Doping Russlands Sportminister bestreitet Manipulation von Daten

Der Chef der russischen Antidopingagentur sagte Anfang Oktober, Russland habe Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor manipuliert. Sportminister Pawel Kolobkow macht nun technische Probleme verantwortlich.

Heute ist Pawel Kolobkow russischer Sportminister. In den Achtzigerjahren gehörte er zu den besten Fechtern der Welt
Andrzej Grygiel/DPA

Heute ist Pawel Kolobkow russischer Sportminister. In den Achtzigerjahren gehörte er zu den besten Fechtern der Welt


Russlands Sportminister Pawel Kolobkow streitet ab, dass im Moskauer Doping-Kontrolllabor Daten manipuliert worden seien. "Unsere Experten sagen, dass nichts gelöscht worden ist. Die Manipulationen, von denen der Rusada-Chef Juri Ganus spricht, gab es nicht. Das ist unsere Position", sagte Kolobkow.

Der 50-Jährige macht "technische Probleme" für die aktuelle Untersuchungen verantwortlich. Bei einem Treffen von russischen IT-Experten und der Welt-Antidopingagentur Wada würden diese demnächst aufgeklärt.

Derzeit läuft ein Verfahren der Wada gegen die russische Antidopingagentur Rusada, die eine erneute Suspendierung und sogar einen Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Tokio 2020 zur Folge haben könnte. Die Wada bezweifelt die Echtheit der Daten aus dem Moskauer Labor, die Auskunft über das institutionalisierte Doping in Russland zwischen 2012 und 2015 geben sollen.

"Pläne für Olympia sind fertig"

Womöglich hat Russland noch Anfang dieses Jahres Daten manipuliert. Das sagte Rusada-Chef Ganus im Interview mit dem SPIEGEL vor vier Wochen. "Jemand hat versucht, im großen Ausmaß gezielt Informationen zu vertuschen", sagte Ganus. Eine weitere Person mit Kenntnis des Vorgangs bestätigte dem SPIEGEL, dass die Wada derzeit diesem Verdacht nachgehe.

Ungeachtet der möglichen Konsequenzen glaubt Kolobkow an ein russisches Olympiateam in Tokio mit rund 400 Sportlern. Man könne "gute Resultate erwarten, weil unsere Athleten sich in den vergangenen vier Jahren gut vorbereitet haben. Unsere Pläne für Olympia sind fertig", sagte er.

Die Wada hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass das Verfahren gegen die Rusada voraussichtlich bis zum Jahresende abgeschlossen werde. Ganus hatte zuletzt erklärt, er rechne mit einem Olympia-Ausschluss russischer Sportler sogar bis zu den Winterspielen 2022 in Peking.

mrk/sid



insgesamt 7 Beiträge
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peka4 07.11.2019
1. In der Tat...
Dem ist nichts hinzuzufügen Man könne "gute" Resultate erwarten, weil unsere Athleten sich in den vergangenen vier Jahren gut (gedopt) vorbereitet haben.
drengir 07.11.2019
2. Oft hilft es, den Gruppendruck zu erhöhen.
Bei internationalen Veranstaltungen kann man im Doping-Fall die Mannschaft von der weiteren Teilname ausschließen und bereits errungene Ergebnisse der Mannschaft in der Disziplien werden verworfen. Das ist zwar hart für die Nicht-Doper, aber so weiß jeder was auf dem Spiel steht beim Betrügen.
ClausB 07.11.2019
3. Na denn:
"...Pawel Kolobkow macht nun technische Probleme verantwortlich. " Wer`s glaubt. Ich jedenfalls glaube seit Jahren und auch aktuell nichts, was von offizieller russischer Seite in dieser Hinsicht ( Doping, gedopte russische Sportler und Sportlerinnen usw ) gesagt, geschrieben und behauptet wird. Da muss noch viel Wasser den Rhein runter fließen, bevor ich "denen" wieder über den Weg trauen werde.
Bundestrainer 07.11.2019
4. Staatlich organisiertes Doping
Russland hat nachweislich ein staatlich organisiertes und kontrolliertes Dopingsystem im Spitzensport etabliert - und verweigert bis heute Schuldanerkenntnis, Aufklärung und Bestrafung der Verantwortlichen. Deshalb ist die Sperre gerechtfertigt - obwohl diese leider auch die sauberen russischen Sportler trifft, die es sicher auch gibt.
nesmo 07.11.2019
5. Lügen, mehr Lügen, Russland,
denen ist nichts peinlich. Immer wieder der Lügen, des Täuschens und des Dopings überführt, immer wieder Schwüre alles nun anders zu machen und immer weitere immer plumpere Lügen. Eine harte Strafe ist fällig, sonst ändert sich dort nie etwas. Die russischen Sportler sollten sich selbst endlich wehren, sonst sind alle ihre Anstrengungen nichts wert.
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