Tour de France "Es gibt noch genug Tricksereien"

Deutsche Anti-Doping-Experten zweifeln vor dem Start der Tour de France am sauberen Radsport. Die Doper hätten lediglich raffiniertere Methoden. Und auch die Teamchefs haben sie kritisch im Auge.
Dopingkontrollen bei der Tour: Im Wesentlichen nichts geändert"

Dopingkontrollen bei der Tour: Im Wesentlichen nichts geändert"

Foto: PASCAL GUYOT/ AFP

An den propagierten Kulturwandel wollen viele Experten noch nicht so recht glauben: Doping und Radsport, diese Begriffe sind auch vor der am Samstag startenden 102. Tour de France nicht voneinander zu trennen. "Man darf sich keinen Illusionen hingeben, es gibt noch immer genügend Tricksereien", sagt der Nürnberger Biochemiker Fritz Sörgel.

Der gleichen Auffassung sind weitere anerkannte Fachleute. "Im Wesentlichen hat sich nichts geändert", ergänzt der Mainzer Professor Perikles Simon, schränkt aber ein: "Das gilt für andere Sportarten ganz genauso, nur hat man die noch nicht so in den Fokus genommen."

Mikrobiologe Werner Franke aus Heidelberg gibt zu bedenken, dass es Gerede vom Kulturwandel schon fünf-, sechsmal gegeben habe. Franke hält Mikrodosierungen von weiterentwickelten körpereigenen Stoffen für gängige Praxis, der Betrug sei jedoch nicht mehr so ausufernd. "Es ist wesentlich raffinierter, es wird nicht mehr so dick gedopt", sagt er. Dafür sei die Dosis eben "ganz fein eingestellt". Ex-Profi und Kronzeuge Jörg Jaksche sieht es ähnlich. "Es wird nicht das offensichtliche Doping sein wie zu meiner Zeit. Es geht in Richtung eines homöopathischen Dopings", sagte er dem ARD-Hörfunk.

Simon sieht Teamchefs in der Verantwortung

Simon sieht die Ursachen des Übels im Umfeld der Athleten und fordert vom Radsportweltverband UCI "drastische Schritte. Es müssten Teamleiter ausgeschlossen werden, die die heißen Dopingjahre auch mit Doping bestritten haben. Wenn die selber erlebt haben, wie viel schneller eine sechswöchige Epo-Kur macht, wären sie doch verrückt, jetzt darauf zu verzichten." Unter anderem der Boss des Teams Astana von Titelverteidiger Vincenzo Nibali, Alexander Winokurow, zählt zu dieser Kategorie - neben einer Reihe anderer.

Sörgel sieht die bisherigen Maßnahmen der UCI unter Präsident Brian Cookson als "Selbstverständlichkeit" an, dadurch könne man sich aber nicht Vorreiter im Anti-Doping-Kampf nennen. "Die Vorbildrolle ist nicht angebracht und durch nichts belegt. Wie gut die UCI das Astana-Team im Griff hat, hat man gesehen."

Simon unterstellt der UCI "in aller erster Linie PR. Wo sind die genialen Neuerungen? Ich sehe da nichts bis zu wenig, und das ist hochgradig verdächtig. Man muss davon ausgehen: es geht um das berühmte Feigenblatt." Franke schießt sich auf die Ärzte ein. "Der Onkel Doktor in Weiß wird geschont, der ist aber der Täter", sagte er.

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aha/sid
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