Doping im Radsport Ex-Teamchef belastet Leipheimer

Der frühere Chef des Radsportteams Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, erhebt schwere Vorwürfe gegen den US-Radprofi Levi Leipheimer. Der Ex-Kapitän des Rennstalls habe bei der Tour de France 2005 manipuliert. Bisher hat Leipheimer Dopingvorwürfe bestritten.

Radprofi Leipheimer (l.) mit seinem Kapitän Armstrong: Dopingvorwurf vom Ex-Teamchef
AFP

Radprofi Leipheimer (l.) mit seinem Kapitän Armstrong: Dopingvorwurf vom Ex-Teamchef


Hamburg - Knapp zwei Jahre nach dem Ende des Radteams Gerolsteiner hat der ehemalige sportliche Leiter, Hans-Michael Holczer, seinen früheren Teamkapitän Levi Leipheimer des Dopings beschuldigt. Der US-Amerikaner fiel bei der Tour de France 2005 mit auffälligen Blutwerten auf, so dass der Weltverband UCI Holczer dazu drängen wollte, Leipheimer aus dem Rennen zu nehmen. "Die Blutwerte von Leipheimer hatten eine hohe Manipulationswahrscheinlichkeit ergeben", schreibt Holczer in seinem Buch "Garantiert positiv", das am Mittwoch in Stuttgart vorgestellt wurde. "Für mich war klar: Leipheimer hatte manipuliert." Die Tour beendete der Rundfahrt-Spezialist dennoch auf Platz sechs.

Die Blutwerte Leipheimers hatten einen Koeffizienten von 132,8 ergeben. Damit lag der Amerikaner allerdings 0,2 Punkte unter dem UCI-Grenzwert. "Da stand eine moralische Verpflichtung einer juristischen Bedrohung gegenüber", sagte Holczer. Bei normalen Menschen liege dieser Koeffizient zwischen 70 und 100.

Nach einer Unterredung mit UCI-Mediziner Mario Zorzoli war klar, dass der Weltverband Holczer nicht schriftlich auffordern würde, den Amerikaner aus dem Rennen zu nehmen. Leipheimer, der durch das Dopinggeständnis von Floyd Landis im Mai ebenso wie Lance Armstrong belastet worden war, fuhr weiter. "Heute stufe ich den Vorfall als glatte Beihilfe zur Manipulationsverschleierung ein", sagte Holczer.

Holczer fürchtete damals auch seinen persönlichen Bankrott. Der Vertrag mit Gerolsteiner sicherte ihm einen "Freischuss" zu, bei einem zweiten Dopingfall würde das Engagement sofort beendet werden. "Den Freischuss hatten wir gleich nach drei Monaten mit Danilo Hondo. Seitdem saßen wir auf einem wirtschaftlichen Pulverfass", schrieb Holczer. Also entschied er sich zu schweigen. "Ich wäre mit Hab und Gut pleitegegangen", sagte er.

Leipheimer selbst hat Dopingvorwürfe stets bestritten. Der Amerikaner ist mittlerweile wieder Teamgefährte des siebenfachen Toursiegers Lance Armstrong im Rennstall RadioShack. Armstrong droht in den USA ein Betrugsverfahren aufgrund der Dopingvorwürfe gegen ihn.

Sein Buch sei keine Abrechnung, sagte Holczer, und es sei auch nicht darum gegangen, Dinge zu enthüllen und Leute an den Pranger zu stellen. "Manches steht nur zwischen den Zeilen, weil das Buch ausgiebig von Juristen geprüft wurde", sagte der 56-Jährige. Momentan versucht eine Agentur, Holczer wieder einen Job im Radsport zu verschaffen. Am 13. September wird Holczer allerdings zunächst wieder in seinen alten Lehrerberuf zurückkehren.

aha/sid



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saul7 04.08.2010
1. ++
Zitat von sysopDer frühere Chef des Radsport-Teams Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, erhebt schwere Vorwürfe gegen den US-Radprofi Levi Leipheimer. Der Ex-Kapitän des Rennstalls habe bei der Tour de France 2005 manipuliert. Bisher hat Leipheimer Dopingvorwürfe bestritten. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,710135,00.html
Ich glaube niemandem , der behauptet, bei der Tour nicht wenigstens einmal gedopt gewesen zu sein....
exilostfriese 04.08.2010
2. ...
Was soll man erwarten von jemandem, der zurück will in den Radsport? Einen Rundumschlag wird er kaum machen. Also bleibt es beim alten Lied: Schweigen. Das mit Leipheimer ist wohl nur zu PR-Zwecken ein Anreiz damit das Buch gekauft wird. Der Laden gehört aufgeräumt. Kein Geld mehr für den Radsport, dann kann sich keiner mehr Doping leisten.
Jole21 05.08.2010
3. jaja
Zitat von exilostfrieseWas soll man erwarten von jemandem, der zurück will in den Radsport? Einen Rundumschlag wird er kaum machen. Also bleibt es beim alten Lied: Schweigen. Das mit Leipheimer ist wohl nur zu PR-Zwecken ein Anreiz damit das Buch gekauft wird. Der Laden gehört aufgeräumt. Kein Geld mehr für den Radsport, dann kann sich keiner mehr Doping leisten.
kein Geld mehr für den Fussball, wie war das mit A. Robben, der eine "agressive" Behandlung vom Holland-Wunderheiler-Doc erhalten hatte ?
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