Doping-Interview D'hont rudert im Fall Ullrich zurück - und will nachlegen

Jef D'hont hat erneut für Wirbel gesorgt: In einem Radio-Interview relativierte er seine am Sonntag aufgestellte Behauptung, er habe Jan Ullrich persönlich ein Dopingmittel gespritzt. Dennoch will der ehemalige Masseur des Team Telekom demnächst weitere Details aufdecken.


Hamburg - Im öffentlich-niederländischen Radiosender NOS ruderte D'hont am Tag der Veröffentlichung seines Interviews in der "Bild am Sonntag" ein Stück zurück. "In Frankreich habe ich ihm einmal das Mittel gespritzt. Ich habe es ihm in den Arm gespritzt. Das dauert ungefähr zehn Sekunden, das ist so, als ob man einem zuckerkranken Patienten Insulin gibt", wurde D'hont im Interview mit der "Bild am Sonntag" zitiert.

Ex-Radprofi Ullrich: In drei Wochen neue Enthüllungen
DPA

Ex-Radprofi Ullrich: In drei Wochen neue Enthüllungen

In dem populären Radio-Sportprogramm "Langs de Lijn" erklärte der langjährige Masseur des Team Telekom am Pfingstsonntag dann plötzlich, dass er persönlich Ullrich nie eine Epo-Spritze gesetzt habe. Auf die Frage des Moderators, wer Ullrich denn nun gespritzt habe, gab D'hont keine eindeutige Antwort. In dem kurzen Radiointerview kündigte er allerdings an, in drei Wochen mehr zum Thema Jan Ullrich zu sagen.

D'hont, der mit seinem Buch das Ausmaß des Dopings im Spitzenradsport enthüllt und damit die Geständnisse der früheren Team-Telekom-Fahrer wie Erik Zabel und Rolf Aldag bewirkt hatte, forderte Ullrich erneut auf, die Wahrheit zu sagen: "Es wäre gut für ihn, wenn er auch reinen Tisch machen würde. Dann würde er sich freier fühlen."

Eine öffentliche Erklärung zum aktuellen Dopingskandal wird es von dem gebürtigen Rostocker nicht geben. "Wir haben zu der Sache nichts zu sagen", so Ullrichs Manager Wolfgang Strohband. "Sie werden von mir kein Dementi hören und eine Pressekonferenz ist auch nicht geplant", hatte Strohband gestern auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage gesagt. Eine Begründung für diese starre Haltung gab er nicht. Ullrich hat bislang stets bestritten, zu unerlaubten Mitteln gegriffen zu haben.

Dass Ullrich sich auch in der Deckung pudelwohl fühlt, teilte der gefallene Star mit flapsigen Sprüchen einem TV-Team des Senders N24 mit, das ihn am Samstag vor seinem Haus am Bodensee antraf. "Mir geht es hervorragend", sagte er in Mikrofon und Kamera: "Wenn Sie etwas wollen, dann klingeln Sie." Mit den Worten "Jetzt hätte ich gerne ein Autogramm von Ihnen" stieg er lächelnd ins Auto und fuhr davon.

mig/sid



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Seite 1
shokaku 24.05.2007
1.
Natürlich beides.
inci 24.05.2007
2.
Zitat von sysopRadsport-Beichten - sind Radfahrer Täter oder Opfer?
lieber sysop, sie sind teil eines systems, so wie sie und ich auch. lediglich die höhe des schmerzensgeldes dürfte in den individuellen fällen stark differieren. und, sind wir nicht alle ein bißchen dedopt.....?
Newspeak, 24.05.2007
3.
Beides. Opfer, weil sie in Kauf nehmen ihren Körper für ihren Sport massiv zu schädigen und weil das Vertrauensverhältnis zwischen Trainer, Arzt und Athlet häufig von ersteren missbraucht wird, ohne daß es dem einzelnen Sportler immer bewusst wäre. Andererseits ist es zu billig, den Sportler von jeder Schuld freizusprechen, ich denke, die allermeisten Sportler, die dopen, wissen ganz genau, was sie tun und haben auch ein gutes Gespür dafür, daß sie betrügen. Und dopen trotzdem. Insofern sollten sie auch die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen, sie verschaffen sich ja auch bei erfolgreichem Doping, d.h. durch Betrug, ansehnliche Summen durch Sponsorenverträge, Werbung etc., warum also sollten sie als Begünstigte bei einer Bestrafung leer ausgehen? Oder man ist konsequent und gibt jede Form von Doping frei, dann hat man halt einen Wettkampf, weniger um die Lesitungen des Sportlers, als um die beste Chemiefirma...wer das dann sehen möchte...
console 24.05.2007
4. Ich sehe sie eher als Opfer.
Da es bei der Tour kein Trikot für den ersten ungedopten Fahrer gibt, bleibt einem Leistungssportler über kurz oder lang nur der griff zu Unerlaubtem. Wenn man dies auch noch vom eigenen Teamarzt bekommt, um so leichter... Ganz nebenbei: Das Leistungsgefälle unter den Fahrern ist für mich schon immer sehr auffällig gewesen. Wenn eine Gruppe zeitgleich das Ziel erreicht, und auch nur einer aus dieser Gruppe gedopt ist, was ist dann mit den anderen?
Pinarello, 24.05.2007
5.
Zitat von sysopRadsport-Beichten - sind Radfahrer Täter oder Opfer?
Siehe Udo Bölts Geständnis: "Mit EPO angefangen zu dopen weil die Zukunft des Telekomengagment auf der Kippe stand, in den Anfangsjahren des Telekomteams ist man immer hinterher gefahren und mit EPO-Doping konnte man mit allen anderen mithalten". Stellt sich jetzt die Frage, erst Opfer und dann Täter oder umgekehrt. Zum damaligen Zeitpunkt, wir reden ja von Anfang bis Mitte der 90er Jahre, gab es für einen Profiradrennfahrer gar keine andere Möglichkeit, außer auf seinen Beruf Rennradfahrer gleich zu verzichten. Anzumerken bleibt auch, daß der Radsportverband UCI unter seinem Präsidenten Hein Verbruggen die Dopingsproblematik ebenfalls unter den Keller kehrte und nur nach solchen Substanzen wie Anabolika fahndete, weil man wußte daß die eh nicht mehr genommen werden.
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