Doping im Radsport Riis fährt nicht zur Tour, ARD und ZDF überlegen Ausstieg

Ex-Radprofi Jörg Jaksche hatte ihm vorgeworfen, als Teamleiter von CSC Doping geduldet zu haben - jetzt zieht Bjarne Riis die Konsequenz. Auch Milram fährt ohne den Chef. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender drohen mit Abbruch der Übertragungen.


Hamburg - Riis bleibt nach Jaksches Doping-Vorwürfen der Tour de France fern. Sein CSC-Team teilte heute mit, dass sich Riis während der Frankreich-Rundfahrt "ausschließlich um Sponsoren kümmern" will. Der 43-Jährige war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, als der frühere deutsche CSC-Fahrer Jörg Jaksche im SPIEGEL gesagt hatte, Riis habe als Teamchef Doping gedeckt.

CSC-Boss Riis: Unerwünschte Person
REUTERS

CSC-Boss Riis: Unerwünschte Person

Zuvor hatte Riis bereits eingestanden, bei seinem Toursieg 1996 gedopt zu haben. Der Tourveranstalter Aso hatte Riis daraufhin zur unerwünschten Person erklärt. "Es ist eine schwierige Entscheidung gewesen, aber es war hundertprozentig meine und keine auf Druck von irgendeiner Seite. Von den Anschuldigungen fühle ich mich nicht betroffen. Es geht mir nur darum, Schaden von meinem Tour-Team fernzuhalten", erklärte Riis.

Auch Milram-Teamchef Stanga wird die Tour 2007 nicht begleiten. Dies bestätigte heute Team-Manager Gerry van Gerwen. Die Entscheidung fiel nach einem Krisengespräch in Amsterdam, an dem auch Stanga teilgenommen hatte. Stanga, der die ProTour-Lizenz des Teams hält, war wie Riis von Jaksche mit schweren Dopingvorwürfen belastet worden.

ARD-Chefredakteur Thomas Baumann sagte dem "Hamburger Abendblatt" heute, die Fernsehübertragungen von der Tour könnten abgebrochen werden, wenn das Thema Doping dazu Anlass geben sollte. "Wenn das Thema Doping noch mal hochkommt, werden wir uns kurzfristig mit dem ZDF zusammensetzen und über einen sofortigen Ausstieg aus der Berichterstattung nachdenken", sagte Baumann.

Nach derzeitigem Stand planen ARD und ZDF rund 90 Stunden Direktübertragung von der 94. Tour de France, die am Samstag in London beginnt und am 29. Juli auf den Champs-Elysées in Paris endet. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender rechnet bei den Bemühungen zur Verhinderung neuer Dopingfälle mit der Unterstützung der Veranstalter. Diese wollen die Zahl der unangekündigten Kontrollen von vierzig im vergangenen Jahr auf 140 in diesem Jahr erhöhen. "Die Franzosen sind auf unserer Seite. Wenn die Deutschen aussteigen, hätten sie bei der Tour ein wirtschaftliches Problem", sagte Brender.

Zwei Tage vor dem Start hat Mitfavorit Alejandro Valverde die Ehrenerklärung des Rad-Weltverbandes UCI unterschrieben. Der Spanier wird verdächtigt, Kunde des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes zu sein. Bei Fuentes fand sich mindestens ein mit Epo versetzter Blutbeutel, der unter dem Namen von Valverdes Hund gelagert wurde. Auch die Beutel von Ivan Basso und Jörg Jaksche waren mit Namen ihrer Hunde versehen.

Neben Valverde unterschrieben auch seine Radprofi-Kollegen vom spanischen Team Caisse d'Epargne und erfüllten damit das vom Veranstalter geforderte Kriterium für den Start in London. Im Fall eines Dopingvergehens sollen die Profis zusätzlich zu den sportrechtlichen Sanktionen ein Jahresgehalt als Strafe zahlen.

Valverde sagte der spanischen Sportzeitung "Marca": "Es gibt keinen Grund, nicht zu fahren. In dieser Hinsicht kann ich beruhigt sein. Vielleicht wäre ein Tour-Sieg kontraproduktiv, aber das ist mir egal, ich werde um das bestmögliche Resultat kämpfen. Niemand soll daran zweifeln: Wenn ich die Möglichkeit habe, die Tour zu gewinnen, dann werde ich es machen."

Auch der Großteil der niederländischen Rabobank-Mannschaft, deren Profis sich gesträubt haben sollen, hat das rechtlich nicht relevante Dokument unterzeichnet. Allerdings fehlt die Unterschrift des Dänen Mikael Rasmussen, der in den vergangenen beiden Jahren das Bergtrikot der Tour gewonnen hatte. Von der dänischen CSC-Mannschaft und dem belgischen Quick-Step-Team hatte bis heute Vormittag noch kein Fahrer unterschrieben.

Die CSC-Fahrer wollen die Ehrenerklärung erst unmittelbar vor dem Start unterzeichnen. "Das ist ja nicht so einfach, als würde man eine Waschmaschine kaufen. Wir werden uns in London zusammensetzen, und dann kann man davon ausgehen, dass alle unterschreiben", sagte CSC-Profi Jens Voigt auf "Sport1".

Das von Kapitän Erik Zabel angeführte Milram-Team wurde bereits bei der Ankunft in London auf Doping kontrolliert. Im Hotel standen schon nach wenigen Minuten britische Kontrolleure vor der Tür.

all/ap/sid/dpa



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nanouc 27.05.2007
1. leistungssport
Ich hatte das schon mal in einem anderen thread thematisiert. Leistungssport ist dem rock n' roll näher als der ohrenbeichte. Den sauberen ehrlichen sport gibt es nicht. Siehe Mühlegg, Baumann, Ulrich usw usf. Die liste ist endlos. Warum also einer heeren idee nachhängen. Beim popstar regt sich doch kaum noch einer auf, wenn er mal mit koks , h, amphys oder eine minderjährigen erwischt wird. Warum soll der leistungssport anders sein? Also sollte jeder, der leistungssport betreibt mit dem generalverdacht des dopings leben. Dann kann es auch nicht zu solchen szenen wie bei Aldag und Ete kommen. Keine sportförderung durch den staat und wir sparen noch eine menge geld für die ausrichtung von olympia, wm und sonstigen großereignissen. Soll doch dann ein sponsor über pay tv die unterhaltung zahlen. Wie übrigens jetzt schon bei der championsleague.
Stefanie Bach, 27.05.2007
2. Wettbewerb
Zitat von nanoucIch hatte das schon mal in einem anderen thread thematisiert. Leistungssport ist dem rock n' roll näher als der ohrenbeichte. Den sauberen ehrlichen sport gibt es nicht. Siehe Mühlegg, Baumann, Ulrich usw usf. Die liste ist endlos. Warum also einer heeren idee nachhängen. Beim popstar regt sich doch kaum noch einer auf, wenn er mal mit koks , h, amphys oder eine minderjährigen erwischt wird. Warum soll der leistungssport anders sein? Also sollte jeder, der leistungssport betreibt mit dem generalverdacht des dopings leben. Dann kann es auch nicht zu solchen szenen wie bei Aldag und Ete kommen. Keine sportförderung durch den staat und wir sparen noch eine menge geld für die ausrichtung von olympia, wm und sonstigen großereignissen. Soll doch dann ein sponsor über pay tv die unterhaltung zahlen. Wie übrigens jetzt schon bei der championsleague.
Wir diskutieren hier doch nur Symptome einer kulturellen Frage: Sind wir in der Lage, geregelten Wettbewerb zu organisieren und zu praktizieren? Der geregelte Wettbewerb wird durch Doping und Dumping bedroht. Beides sind Angriffe auf die Bedingungen eines geregelten, gerechten Wettbewerbs. Vielleicht hat Ulrich gedopt, wir wissen es nicht, was wir wissen ist, dass die SPD-Fraktion Mitarbeiter zu Dumping-Löhnen beschäftigt, hierher gehört der Schwerpunkt der Aufregeung. Widerspruch! Wir müssen als Gesellschaft die Frage klären, ob wir bereit sind, den Bedingungen eines fairen, geregelten Wettbewerbs zu entsprechen. Der Sport ist nur ein (kleiner) Bereich. Ihn alleine aufzuräumen ist zu wenig. Politik und Wirtschaft gehören ins Zentrum. Stefanie Bach Magazin Deutsch (http://www.magazin.institut1.de/)
Seifert 27.05.2007
3. Doping-Sumpf
Würde Doping zum Offizialdelikt erklärt -also jede Form der Leistungssteigerung durch Manipulation unter Strafe gestellt-ginge zwar im internationalen Sport das Licht aus,es bestünde aber die Chance,dass der Sport insgesamt sauberer würde. Leider bleibt das wohl Utopie,wie ja wohl auch der Amateurstatus Großvaters Art schon längst zu Grabe getragen wurde und damit dem Doping massiven Ausmaßes international der Weg bereitet wurde. Ich befürchte,das keine Sportart(nicht mal Angeln oder "Taubensport")ohne Dope auskommt. Bliebe noch die Freigabe:aber soll man sie wirklich schlucken +spritzen lassen,was das Zeug hält? Schade,Tom Simpsom war ein frühes Zeichen,aber begreifen wollte es keiner!!
Iggy Rock, 27.05.2007
4.
Beides könnte dem Sport helfen, Amnestie und für diejenigen die da nicht mitmachen bzw. für diejenigen die es weiter betreiben härteste Strafen. Mit der Amnestie könnte man erst einmal für die Aufklärung sorgen und mit harten Strafen, jegliches Doping auf Dauer unterbinden. Die jetzigen Sperrungen oder Geldstrafen sind viel zu lasch. Wie wäre es wenn jeder teilnehmende Sportler vor einem Wettkampf einen Vertrag unterschreiben muss der beinhaltet das ihm, bei nachgewiesenem Doping, nicht nur eine 5-10 jährige Sperre droht, sondern er 80-90% seiner finanziellen Einnahmen (vor allem die durch Werbeverträge), aufgrund möglicher Erfolge unter Dopingeinfluss, der Antidopingforschung und evtl. noch humanitärer Hilfe zur verfügung stellen muss? Das würde richtig wehtun und schnellstens zum umdenken führen. Ebenso müsste man Anreize schaffen das Beteiligte schneller und auch überzeugter auspacken, wenn sie etwas wissen. Das man erst nach einer Karriere als Betreuer im Sport plötzlich auf die Idee kommt mal Klartext zu reden und es der öffentlichkeit mitzuteilen ist zu spät.
Pinarello, 27.05.2007
5. Wenn schon, dann aber alle aufzählen!
Zitat von sysopSchwimmen, Wintersport, Leichathletik: Das Thema Doping könnte nach dem Ruf des Radsports auch andere Sportarten ramponieren. Wie kann man den Doping-Sumpf austrocknen? Helfen härtere Strafen oder Amnestie?
Sie bauchen das Thema Doping gar nicht auf den Sport zu begrenzen sondern gleich auf die ganze Gesellschaft beziehen. Also, Nikotin, Kokain, Alkohol, Amphetamine, Ecstasy und "Angstnehmer" schon bei den Schulkindern, der Sport ist nur Teil eines Problemes, das die gesamte Gesellschaft betrifft, was aber automatisch das ERgebnis ist, wenn nur Leistung zählt und per Konkurrenzkampf gnadenlos ausgesiebt wird, siehe Bayern mit seinen Schülern, aber der 4. Klasse, also etwa 10 Lebensjahren wird bereits das gesamte spätere Leben geregelt, wer später mal oben ist oder unten den Bodensatz bildet. Bevor wir hier über Berufssportler urteilen, die wissen ja schließlich was sie machen, fangen wir doch erstmal bei den Kindern im Schulalter an, denn die wissen nicht was mit ihnen gemacht wird.
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