Doping DLV-Arzt hält alle Olympiasieger für Betrüger

Der als leitender Mannschaftsarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes nach den Olympischen Spielen in Athen zurückgetretene Helmut Schreiber geht davon aus, dass in seiner Sportart alle Olympiasieger gedopt waren. Die deutschen Athleten hätten auch deshalb keine Chance auf Gold gehabt.

München - "Da würde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ja", erklärte der Freiburger Orthopäde Schreiber in einem Beitrag der "Süddeutschen Zeitung" auf die Frage, ob alle Leichtathletik-Olympiasieger 2004 gedopt gewesen seien. Der Russin Irina Korscharenko (Kugelstoßen) sowie den Ungarn Adrian Annus (Hammerwerfen) und Roberto Fazekas (Diskus) waren die Goldmedaillen wegen Dopingvergehen aberkannt worden.

Schreiber hatte bereits während der Olympischen Spiele erklärt, es werde "gedopt auf Teufel komm raus mit Epo, Anabolika und Wachstumshormonen". Der frühere Weltklasse-Speerwerfer hatte daraus geschlossen: "Unsere Leute sind chancenlos. In mir wächst das Gefühl, dass ich keine Lust mehr habe." Als weitere Gründe für seinen Rücktritt nannte er nun Arbeitsüberlastung in seiner Rolle als Verbandsarzt und die Tatsache, dass von 63 deutschen Olympiakandidaten nur acht oder zehn vom Programm der Verletzungsprophylaxe Gebrauch gemacht hätten. Schreibers Reaktion: "Da frage ich mich, wo die medizinische Betreuung ihre Position hat." In Athen gewannen für den DSV lediglich Kugelstoßerin Nadine Kleinert und Speerwerferin Steffi Nerius zwei Silbermedaillen.

Vom Internationalen Olympischen Komitee und den internationalen Fachverbänden fordert Schreiber die weltweite Ausweitung der Trainingskontrollen. Vor allem in den Nachfolgestaaten der UdSSR, den USA und einigen europäischen Ländern würden entweder Doping-Kontrolleure unter Druck gesetzt oder Dopingproben verschwinden. Die griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou hätten laut Protokoll vor Olympia in Athen Dopingkontrollen verweigert. Aber es passiere nichts. Der moralische Anspruch, den man selbst habe, führe zur Frage: "Bin ich ein Depp?"

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