Doping Fothen fühlt sich von Ullrich betrogen, Giro-Sieger unter Verdacht

Ein Profi des Team Gerolsteiner hat sich heute kritisch zu Jan Ullrich, Erik Zabel und Rolf Aldag geäußert. Für nicht mehr vertretbar hält ein Politiker die finanzielle Unterstützung des Radsports. Petacchi weißt alle Anschuldigungen zurück. Vom Giro werden weitere abnormale Werte bekannt.


Hamburg - Radprofi Markus Fothen, ab 7. Juli fürs Team Gerolsteiner bei der Tour de France im Sattel, fühlt sich von Jan Ullrich "betrogen". Ende der 90er Jahre hätte auch er "mit Gänsehaut vor dem Fernseher gesessen und Jan Ullrich angefeuert. Um diese Zeit fühle ich mich jetzt genauso betrogen wie alle anderen auch", sagte Fothen der "Sport Bild". Die Geständnisse von Erik Zabel und Rolf Aldag sieht er ebenfalls kritisch: "Es fällt leicht, etwas zuzugeben, wenn man sein Geld schon verdient hat", sagt der 25-Jährige. "Ich baue meine Existenz gerade auf und muss für etwas herhalten, was andere getan haben. Das ist deprimierend."

Profi Fothen: "Fühle mich betrogen"
DPA

Profi Fothen: "Fühle mich betrogen"

Die Doping-Frage habe er für sich klar beantwortet: "Ich weiß, es fällt in diesen Tagen schwer, einem Radprofi zu glauben. Aber ich schwöre, dass ich nie mit Doping etwas zu tun hatte", versicherte Fothen. "Alle Doper müssen raus, das erhöht auch meine Siegchancen."

Der Sportausschuss-Vorsitzende im Bundestag, Peter Danckert (SPD), hält eine finanzielle Unterstützung des Profi-Radsports in Deutschland für nicht mehr vertretbar. Nach den Enthüllungen im ARD-Politikmagazin Report Mainz, im ehemaligen Team Nürnberger sei Doping im Auftrag der Mannschaftsleistung aktiv unterstützt worden, erklärte er, eine Grenze sei überschritten. "Ich will dem Sportausschuss nicht vorgreifen, aber meine persönliche Meinung ist, es ist nicht mehr zu verantworten, dem Bund Deutscher Radfahrer und dem WM-OK öffentliche Mittel zur Verfügung zu stellen", sagte Danckert heute.

Alessandro Petacchi hat die gegen ihn erhobenen Dopingverdächtigungen zurückgewiesen. "Ich habe nichts Illegales getan", sagte Erik Zabels Teamkollege beim Milram-Rennstall heute in der "La Gazzetta dello Sport". Das Nationale Olympische Komitee Italiens (Coni) leitete nach Aufforderung durch den Internationalen Radsportverband Ermittlungen gegen den Italiener ein. Petacchi droht eine Dopingsperre von zwei Jahren, falls ihm Doping mit dem Asthma-Präparat Salbutamol nachgewiesen werden kann. Da er ein reines Gewissen habe, stehe er der Coni-Antidopingkommission sofort für eine Anhörung zur Verfügung, erklärte der Sprinter. "Ich will die Tour nicht verpassen", sagte er. Bei einer Dopingkontrolle während des Giro d'Italia war bei dem 33-Jährigen ein überhöhter Wert des Asthma-Präparates festgestellt worden.

Bei den kombinierten Urin- und Blut-Kontrollen, die das italienische Olympische Komitee (Coni) nach der "Königsetappe" des diesjährigen Giro d'Italia vorgenommen hat, gab es "Anomalien". Die nach der 17. Etappe überraschend kontrollierten Danilo di Luca (Gesamtsieger), Gilberto Simoni (Sieger der Etappe), Riccardo Ricco und Eddy Mazzoleni wiesen "unnatürlich niedrige Testosteron-Werte auf, wie Kinder, nicht wie erwachsene Männer", schrieb der "Corriere dello Sport". Die Auswertungen der Analysen vom 30. Mai seien vom Coni sowohl an die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) als auch an den Weltverband UCI weitergeleitet worden.

In einem Brief an den UCI-Präsidenten Pat McQuaid hatte Coni-Chef Gianni Petrucci bereits am 22. Juni zu den vier unangekündigten Dopingtests beim Giro mitgeteilt, es seien "Besorgnis erregende Anomalien" aufgetaucht, auch wenn diese "keine Verletzung des Anti-Doping-Reglements" darstellten. Die "L'Equipe" mutmaßte, der frühere T-Mobile- und jetzige Astana-Fahrer Eddy Mazzoleni werde wegen der merkwürdigen Werte nicht die Tour de France bestreiten. "Unser neunköpfiges Tour- Team wird am Ende der Woche benannt. Unser Management und der Teamleiter tagen gerade in Kasachstan. Ich kann zu Mazzoleni nichts sagen", erklärte heute Team-Sprecherin Corinne Druey. Di Luca, Simoni und Ricco waren von vornherein nicht für die Tour vorgesehen.

fs/dpa/sid



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