Doping IOC nimmt Jones Olympia-Medaillen ab

Dreimal Gold, zweimal Bronze: Die ehemalige US-Sprinterin Marion Jones darf ihre fünf Olympia-Medaillen von den Olympischen Spielen in Sydney aufgrund ihrer Dopingvergehen nicht behalten. Wer das Edelmetall erbt, ist noch unklar.

Lausanne - Der Name der geständigen Doping-Sünderin Marion Jones (USA) ist endgültig aus den Olympia-Annalen gestrichen. Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erkannte der 32-jährigen Leichtathletin heute in Lausanne die drei Gold- (100 Meter, 200 Meter und 4x400 Meter) sowie zwei Bronzemedaillen (4x100 Meter und Weitsprung) von Sydney 2000 ab. Zudem strich sie die US-Amerikanerin auch als Weitsprung-Fünfte in Athen 2004 und folgte damit in allen Punkten der Empfehlung der Disziplinarkommission unter dem deutschen IOC-Vize Thomas Bach.

Vertagt wurde die Entscheidung über die Neuverteilung der Medaillen, die besonders im Fall des 100-Meter-Goldes eine brisante Angelegenheit ist. Die zweitplatzierte Griechin Ekaterini Thanou war 2004 in Athen nach ihrer Flucht vor Dopingkontrolleuren von den Spielen ausgeschlossen und später für zwei Jahre gesperrt worden. Die Exekutive will deshalb abwarten, ob noch andere Athletinnen in den Skandal um das Balco-Labor in den USA verwickelt sind.

Dessen ehemaliger Leiter Victor Conte wollte sich bereits heute mit dem Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, Dick Pound, treffen, um weitere Namen zu nennen. Die als wahrscheinlich geltende Disqualifikation der beiden US-Staffeln wurde aus juristischen Gründen verschoben. Sie kann erst erfolgen, wenn die betroffenen sechs anderen Staffelläuferinnen von der Disziplinarkommission angehört wurden oder zumindest die Gelegenheit dazu erhielten. Dies war aus Termingründen bisher noch nicht der Fall.

Jones hatte am 5. Oktober gestanden, von Anfang September 2000 bis Juli 2001 mit dem Dopingmittel THG gedopt zu haben. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF sperrte sie trotz ihres Rücktritts für zwei Jahre, strich alle seit September 2000 erzielten Ergebnisse und fordert Prämiengelder in Höhe von rund 700.000 Dollar zurück.

Jones hatte angegeben, THG von ihrem Trainer Trevor Graham erhalten zu haben. Die Substanz ist erst seit 2003 nachweisbar. Damals kam die US-Anti-Doping-Agentur Usada über Graham in den Besitz einer Probe in Form einer gebrauchten Spritze, womit der Stoff erstmals analysiert und identifiziert werden konnte.

Der in Austin/Texas lebenden Jones droht zudem wegen mehrmaligen Meineids vor US-Ermittlern zu ihrer Dopingvergangenheit eine Gefängnisstrafe oder zumindest eine weitere Geldstrafe. Am 11. Januar muss sie sich vor Gericht verantworten.

fpf/sid/dpa

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