Doping Ehefrau von Fuentes droht mit Enthüllungen

"Ich könnte den Sport in Spanien fertigmachen" - die Ehefrau des Dopingarztes Eufemiano Fuentes hat in einem Interview angedroht, ihr Wissen über Manipulationen in mehreren Disziplinen preiszugeben. Die frühere Leichtathletin kritisierte das "System des Weltsports".


Hamburg - "Ich weiß, was bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona los war, und deswegen bin ich wie eine Pandora-Büchse, die, wenn sie sich öffnen würde, den ganzen Sport in Spanien in den Abgrund reißen würde." So äußerte sich Cristina Perez, die Ehefrau von Fuentes, in einem Interview mit der spanischen Zeitung "La Provincia".

Mediziner Fuentes: Spekulationen um seine Patienten
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Mediziner Fuentes: Spekulationen um seine Patienten

"Ich könnte den Sport in Spanien fertigmachen, wenn ich preisgebe, was ich weiß", sagte Perez weiter. Die 43-Jährige, die als Läuferin 1987 Dritte bei der Hallen-Europameisterschaft wurde und zweimal bei Olympia teilnahm, bezeichnete ihren Mann als "Sündenbock" und "Opfer einer Kampagne, um den Sport zu reinigen". Seine Arbeit hätte zum "System des Weltsports" gehört.

Im Oktober waren Ermittlungen gegen Fuentes wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit aus Mangel an Verdachtsmomenten endgültig eingestellt worden. Bei der "Operacion Puerto" 2006 hatte die spanische Polizei mehr als 200 Blutbeutel bei Fuentes gefunden, die verschiedenen Sportlern zuzuordnen waren, darunter Radprofis wie Jan Ullrich, Jörg Jaksche und Ivan Basso. Jaksche hatte später Blutdoping gestanden. Weil es in Spanien 2006 noch kein Anti-Doping-Gesetz gab, konnte Fuentes deshalb aber nicht belangt werden.

Die Äußerungen seiner Ehefrau könnten erneut Spekulationen anheizen, dass außer Stars der internationalen Radsport-Szene auch zahlreiche spanische Athleten aus anderen Sportarten zum Klientel des zwielichtigen Mediziners gehört haben könnten. In der Vergangenheit waren in Spanien bereits einige Fußball- und Tennisprofis als mutmaßliche Dopingsünder gehandelt worden.

Fuentes war im Dezember 2006 in der französischen Zeitung "Le Monde" damit zitiert worden, dass er für Vereine der ersten und zweiten spanischen Fußballliga gearbeitet habe und auch Leichtathleten, Tennisspieler, Handballer und Boxer als Patienten betreut habe. Die Behauptung, darunter seien auch Spieler des FC Barcelona und Real Madrid gewesen, musste "Le Monde" später zurücknehmen.

Perez, die als Aktive selbst mehrfach unter Dopingverdacht geraten war, sagte über ihren Mann: "Ihn jetzt als kriminellen Chef einer Verschwörung oder eines internationalen Dopingnetzwerkes zu bezeichnen, ist Heuchelei und beschämend - auch für den spanischen Staat."

all/sid



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