Dopingvorwürfe Das Statement von Lance Armstrong im Wortlaut

Der ehemalige Radprofi Lance Armstrong will sich im Kampf mit der US-Anti-Doping-Behöre Usada nicht mehr zur Wehr setzen. Der siebenmalige Tour-de-France-Gewinner äußert sich dazu wie folgt auf seiner Website.

Ex-Radprofi Armstrong: "Ich weiß, wer diese Titel gewonnen hat"
REUTERS

Ex-Radprofi Armstrong: "Ich weiß, wer diese Titel gewonnen hat"


"In einem jeden Leben gelangt man einmal an den Punkt, an dem man sagen muss: Genug ist genug. Für mich ist diese Zeit jetzt gekommen. Ich habe mich mit Vorwürfen herumschlagen müssen, wonach ich betrogen und mir einen unfairen Vorteil bei meinen sieben Tour-Siegen seit 1999 verschafft haben soll. Dies hat meiner Familie, der Arbeit mit meiner Stiftung und mir einen zu hohen Zoll abverlangt und bringt mich heute an den Punkt, mit diesem Unsinn abzuschließen.

Ich hatte gehofft, dass ein Bundesgericht die Farce der US-Anti-Doping-Agentur Usada beendet. Auch wenn das Gericht mein Anliegen verstanden sowie die vielen Unstimmigkeiten und Fehler im Vorgehen der Usada erkannt hatte, kann es in diese Gelegenheit nicht einschreiten.

Wenn ich die Möglichkeit sehen würde, den Vorwürfen in einem fairen Rahmen entgegenzutreten, hätte ich diese Chance genutzt, um die Sache ein für alle Mal zu beenden. Aber ich weigere mich, an diesem Verfahren teilzunehmen, das so einseitig und unfair geführt wird. Trotz der Aussagen von Travis Tygart gibt es absolut keine Beweise für seine bizarren und abscheulichen Vorwürfe. Die einzigen Beweise sind die zahlreichen Dopingkontrollen, welchen ich mich unterzogen habe. Ich war rund um die Uhr an jedem Ort der Welt für sie verfügbar. Im Wettbewerb, außerhalb davon. Blut. Urin. Egal, nach was sie gefragt hatten, ich stellte es zur Verfügung. Wo ist der Sinn, wenn die Usada im Endeffekt nicht zu ihren Regeln steht?

Von Beginn an hat diese Untersuchung nicht dazu gedient, die Wahrheit zu erforschen und den Radsport zu säubern, sondern mich um jeden Preis zu bestrafen. Angesehene Verbände wie der Radsport-Weltverband UCI oder der US-amerikanische Radsport-Verband haben bestätigt, dass der Usada die Beweislage für diese Vorwürfe fehlt. Die internationalen Radsport-Verbände haben die Usada aufgefordert, damit aufzuhören.

Gleichzeitig haben sie klargestellt, dass die Erklärungen der Usada, in denen sie Leute lebenslang sperren und ihnen die Erfolge aberkennen, haltlos sind. Und wie viele andere, unter anderem auch die Schlichter der Usada, haben auch sie den Eindruck, dass in diesem Prozess nicht fair gehandelt wurde. Die Usada hat das Gesetz gebrochen, es auf seine Vorstellungen zugeschnitten und sich auf Personen versteift, die ihre Arbeit loben und honorieren.

An vielen Punkten hat sich die Usada wie ein Rüpel verhalten. In den vergangenen zwei Monaten hatte sie immer wieder gesagt, dass es für alle nachvollziehbare Gesetze geben muss. Aber sie haben sich arrogant dem verwehrt, was sie gepriesen haben. Und zu guter Letzt hat sie mit Radfahrern zusammengearbeitet, die mich beschuldigen und die eigenen Regeln umgehen. Viele dieser Fahrer sind heute noch aktiv.

Die Tatsache, dass Athleten ohne positive A- und B-Probe im gleichen Maße beschuldigt werden wie Profis mit positiven Tests, pervertiert das System und ermöglicht einen Prozess, in dem jeder widerwillige Ex-Teamkollege bei der Usada zu seinen Gunsten einen neuen Fall melden kann. Es ist ein unfairer Angriff. Es ist einfach nicht richtig.

Die Usada kann nicht die Kontrolle über einen internationalen Profisport übernehmen und mir die sieben Tour-Titel aberkennen. Ich weiß, wer diese Titel gewonnen hat, meine Teamkollegen wissen es und auch die früheren Konkurrenten wissen es. Wir sind alle zusammen gefahren. Drei Wochen lang über dieselben Straßen und die gleichen Berge. Es gab keine Abkürzungen, keine spezielle Behandlung, immer dieselben Routen und Regeln. Das härteste Rennen der Welt, das der stärkste Mann gewinnt. Niemand kann dies jemals ändern, schon gar nicht Travis Tygart.

Ich werde dieses Thema nicht weiter ansprechen. Ich werde die Arbeit fortsetzen, die ich bereits vor einem ersten Tour-Sieg begonnen hatte: Menschen und Familien helfen, die an Krebs leiden. Im Oktober feiert meine Stiftung ihr 15-jähriges Bestehen. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, und ich freue mich, dass diese sinnlose Störung jetzt ein Ende hat. Ich habe eine Verantwortung den Menschen gegenüber, die ihre Zeit und Kraft in die Krebssache stecken. Ich werde nicht aufhören, für diese Mission zu kämpfen. Ich werde meine fünf schönen Kinder aufwachsen sehen und versuchen, der fitteste 40-Jährige der Welt zu sein."

chp/sid



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spon-facebook-10000254977 24.08.2012
1. Warum Dopingproben?
Wenn ich das alles bisher richtig verstanden habe, hat man Lance Armstrong bis heute nicht einmal des Dopings überführen können. Ausser ein paar Auffälligkeiten im Blutbild konnte man nichts finden. Es gab aber immer irgendwelche ehemaligen Teammitglieder die ihn beschuldigten. Aber das kann ja nicht der Maßstab sein jemanden als Dopingsünder zu verurteilen. Entweder hatte er in seiner aktiven Zeit Mittel zur Verfügung die nicht nachmeßbar waren, oder hat sich mit Mitteln "gedopt" die nicht auf der Dopingliste standen. Aber das ist ja wohl kaum nachweißbar. Mal davon ab, das wir wohl Wissen das so eine Strapaze wie die Tour ohne "Hilfsmittel" nicht zu bewältigen ist, ist es mir persönlich auch mittlerweilen egal ob da gedopte oder " jungfräuliche" Athleten ihren Sport nachgehen. Es zeigt doch einzig und allein unsere Doppelmoral. Wir schmeißen uns beim kleinsten "Wehwechen" ( Kopfschmerz, Schlaflosigkeit) die Pillen ein , aber die Leute die mit Sport ihr Geld verdienen haben "clean" zu sein........
mr.ious 24.08.2012
2.
Zitat von spon-facebook-10000254977Wenn ich das alles bisher richtig verstanden habe, hat man Lance Armstrong bis heute nicht einmal des Dopings überführen können. Ausser ein paar Auffälligkeiten im Blutbild konnte man nichts finden. Es gab aber immer irgendwelche ehemaligen Teammitglieder die ihn beschuldigten. Aber das kann ja nicht der Maßstab sein jemanden als Dopingsünder zu verurteilen. Entweder hatte er in seiner aktiven Zeit Mittel zur Verfügung die nicht nachmeßbar waren, oder hat sich mit Mitteln "gedopt" die nicht auf der Dopingliste standen. Aber das ist ja wohl kaum nachweißbar. Mal davon ab, das wir wohl Wissen das so eine Strapaze wie die Tour ohne "Hilfsmittel" nicht zu bewältigen ist, ist es mir persönlich auch mittlerweilen egal ob da gedopte oder " jungfräuliche" Athleten ihren Sport nachgehen. Es zeigt doch einzig und allein unsere Doppelmoral. Wir schmeißen uns beim kleinsten "Wehwechen" ( Kopfschmerz, Schlaflosigkeit) die Pillen ein , aber die Leute die mit Sport ihr Geld verdienen haben "clean" zu sein........
Ich finde einen Kommentar an anderer Stelle am aussagekräftigsten, wenn man schon so weit annimmt, wie es da in dem Sport zugehen muß, so wie Sie's ja auch schreiben. Es geht um das juristische Verfahren in Amerika. Da wär Armstrong mit viel vereidigten Zeugen konfrontiert worden und hätte ganz schnell, wie Marion Jones, unabhängig seiner Person 5 Jahre bekommen, die er auch tatsächlich in einem Gefängnis hätte antreten müßen. Denn in Amerika ist das nicht wie bei uns, mit "von-bis Strafmaßen" bei denen viel im Ermessensspielraum von Richtern steht. Der gute Klöden hätte ja jetzt auch quasi alles ganz alleine gemacht, sollte ihm jemand noch am Zeug flicken, denn die Freiburger Ärtzte habe nach Ansicht der Verantwortlich hier zu Lande, ja auch kein Doping betrieben. Bei Armstrong kommt wohl noch dazu, daß seine Strategie vor einem zivilen Gericht in den USA zunehmend teurer geworden wäre, ohne das er dabei aber wirkliche Aussichten gehabt hätte.
l.augenstein 24.08.2012
3. Doch...
Zitat von spon-facebook-10000254977Wenn ich das alles bisher richtig verstanden habe, hat man Lance Armstrong bis heute nicht einmal des Dopings überführen können. Ausser ein paar Auffälligkeiten im Blutbild konnte man nichts finden. Es gab aber immer irgendwelche ehemaligen Teammitglieder die ihn beschuldigten. Aber das kann ja nicht der Maßstab sein jemanden als Dopingsünder zu verurteilen. Entweder hatte er in seiner aktiven Zeit Mittel zur Verfügung die nicht nachmeßbar waren, oder hat sich mit Mitteln "gedopt" die nicht auf der Dopingliste standen. Aber das ist ja wohl kaum nachweißbar. Mal davon ab, das wir wohl Wissen das so eine Strapaze wie die Tour ohne "Hilfsmittel" nicht zu bewältigen ist, ist es mir persönlich auch mittlerweilen egal ob da gedopte oder " jungfräuliche" Athleten ihren Sport nachgehen. Es zeigt doch einzig und allein unsere Doppelmoral. Wir schmeißen uns beim kleinsten "Wehwechen" ( Kopfschmerz, Schlaflosigkeit) die Pillen ein , aber die Leute die mit Sport ihr Geld verdienen haben "clean" zu sein........
Natürlich kann man die 3 Wochen Tour auch ungedopt fahren, aber halt ein Stück langsamer. Bei den den Fahrern legal zur Verfügung stehenden Mitteln wie Physiotherapie, Kältetherapie, gezielte Regeneration, Trainingsmethoden und entsprechende erlaubte Mittel ist das absolut kein Problem.
alba36 24.08.2012
4.
Es steht außer Frage, dass auch für gedopte Athleten gewisse Leistungen außergewöhnlich sind, das gilt für Armstrong genauso wie für (mal angenommen...) Usain Bolt und eben viele andere. Dennoch, da niemand die ZUsammenhänge, Nebenwirkungen usw. solcher Pharma- Methoden wirklich kennt, fällt es schwer, da noch zu jubeln. Fakt ist, es ist verboten, und wer überführt wird, kann seine Titel nicht behalten. Entlarvte gab es schon viele, mache sind danach total gescheitert, nicht ohne Tragik (z.B. Pantani), andere wurden nie überführt, trotz so absurder Indizien wie Zahnspangen im Erwachsenenalter (Gebissverschiebungen als Nebenwirkung, so beim Leichtathletik- Gott Carl Lewis). Was mich bei Armstrong stört, ist, dass er offensichtlich auch mit dem unguten Zeug gehandelt und Geld verdient hat. Verhält sich zu anderen "Dopingsündern" wie der Dealer zum einfachen Junkie. Mitleid kommt mir da nicht in den Sinn. Wäre Armstrong so unschuldig wie er behauptet, hätte er sich doch mühelos dem öffentlichen Verfahren des Schiedsgerichts stellen können. Aber da hat er gekniffen, warum nur?
Freund der Realität 24.08.2012
5.
Meiner meinung nach ist die Übersetzung unvollständig und ungenau. Im original findet sie sich hier: http://lancearmstrong.com/news-events/lance-armstongs-statement-of-august-23-2012 Spiegel: Von Beginn an hat diese Untersuchung nicht dazu gedient, die Wahrheit zu erforschen und den Radsport zu säubern, sondern mich um jeden Preis zu bestrafen. Angesehene Verbände wie der Radsport-Weltverband UCI oder der US-amerikanische Radsport-Verband haben bestätigt, dass der Usada die Beweislage für diese Vorwürfe fehlt. Die internationalen Radsport-Verbände haben die Usada aufgefordert, damit aufzuhören. Original: From the beginning, however, this investigation has not been about learning the truth or cleaning up cycling, but about punishing me at all costs. I am a retired cyclist, yet USADA has lodged charges over 17 years old despite its own 8-year limitation. As respected organizations such as UCI and USA Cycling have made clear, USADA lacks jurisdiction even to bring these charges. The international bodies governing cycling have ordered USADA to stop, have given notice that no one should participate in USADA’s improper proceedings, and have made it clear the pronouncements by USADA that it has banned people for life or stripped them of their accomplishments are made without authority. In der Spiegel-Übersetzung fehlt völlig die Kritik an der Zuständigkeit, ebenso die Aussage, dass sich die USADA nicht an die eigenen Verjährungsfristen hält. Keine Ahnung ob diese Kritik zutreffend ist, aber unter den Tisch fallen sollte sie nicht. Mir ist allerdings aufgefallen, dass in englischen Quellen das Verfahren und die Zuständigkeit der USADA stärker thematisiert werden, während Spiegel.de das Thema komplett übergeht.
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