Doping-Vorwürfe Schlammschlacht unter Radsportlern

Radprofi Voigt: "Ich gehörte nie dazu"
Foto: JOEL SAGET/ AFPHamburg - Im Team CSC wurde systematisch gedopt, und der deutsche Profi Jens Voigt muss davon gewusst haben. Mit diesen Behauptungen hat Tyler Hamilton eine Schlammschlacht in der Radsport-Szene ausgelöst. Ehemalige und noch aktive Fahrer beschuldigen sich gegenseitig und sprechen von Lüge.
"Das macht mich richtig sauer, weil es einfach nicht stimmt. Wenn Tyler sagt, dass wir alle unerlaubt Kortison benutzt haben, lügt er, weil ich sauber gefahren bin", sagte der frühere dänische Radprofi Jakob Piil am Dienstag und sorgte damit für den bis dato letzten Akt im von Hamilton ausgelösten Streit.
Der US-Amerikaner, der 2011 jahrelanges Doping zugegeben hatte, hatte am Montag in der dänischen Tageszeitung "B.T." behauptet, die dänische CSC-Mannschaft, unter anderem mit ihm und Piil, habe bei der Tour de France 2002 und 2003 systematisch mit Kortison gedopt. Zudem hatte er sowohl den ehemaligen CSC-Teamchef Bjarne Riis ("Er wusste Bescheid, wenn ich gedopt wurde. Er wusste alles.") als auch Voigt belastet.
Hamilton und Jaksche glauben nicht an Voigts Unwissenheit
Über diesen hatte Hamilton gesagt: "Du musst von Blinden umgeben sein, wenn du in deiner 15-jährigen Karriere nie etwas gehört oder gesehen haben willst. Voigt ist jemand, der gerne redet. Er kennt jeden im Feld, und da wurde über Doping geredet." Voigt war zudem bis November 2007 Sprecher des Verbands der Radprofis.
Voigt hat bislang immer bestritten, selbst gedopt oder von Dopingpraktiken gewusst zu haben. Hamilton zweifelt nicht nur die vermeintliche Unwissenheit des heute 41-Jährigen an, sondern glaubt, dass Voigt definitiv auch selbst gedopt habe. Allerdings räumte Hamilton ein, er habe "keine spezielle Kenntnis davon".
Unterstützung bekommt der US-Amerikaner von Jörg Jaksche, der ebenfalls nicht an die stets bekundete Doping-Unwissenheit von Voigt glaubt: "Wer bei CSC nicht mitbekommen hat, dass andere Fahrer - inklusive mir - gedopt haben, dem kann ich nicht glauben", sagte Jaksche der "Süddeutschen Zeitung". Die beiden deutschen Profis fuhren 2004 gemeinsam unter dem von vielen Seiten mit Dopingvorwürfen belasteten Teamchef Riis für das CSC-Team, bei dem Hamilton 2002 und 2003 unter Vertrag stand.
"Wenn Hamilton von quasi alltäglichen Gesprächen unter Fahrern über Doping berichtet, muss es in den Teams wohl innere Zirkel gegeben haben, in denen das besprochen wurde. Ich gehörte nie dazu", erklärte Voigt und betonte, dass er schließlich "nie zusammen mit Hamilton" in einem Team gefahren sei. Zu Jaksches Anschuldigungen sagte er: "Diese Reaktion war klar. Die leben in ihrer Parallelwelt und können es einfach nicht glauben, dass auch welche sauber waren."
Hamilton gilt als einer der wichtigsten Zeugen im Fall Lance Armstrong, mit dem er beim Team US Postal zusammen gefahren war. Der 41-Jährige hatte in Gesprächen mit der US-Anti-Doping-Agentur Usada viele Details über das System Armstrong und die Dopingpraktiken des US-Amerikaners verraten. Auf der Grundlage des Usada-Berichts wurden Armstrong vom Radsport-Weltverband UCI alle sieben Tour-de-France-Titel aberkannt.