Doping im Radsport Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Freiburger Doping-Ärzte ein

Jan Ullrich, Erik Zabel, Rolf Aldag: Sie alle fuhren für den Telekom-Radrennstall, haben Doping gestanden oder wurden überführt. Nun sind nach SPIEGEL-Informationen die Ermittlungen gegen die damaligen Team-Ärzte eingestellt worden.
Mediziner Schmid (l.), Heinrich (Archiv): "Fortbestehender allgemeiner Verdacht"

Mediziner Schmid (l.), Heinrich (Archiv): "Fortbestehender allgemeiner Verdacht"

Foto: dapd

Hamburg - Die Freiburger Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die Sportmediziner Lothar Heinrich, 46, und Andreas Schmid, 50, eingestellt. Gegen die beiden früheren Mannschaftsärzte des Redrennstalls Team Telekom und des späteren Team T-Mobile war mehr als fünf Jahre ermittelt worden. Beide Doktoren waren beschuldigt worden, Telekom-Radprofis unter anderem mit Epo und Wachstumshormon versorgt und illegale Manipulationen der Sportler mit Eigenblut vorgenommen zu haben.

In einer 21 Seiten umfassenden Verfügung vom 17. Juli begründet Oberstaatsanwalt Christoph Frank die Einstellung des Verfahrens damit, dass sich kein "hinreichender Verdacht konkreter Verstöße gegen Strafbestimmungen" ergeben habe. Teilweise seien die Vorwürfe verjährt. Auch hätten die Radprofis ihre Zustimmung zum Doping gegeben und seien nicht geschädigt worden. Teilweise hätten genaue Tatzeiten und Tatorte nicht ermittelt werden können.

Frank sieht einen "fortbestehenden allgemeinen Verdacht", dass die Mediziner gedopt hätten und die Sportler Jan Ullrich, Steffen Wesemann, Rolf Aldag, Erik Zabel, Udo Bölts und Jens Heppner mit Epo-Kuren versorgt worden seien. "Nachweisbar" seien zudem die Fahrer Andreas Klöden, Matthias Kessler und Patrik Sinkewitz im Juli 2006 mit Eigenblut gedopt worden.

Transfusionsmediziner kritisiert Eigenblutbehandlung bei Sinkewitz

Auch Gutachter bestätigten den Dopingverdacht. So untersuchte der Hamburger Sportmediziner Klaus-Michael Braumann die beschlagnahmten Laborwerte der Uni-Klinik Freiburg, wo Schmid und Heinrich bis zu ihrer Kündigung im Mai 2007 gearbeitet hatten. Das Ergebnis: "Aus den Daten geht ziemlich eindeutig hervor, dass bei vielen untersuchten Personen zumindest zeitweilig Manipulationen des Blutes durchgeführt worden sein dürften."

Der Erlangener Transfusionsmediziner Reinhold Eckstein kritisierte vor allem eine Eigenblutbehandlung bei Sinkewitz, bei der es zu Blutverklumpungen gekommen war. Oberstaatsanwalt Frank schreibt dazu: "Lediglich glücklichen Umständen sei es zu verdanken gewesen, dass Sinkewitz keine gesundheitliche Schädigung erlitten habe."

In einem gesonderten Verfahren wegen der Versorgung des Radprofis Christian Werner mit Dopingsubstanzen erhielt Schmid einen Strafbefehl über 90 Tagessätze.

Ausgelöst worden waren die Ermittlungen durch eine Strafanzeige nach Veröffentlichung der Titelgeschichte "Dickes Blut" (SPIEGEL 18/2007 ), die systematisches Doping beim Team Telekom beschrieben hatte.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.