Leichtathletik Bach droht Dopingsündern mit "Null-Toleranz-Politik"

Die Dopingvorwürfe gegen Hunderte Leichtathleten sorgen beim Internationalen Olympischen Komitee für Unruhe. IOC-Präsident Thomas Bach erhöht den Druck auf die Welt-Anti-Doping-Agentur.

Bach: "Werden mit null Toleranz reagieren"
AP/dpa

Bach: "Werden mit null Toleranz reagieren"


IOC-Präsident Thomas Bach hat im Zuge der Doping-Anschuldigungen gegen die internationale Leichtathletik eine "Null-Toleranz-Politik" angekündigt. "Sollten davon auch Fälle bei den Olympischen Spielen betroffen sein, wird das IOC mit null Toleranz reagieren", sagte Bach zum Abschluss der IOC-Session in Kuala Lumpur.

Der 61-Jährige betonte, dass bis zum Beweis der Vorwürfe die Unschuldsvermutung für die Sportler gelte. "Ich kenne keine Details oder weiß, welche Sportler betroffen sind. Ich habe volles Vertrauen in die Untersuchungen der Welt-Anti-Doping-Agentur", sagte Bach: "Es ist eine laufende Untersuchung, wir müssen warten, was dabei herauskommt."

Auf die Frage, ob er sich angesichts der Vorwürfe gegen eine der wichtigsten Sportarten bei Sommerspielen Sorgen um das Image des IOC mache, antwortete Bach ausweichend und verwies erneut auf das Vertrauen in die Untersuchung der Wada.

Bereits seit Anfang des Jahres gibt es eine Kommission unter der Führung des früheren Wada-Präsidenten Richard Pound. Sie war Anfang des Jahres gebildet worden, um die ebenfalls in einer ARD-Doku erhobenen Vorwürfe eines systematischen Dopings in Russland zu untersuchen. "Ich hatte gehofft, den Bericht im September fertig zu haben. Nun sieht es so aus, als wenn es noch etwas länger dauert", sagte Pound.

In der neuen ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping, im Schattenreich der Leichtathletik" werden unter anderem erneute Doping-Vorwürfe gegen Russland sowie gegen Kenia erhoben. Zudem werteten Experten eine Datenbank des Weltverbandes IAAF mit 12.000 Blutwerten aus und kamen dabei zu dem Schluss, dass es bei einem Siebtel der Proben Hinweise auf Dopingvergehen gebe. Ein Drittel aller Medaillen, die zwischen 2001 und 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften im Ausdauerbereich vergeben wurden, wurden demnach von Sportlern mit verdächtigen Testergebnissen gewonnen.

IAAF-Chef beklagt "gezielte Kampagne"

Der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, Lamine Diack, vermutete hinter dem Bericht eine Verschwörung: Der Senegalese nannte die Vorwürfe der ARD eine "gezielte Kampagne, um die Medaillen neu vergeben zu können". Im Rahmen des IOC-Kongresses in Kuala Lumpur sagte Diack: "Wir werden uns mit dem Problem auseinandersetzen. Das sind zunächst aber Vorwürfe und Behauptungen."

Der IAAF-Chef scheidet noch in diesem Monat aus seinem Amt aus. Um die Nachfolge bewerben sich die beiden ehemaligen Leichtathleten Sergej Bubka und Sebastian Coe.

Adam Pengilly, Mitglied der IOC-Athletenkommission, forderte den Leichtathletik-Weltverband auf, die Anschuldigungen aufzuklären. "Es sind ernstzunehmende Vorwürfe. Die IAAF war zu lange still."

cte/dpa/sid

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Seite 1
Lankoron 03.08.2015
1. Welche
Null-Toleranz-Politik? Startverbote, Sperren und Medaillenaberkennung wird doch schon getan. Und zu mehr ist er doch gar nicht befugt.
GerhardFeder 03.08.2015
2. Selten so gelacht
§ 263 Betrug (1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar. Ich frage mich, warum bei dem mit Steuergeldern und Beiträgen finanzierten Sport nicht längst auf diesen §§ bezug genommen wird. Mit Doping werden Wettbewerber un Vermögensvorteile gebracht, das Publikum zahlt für erschwindelte Leistungen. Auch bei AlCapone halfen am Ende nur die Steuergesetze, anders war ihm nicht beizukomen.
_unwissender 03.08.2015
3. Sie sind gut ...
Zitat von GerhardFeder§ 263 Betrug (1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar. Ich frage mich, warum bei dem mit Steuergeldern und Beiträgen finanzierten Sport nicht längst auf diesen §§ bezug genommen wird. Mit Doping werden Wettbewerber un Vermögensvorteile gebracht, das Publikum zahlt für erschwindelte Leistungen. Auch bei AlCapone halfen am Ende nur die Steuergesetze, anders war ihm nicht beizukomen.
Wenn man sich die Geschichte des deutschen Sports und ihrer politischen Förderung anschaut, dann kommt als erstes der Name Neckermann, der die Deutsche Sporthilfe ins Leben rief. Schirmherr ist der oberste Deutsche (=Bundespräsident). Und wozu das Ganze? Weil die Politik von SPD und FDP geeinsam mit der Opposition möglichst viele Medaillen für (West-)Deutschland wollte. Da war (und seit wann ist nicht mehr?) JEDES Mittel recht. Ausgerechnet Herr Bach, der damals schon dabei war, soll reellen Sport wollen, ohne Bevorzugung der Deutschen? Da lachen ja die Hühner ...
DDR20 03.08.2015
4. Hört, hört
Also der Bach, der von den Sportlern bessere Ergbenisse fordert und klar macht, dass die letzten Leistungen nicht dem entsprechen, was man erwartet will Doping bekämpfenß nachdem er die Sportler quasi zum Dopen aufruft? Lächerlich. Es ist doch bekannt, dass Topleistungen nur und ausschliesslich mit Doping erbracht werden. Wer glaubt, dass wirklich gegen Doping vorgegangen wird, glaubt auch, dass es in der deutschen Politik keine Korruption gibt. Die Indivisualsportarten sind alle ausnahmlos von gedopten Sportlern betrieben.
bodoso 03.08.2015
5.
Das IOC als moralische Instanz-ich lach mich weg.Ein mittelschwerer Briefumschlag,ein oder zwei Milliönchen,und alles ist vergessen.
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