Doping im Radsport "Basso will noch viel sagen"

Schlechte Nachricht für gedopte Radprofis: Die italienischen Ermittler im Fall Basso gehen davon aus, dass der geständige Sportler noch einiges erzählen wird. Zudem gerät ein ehemaliger Arzt Bassos ins Visier der Fahnder. Der Giro d'Italia rückt derweil in den Hintergrund.


Hamburg - Die Antidoping-Kommission des Nationalen Olympischen Komitee Italiens (Coni) erwartet von Ivan Basso noch weitreichende Aussagen bei der Aufklärung der Dopingaffäre um Eufemiano Fuentes. "Er wirkt auf mich wie jemand, der noch viel machen und sagen will", erklärte der Chef der Coni-Antidopingkommission, Ettore Torri.

Radprofi Basso: Die Ermittler hängen an seinen Lippen
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Radprofi Basso: Die Ermittler hängen an seinen Lippen

Im einem dreistündigen Gespräch hatte der Giro d'Italia-Sieger von 2006 gestern Torri erneut Rede und Antwort gestanden. "Wir wollten einige seiner Aussagen klären, die im Widerspruch zu den Ermittlungsergebnissen der Operation Puerto standen", sagte Torri.

Der Staatsanwalt will nun den italienischen Arzt Luigi Cecchini vernehmen. Dieser soll Basso mit dem Arzt Eufemiano Fuentes, Drahtzieher in der spanischen Doping-Affäre, in Verbindung gebracht haben, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica". Torri will in den nächsten Tagen erneut auch Radsportmanager Alessandro Kalc befragen, der als Fuentes-Vertrauensmann in Italien gilt und den italienischen Radprofis die von Fuentes empfohlenen verbotenen Substanzen besorgt haben soll.

Gestern hatte die Staatsanwaltschaft der lombardischen Heimatstadt Bassos, Busto Arsizio, Ermittlungen gegen den Profi wegen Verstoßes gegen das Antidoping-Gesetz in die Wege geleitet. Auch in Bergamo läuft eine Untersuchung gegen Basso und seine Schwester wegen Handels mit verbotenen Substanzen in Fitnesszentren.

Sowohl Basso als auch Scarponi hatten zugegeben, dass sich in einigen der im Dopinglabor von Fuentes in Madrid beschlagnahmten Blutbeuteln ihr Blut befunden habe. Basso bestritt jedoch Blutdoping durchgeführt zu haben. Er habe es lediglich für die Tour de France 2006 vorbereitet. Unterdessen ist Ex-Weltmeister und Zeitfahr-Spezialist Sergej Gontschar wegen auffälliger Blutwerte vom T-Mobile-Team mit einer 30-tägigen Rennpause belegt worden. Diese Entscheidung traf das Team-Management basierend auf Blut-Tests, die entsprechend des neuen internen Kontrollsystems von unabhängigen Medizinern unangekündigt bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und während der Tour de Romandie im Auftrag des T-Mobile-Team vorgenommen worden waren. Wie das T-Mobile-Team heute mitteilte, bewegten sich die Daten innerhalb der zulässigen, vom Radsport-Weltverband UCI festgelegten, Grenzwerte und bedeuten daher kein Dopingvergehen.

Überschattet von der Doping-Affäre startet morgen der Giro d'Italia zu seiner 90. Auflage. Nach dem Ausschluss des Vorjahressiegers sucht die Italien-Rundfahrt neue Helden und ein saubereres Image. Im Feld der 22 Mannschaften mit 195 Fahrern, unter denen sich auch neun Deutsche befinden, kommen die Favoriten dabei allesamt aus Italien und wollen bei ihrem "Heimspiel" ausschließlich für positive Schlagzeilen sorgen. Keiner der im spanischen Doping-Skandal verdächtigten 58 Profis wird beim Start auf der Mittelmeerinsel Sardinien dabei sein. Von den Top-10 des vergangenen Jahres nehmen nur noch fünf diesmal das Rennen auf.

fpf/sid/dpa

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