Doping Schwere Vorwürfe gegen Ullrich

Wenige Tage vor Beginn der Tour de France sieht sich Jan Ullrich massiven Doping-Vorwürfen ausgesetzt. Eine spanische Zeitung berichtet von Ermittlungsunterlagen, die den Deutschen schwer belasten. Dieser bestreitet die Anschuldigungen.

Hamburg - "Die Lage ist ernst, denn die Vorwürfe sind sehr ernst", sagte T-Mobile-Teamsprecher Christian Frommert. Wie die Zeitung "El Pais" berichtet, haben die Fahnder im Zuge ihrer Ermittlungen im jüngsten Doping-Skandal bei Hausdurchsuchungen mit Codes versehene Blutkonserven entdeckt. Darunter soll auch ein mit "Jan" und dem Datum 26. Juni beschrifteter Beutel gewesen sein.

T-Mobile Profi Ullrich: In beschlagnahmten Unterlagen sollen mehrmals die Codes "Jan" und "Rudis Sohn" aufgetaucht sein

T-Mobile Profi Ullrich: In beschlagnahmten Unterlagen sollen mehrmals die Codes "Jan" und "Rudis Sohn" aufgetaucht sein

Foto: AFP


Ende Mai waren spanische Ermittler einem wahrscheinlich von Sportarzt Eufemiano Fuentes geleiteten Doping-Ring auf die Spur gekommen, der mindestens 58 Radprofis mit präparierten Blutkonserven und verbotenen Mitteln wie Epo, Wachstumshormonen und Anabolika versorgt haben soll. Ein spanischer Radiosender hatte berichtet, Ullrich hätte in Kontakt zu dem Mediziner gehabt, was der Deutsche damals entschieden bestritt.

"El Pais" berichtet heute nun, in den beschlagnahmten Unterlagen seien mehrmals die Codes "Jan" und "Hijo Rudicio" (Rudis Sohn) aufgetaucht. Letztere Bezeichnung weist nach Spekulationen der Zeitung auf Rudy Pevenage hin, den langjährigen persönlichen Betreuer Ullrichs und jetzigen sportlichen Leiter im T-Mobile-Rennstall.

"Ich habe nicht mit der Sache zu tun", sagte Ullrich auf der Internetseite seines Sponsors T-Mobile. "An den Vorwürfen ist absolut nichts dran", teilte Rudy Pevenage auf gleichem Wege mit.

Die Papiere sollen laut "El Pais" unter dem Stichwort "Jan" den Kauf von Dopingmitteln für 1900 Euro belegen. Die Beweismittel seien nicht bei Eufemiano Fuentes gefunden worden, dem im Mittelpunkt der Verdächtigungen stehenden Arzt, sondern bei Jose Luis Merino, dem Chef des Analyselabors. Der Klinikleiter war bei der Razzia wie Fuentes festgenommen und nur gegen Kaution von 120.000 Euro wieder freigelassen worden.

Zudem zitiert die Zeitung "Stimmen aus dem Peloton", denen zufolge der ebenfalls verdächtigte spanische T-Mobile-Profi Oscar Sevilla gesagt haben soll: "Wenn sie mich fangen, hängt auch Ullrich im Netz."

"Wir sehen uns seit Wochen mit Vermutungen konfrontiert", sagte Teamsprecher Frommert. "Nach der neuen Entwicklung versuchen wir mit allem Nachdruck an Fakten zu kommen, denn allein darauf können wir reagieren." Man werde es nicht an der sofortigen Konsequenz fehlen lassen, falls sich herausstellen sollte, dass ein Teammitglied "eine Erklärung abgegeben hat, die nicht der Wahrheit entspricht."

bri/sid/dpa

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