Doping im Radsport Zwei weitere Festnahmen in Belgien

Zwei Tage nach der Großrazzia der belgischen Polizei sind heute zwei weitere Personen aus dem Umfeld des Radsports von Drogenfahndern in Haft genommen worden. Der frühere Radstar Frank Vandenbroucke wurde unterdessen schwer von seiner Ehefrau beschuldigt.


Kortrijk - Die Festnahmen erfolgten nach Informationen der belgischen Nachrichtenagentur Belga nach Hausdurchsuchungen. Um wen es sich handelt, wurde erneut nicht mitgeteilt. Damit sitzen nun schon vier Verdächtige hinter Gittern. Am Mittwoch waren insgesamt 13 Personen vorübergehend festgenommen und verhört worden. Entgegen ersten Gerüchten waren Fahrer des belgischen Elite-Rennstalls Quick Step nicht dabei. Allerdings wurde ein Pfleger des Teams verhört, bei dem es sich nach Angaben der Tageszeitung "Het Laatste Nieuws" um Johann Molly handelt. Der Teambetreuer von Weltmeister Tom Boonen und Olympiasieger Paolo Bettini befindet sich inzwischen jedoch wieder auf freiem Fuß.

Radprofi Vandenbroucke: "Zuflucht zu Amphetaminen und Kokain"
DPA

Radprofi Vandenbroucke: "Zuflucht zu Amphetaminen und Kokain"

Bei der Razzia am Donnerstagmorgen waren zehn Privatwohnungen durchsucht worden. Dabei hatten die Beamten eine bedeutende Menge von Dopingmitteln sichergestellt. Die Namen der Fahrer und der betroffenen Teams sowie die Art der gefundenen verbotenen Substanzen wurden vom Staatsanwalt im belgischen Kortrijk nicht genannt.

Der nach seinem Selbstmordversuch gerettete Vandenbrouckeist von seiner Ehefrau schwer beschuldigt worden. Die Italienerin wehrt sich dagegen, dass die Trennung die Ursache für den versuchten Selbstmord gewesen sei. In einem Interview mit der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" berichtete Sarah Pinacchi, der Radprofi habe regelmäßig Drogen genommen und sie und die gemeinsame Tochter Margaux geschlagen.

"Ich kann nicht dulden, dass Frank jetzt als Opfer dargestellt wird. Ich und meine Tochter sind die Opfer. Ich habe sieben Jahre die Hölle erlebt", sagte Pinacchi. "Es gab es Zeiten, in denen er systematisch Zuflucht zu Amphetaminen und Kokain suchte. Er nahm starke Schlafmittel und hatte Halluzinationen. " 2002 habe Vandenbroucke eine Therapie bei einem Psychologen in Belgien begonnen, die jedoch zu keinen Resultaten führte. Stattdessen habe er in diesen Jahren all das Geld ausgeben, das er in seiner Karriere verdient habe.

Hinweise auf einen Realitätsverlust gab es heute, als der immer noch in einem Mailänder Krankenhaus befindliche Vandenbroucke seinen Selbstmordversuch gegenüber belgischen Journalisten dementierte. Dagegen erklärte Lorenzo Di Lorenzo, Sportdirektor von Vandenbrouckes Radteam Acqua e Sapone, dass sich der Profi mit einer Spritze Medikamente injiziert und die Pulsadern aufgeschnitten habe. Nur dank des rechtzeitigen Eingriffs eines Neffen von Teammanager Palmiro Masciarelli habe sein Leben gerettet werden können.

mac/sid



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