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16. Mai 2007, 13:10 Uhr

Doping

Fuentes soll sich mit Ullrich und Basso getroffen haben

Die Luft für Jan Ullrich wird dünn: Aus Ermittlungsakten soll hervorgehen, dass sich der ehemalige Radprofi 2006 mit Ivan Basso und Arzt Eufemiano Fuentes in Deutschland getroffen hat. Das berichtet eine italienische Zeitung. Auch bei Floyd Landis zieht sich die Schlinge zu.

Hamburg - Nach Informationen der "Gazzetta dello Sport" sollen sich die Radprofis Ullrich und Basso vor dem Giro d'Italia 2006 in einem Freiburger Hotel mit dem mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes getroffen haben. Dies berichtet die italienische Zeitung heute unter Berufung auf "Unterlagen einer deutschen Staatsanwaltschaft". Diese habe die Staatsanwaltschaft Bergamo an die italienische Anti-Doping-Kommission in Rom weitergeleitet.

Kontrahenten Ullrich (li.) und Basso: Treffen in Freiburg
AP

Kontrahenten Ullrich (li.) und Basso: Treffen in Freiburg

Mit dem Fall Fuentes sind sowohl die Staatsanwaltschaft Bonn als auch die in Hamburg beschäftigt. Die Bonner Behörde ermittelt nach einer Klage der Rechtsprofessorin Britta Bannenberg, in Hamburg war eine Klage des Zellforschers Werner Franke Auslöser der Ermittlungen.

Zuvor waren die Ermittlungen des Chefs der italienischen Anti-Doping-Kommission, Ettore Torri, gegen Basso ins Stocken geraten. "Ich bin teilweise enttäuscht über Bassos Aussagen. Das Ergebnis ist weniger brillant als wir erwartet hatten", gestand Torri. Er ist davon überzeugt, dass der 29-Jährige aus der Dopingszene bedroht wird und sogar um seine körperliche Unversehrtheit fürchtet.

Torri will mit seiner Klageerhebung jetzt noch 60 oder gar 120 Tage warten, um das gesamte Ermittlungsspektrum der Staatsanwaltschaft auszunutzen. Die Möglichkeiten der Anti-Doping-Kommission seien begrenzt, staatliche Dopingfahnder könnten nun aber mit polizeilichen Mitteln in Italien den Dopingskandal aufklären. Das italienische Dopinggesetz gibt den ermittelnden Staatsanwälten weitreichende Handlungsmöglichkeiten.

Das zusammengetragene Material sei aber schon ausreichend für eine Doping-Anklage gegen den bereits vorläufig gesperrten Basso. Eine zweijährige Sperre gilt als sicher. Von der in Aussicht gestellten Halbierung der Strafe ist in Rom keine Rede mehr, da Basso sich einer Kronzeugenregelung verweigert und nur so viel zuzugeben scheint, wie ihm ohnehin nachgewiesen werden kann.

Landis beschuldigt, Merckx als Zeuge

Eine Angestellte des Pariser Anti-Dopinglabors hat Tour-de-France-Sieger Floyd Landis am zweiten Tag des Dopingprozesses um den Amerikaner schwer belastet. Nach Aussagen der Französin Cynthia Mongongu hätten zwei der sieben ursprünglich negativen Urinproben Landis', die von der Tour 2006 stammten, bei verfeinerten Testmethoden künstliches Testosteron aufgewiesen. Die Anwälte von Landis verwiesen in ihrer Verhandlungsstrategie auf die Inkompetenz der Laborangestellten und konstatierten Verfahrensfehler.

Landis hatte während der Tour de France 2006 insgesamt acht Dopingproben abgeben müssen. In der Probe nach seinem Erfolg auf der 17. Etappe war der Amerikaner bereits positiv auf Testosteron getestet worden. Die US-Anti-Doping-Agentur Usada hatte im April 2007 die weiteren sieben Urinproben, die zunächst negativ waren, noch einmal mit dem einem genaueren Verfahren testen lassen, nachdem Landis vehement jegliches Doping bestritt.

Für ein Raunen im Gerichtssaal der Pepperdine University von Malibu hatte zu Beginn des zweiten von neun angesetzten Prozesstagen die Tatsache gesorgt, dass zu den mehr als 40 geladenen Zeugen auch die Rad-Idole Eddy Merckx (Belgien) und Greg LeMond (USA) gehören. Während die Anklage der Anti-Dopingagentur den dreimalige Tour-Sieger aus den USA als Zeuge nominierte, wurde Radlegende Merckx, der fünfmal die Tour gewann, von den Landis-Anwälten benannt. Termine für die Auftritte der beiden Radstars wurden allerdings noch nicht bekannt.

Radsport-Förderung in Frage

Der Bundestagssportausschuss-Vorsitzende Peter Danckert hat nach den zahlreichen Dopingaffären im Radsport die öffentliche Förderung der Sportart in Frage gestellt: "Wenn es keine klaren Signale gibt, dass der Kampf auch mit Sanktionen schärfster Art geführt wird, muss die öffentliche Förderung gestrichen werden", sagte der SPD-Politiker der "Süddeutschen Zeitung". Derzeit liege sie bei jährlich 2,7 Millionen Euro. Der Radsport müsse bis November, wenn der Haushalt 2008 zur Verabschiedung kommt, ein klares Zeichen im Anti-Doping-Kampf setzen.

fpf/sid/dpa

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