Doping im Radsport Ex-Telekom-Arzt legt ausführliches Geständnis ab

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat einen Schlussstrich unter die Ermittlungen gegen die Ärzte der früheren Radsport-Teams Telekom und T-Mobile gezogen. Sie bestätigte den Strafbefehl gegen Andreas Schmid. Auch Jan Ullrich sei verhört worden.

Andreas Schmid (Archivfoto vom 27.09.2006): Hat fünf Dosen Epo weitergegeben
DPA

Andreas Schmid (Archivfoto vom 27.09.2006): Hat fünf Dosen Epo weitergegeben


Hamburg - Das Verfahren gegen Andreas Schmid, früherer Arzt der Radsport-Rennställe Team Telekom und T-Mobile, ist beendet. Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat den Strafbefehl gegen den geständigen Mediziner bestätigt und dessen Aussagebereitschaft gelobt. Schmid hatte einen Strafbefehl zur Zahlung von 90 Tagessätzen wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz akzeptiert.

"Er hat ein Geständnis abgegeben und sich darin klar selbst belastet", sagte Oberstaatsanwalt Christoph Frank am Mittwoch. Am 11. September ist der Strafbefehl rechtskräftig geworden. Schmid ist nicht vorbestraft. "Doping-Geständnisse sind äußerst selten. Ich halte Herrn Schmids Geständnis für einen bemerkenswerten Vorgang", erklärte Frank. Der weiter im Umkreis Freiburgs tätige Schmid hatte zugegeben, fünf Dosen Epo an Radprofis weitergereicht zu haben.

Alle weiteren Verfahren gegen Verantwortliche der Rennställe und gegen weitere Ärzte, wie das gegen den früheren Teamarzt Lothar Heinrich, sind eingestellt worden. Es seien lediglich Vorgänge der Zeit 2002 bis 2007 überprüft worden. "Wir haben alles getan, was wir tun konnten. Das Ergebnis ist die Einstellung. Herr Heinrich hat sich nicht geäußert", sagte Frank, der im Mai dieses Jahres auch den ehemaligen Telekom- und T-Mobile-Star Jan Ullrich verhörte.

"Die Szene hat sich erfolgreich abgeschottet"

Der Tour-de-France-Sieger von 1997 habe sich "ausführlich geäußert". Gegen den inzwischen 38-Jährigen hatte die Staatsanwaltschaft Bonn 2008 die Ermittlungen wegen Dopings eingestellt, nachdem der Profi 250.000 Euro für wohltätige Zwecke gezahlt hatte. Der Internationale Sportgerichtshof Cas sperrte Ullrich im Februar 2012 für zwei Jahre wegen seiner Kooperation mit dem mutmaßlichen spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes.

Frank betonte, dass die Ermittlungen allgemein "erschwert wurden durch die Zurückhaltung der Beteiligten und durch die lückenhafte Dokumentation hier in Freiburg". Der Oberstaatsanwalt nehme aus der rund fünfjährigen Ermittlungszeit mit, "dass sich diese Szene erfolgreich abschottet". Sein Kollege Wolfgang Meier war im Vormonat etwas deutlicher geworden: "Doping hat ohne Zweifel stattgefunden." Die Justiz habe laut Frank wenig Möglichkeiten, tätig zu werden.

Das sehe man auch im Fall Lance Armstrong, bei dem nicht die amerikanischen Behörden tätig wurden, sondern die nationale Anti-Doping-Agentur Usada. Die Allgemeinheit sei gefordert, "ein Klima der gesellschaftlichen Ablehnung zu schaffen", um Doping einzudämmen. Die Deutsche Anti-Doping-Agentur Nada hat die Freiburger Akten des Falles angefordert und will prüfen, ob sportjuristische Sanktionen ausgesprochen werden können.

luk/dpa

insgesamt 5 Beiträge
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iron mace 12.09.2012
1. Titel ...
Zitat von sysopDPADie Staatsanwaltschaft Freiburg hat einen Schlussstrich unter die Ermittlungen gegen die Ärzte der früheren Radsport-Teams Telekom gezogen. Sie bestätigte den Strafbefehl gegen Andreas Schmid. Auch Jan Ullrich sei verhört worden. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,855426,00.html
Warum sollte die Allgemeinheit das tun? Leistungssteigerung ist nun mal Teil einer auf Leistung getrimmten Gesellschaft, warum sollte das gerade im Sport anders sein als in anderen Bereichen? Jeder sucht seinen Vorteil, will alles so schnell und mit so geringem Aufwand wie möglich, wer anders Handelt ist "der Dumme". Versicherungen, Kunden, Kollegen alle werden belogen und lügen bis an die Grenzen und darüber hinaus. Das wurde und wird Gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, es wird sogar gefördert. Lasst die nehmen was Sie wollen, muss jeder selbst wissen wie weit er geht. Diese Moralkeule passt nicht ein eine knallharte Leistungsgesellschaft wie sie von der Politik und den Medien in den letzten 20 Jahren geschaffen wurde.
spon-1284887642879 12.09.2012
2. Doping legalisieren!
Das wäre doch wenigstens ehrlich. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, ein Radfahrer könnte ohne Doping drei Wochen lang tausende Kilometer durch Frankreich fahren?
spike1911 12.09.2012
3. Legalisieren nein!
Natürlich kann man 3 Wochen lang durch Frankreich Fahrrad fahren. Nur nicht mehr mit so hoher Geschwindigkeit.
l.augenstein 12.09.2012
4. Kein Problem
Zitat von spon-1284887642879Das wäre doch wenigstens ehrlich. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, ein Radfahrer könnte ohne Doping drei Wochen lang tausende Kilometer durch Frankreich fahren?
Wo soll da das Problem sein? Mit entsprechendem Training kann man da sogar ziemlich flott durch Frankreich oder sogar in Italien beim Giro durchfahren. Allerdings im Resultat ein paar Stunden langsamer. Das ist der einzige Unterschied zu Doping, auch wenn viele wackere Foristen meinen, dass die Unterschiede enorm wären!
sick-and-tired 17.09.2012
5. Leistungssport heisst Doping
Das ist ein Fakt, den jeder ueber die modernen Gladiatoren in Radsport, Leichtathletik, Schwimmen etc. wissen muss. Im Fussball gibt es noch nicht einmal Bluttests, dafuer aber Millionen €$£
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