlt. Außerdem soll "Hijo Rudicio" (Rudis Sohn, ein anderer Codename) viermal Eigenblut bei Fuentes deponiert haben. Und zwar am 26. Juli 2004, 18. und 29. September sowie 22. Dezember 2005. Ullrich, der sich in sein Schweizer Domizil in Scherzingen zurückgezogen hat, lehnt "auf Anraten meiner Anwälte" vorerst jede Stellungnahme ab - auch zur Abgabe eines DNA-Testes, der ihn zumindest teilweise entlasten könnte. Der gebürtige Rostocker meldet sich nur noch über seine Website mit Unschuldsbeteuerungen und Durchhalteparolen zu Wort: "Es ist ein Alptraum, ich habe mit der Sache nichts zu tun, unterstützt mein Team weiter."

mt/sid/dpa



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