ARD-Enthüllungen Leichtathletikverband weist Dopingvorwürfe zurück

"Sensationslüstern und verwirrend": Der Leichtathletikverband IAAF hat die Dopinganschuldigungen in einem ARD-Bericht scharf verurteilt. Die erwähnten Bluttests würden die Nutzung unlauterer Mittel nicht belegen, heißt es in einer Erklärung.
IAAF-Präsident Diack: Empörung über Dopinganschuldigungen

IAAF-Präsident Diack: Empörung über Dopinganschuldigungen

Foto: AP/dpa

Die Anschuldigungen sind enorm: Rund jede dritte Medaille der Olympischen Spiele seit 2001 in Ausdauerdisziplinen sei von einem Sportler gewonnen worden, der auffällige Blutwerte habe, fand die ARD zusammen mit der britischen "Sunday Times" heraus. Der Leichtathletikverband IAAF hat nun reagiert.

Die Untersuchung von 12.000 Bluttests aus der Datenbank des Weltverbands könne keine Einnahme von Doping-Mitteln beweisen, heißt es in einer Erklärung. "Die veröffentlichten Vorwürfe sind sensationslüstern und verwirrend", teilte der Weltverband mit: "Die Ergebnisse, auf die sich hier bezogen wird, sind keine positiven Tests."

Die IAAF verurteilt nach eigenen Angaben "in der stärksten Form die Verbreitung, Nutzung und Veröffentlichung privater und vertraulicher medizinischer Daten". Sie behalte sich auch das Recht vor, "alles Nötige dafür zu tun, um die Rechte der IAAF und ihrer Athleten zu schützen".

Die Daten, auf denen die Berichte beruhen, sollen demnach nicht aus "geheimen" Dokumenten stammen, die IAAF habe sie im Gegenteil im Rahmen einer detaillierten Analyse im Jahr 2011 veröffentlicht und wies damit den Vorwurf zurück, die verdächtigen Blutwerte bewusst ignoriert zu haben. Außerdem würden alle Proben aus der Zeit vor der Einführung des biologischen Blutpasses stammen, mit dem der Verband mittlerweile die Werte seiner Athleten überwacht.

Der IAAF operiere innerhalb des vorgegebenen Rahmens der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), und in diesem sei ein Verdacht allein noch kein Beweis für Doping, sondern in diesem Fall zielgerichtet für Trainingskontrollen genutzt worden. Es sei anschließend auch zum Ausschluss von sechs Athleten gekommen. Um welche es sich handelt, ist noch nicht bekannt.

Veröffentlichung sollte offenbar verhindert werden

ARD-Journalist Hajo Seppelt, Autor des Beitrags, hatte zuvor erklärt, dass man vor der Ausstrahlung des Films ein Schreiben der IAAF-Anwälte bekommen habe. "Wir sollten unterschreiben, dass wir bestimmte Informationen nicht öffentlich machen", sagte er dem Internetportal "Spox.com": "Wir haben monatelang versucht, Fernsehinterviews mit dem Präsidenten zu bekommen. Die sind nie zustande gekommen."

Die ARD hatte am Wochenende eine Dokumentation mit dem Namen "Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik" ausgestrahlt. Sie basiert auf der Auswertung der insgesamt 12.000 Bluttests von rund 5000 Läufern. Die Doping-Experten Robin Parisotto und Michael Ashenden aus Australien fanden bei 800 von ihnen abnormale Blutwerte, die für Doping sprechen.

Bei 146 dieser Athleten soll es sich um olympische Medaillengewinner und Weltmeister handeln, die von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften in den Lauf-Disziplinen von 800 Meter bis zum Marathon gestartet sind. Vor allem russische und kenianische Athleten sind schweren Anschuldigungen ausgesetzt, aber auch deutsche Sportler seien auf der Liste. Den Vorwurf, diese Werte geheim gehalten und nicht weiter verfolgt zu haben, nannte die IAAF "einfach falschen, enttäuschenden und desinformierenden Journalismus".

zaf/dpa/sid/rtr
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