Doping-Skandal Balco-Boss Conte geht ins Gefängnis

In seinem Labor entwickelte er das Designersteroid THG und versorgte damit etliche Sportler. Jetzt muss Balco-Chef Victor Conte für vier Monate hinter Gitter. Der 54-Jährige entging einer härteren Strafe und einem öffentlichen Prozess durch einen geschickten juristischen Schachzug.


Balco-Chef Conte: "Gerechtes Abkommen"
AP

Balco-Chef Conte: "Gerechtes Abkommen"

San José - Conte verständigte sich mit der Staatsanwaltschaft auf eine viermonatige Gefängnisstrafe und einen Hausarrest gleicher Dauer. Zuvor hatte er offiziell gestanden, sich des Dopinghandels und der illegalen Geldwäsche schuldig gemacht zu haben. Durch die außergerichtliche Einigung vermeidet Conte einen öffentlichen Prozess, der für den September vorgesehen war. "Wir sind mit dem Abkommen zufrieden und denken, dass es gerecht ist", sagte einer von Contes Anwälten.

Drei Mitangeklagte streben ebenfalls eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft an. Conte hatte schon vor längerem in Interviews zugegeben, US-amerikanische Spitzensportler wie die Leichtathletik-Olympiasiegerin Marion Jones und den Baseball-Star Barry Bonds mit dem neuartigen Dopingmittel versorgt zu haben.

Jones und Bonds hatten stets ihre Unschuld beteuert. Die Leichtathletin hat Conte mittlerweile wegen übler Nachrede verklagt. Als erste Sportlerin in dem Skandal wurde Michelle Collins gesperrt, ohne dass sie positiv getestet worden war. Die US-Amerikanerin hatte 2003 den WM-Titel über 200 Meter in der Halle geholt.

Nach Ansicht des US-Sportgerichtshof AAA hatte die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) stichhaltig beweisen können, dass Collins Epo und die Designerdroge THG genommen habe, um ihre Leistung zu verbessern. Daraufhin erhielt sie eine achtjährige Sperre, die im Mai 2005 auf vier Jahre reduziert wurde.



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