Doping-Skandal DOSB will sauberes Olympia-Team 2008

Die Freiburger Klinik ist nicht mehr länger medizinisches Versorgungszentrum des deutschen Sports. Das hat der Deutsche Olympische Sportbund entschieden. Das medizinische Personal, das deutsche Sportler während Olympischer Spiele betreut, muss in Zukunft eine Erklärung abgeben.


Hamburg - Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird von allen Ärzten und Physiotherapeuten seines Teams für die Olympischen Spiele 2008 in Peking eine "strafbewehrte" Erklärung verlangen, nie in Dopingvorgänge verwickelt gewesen zu sein. Falschaussagen würden Geldstrafen und arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Damit reagierte der Dachverband umgehend auf das Doping-Geständis des Freiburger Olympiaarztes Georg Huber vom vergangenen Wochenende. Die Maßnahme wurde in enger Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium (BMI) eingeleitet.

DOSB-Präsident Thomas Bach: Null-Toleranz-Politk
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DOSB-Präsident Thomas Bach: Null-Toleranz-Politk

DOSB-Präsident Thomas Bach sagte: "Wir werden alles für ein sauberes Betreuerteam 2008 tun. In unserer Null-Toleranz-Politik gibt es kein Wackeln, erst recht nicht im Bereich Sportmedizin. Deshalb ist höchste Wachsamkeit schon in der Vorbereitung geboten." DOSB und BMI wiesen erneut darauf hin, dass Fachverbänden beim Verstoß gegen die Antidopingregeln der Entzug von öffentlichen Fördergeldern droht. Athleten, denen zwischen 2004 und 2008 ein Dopingvergehen nachgewiesen wird, werden nicht für Peking nominiert.

Der Freiburger Uniklinik wurde außerdem die Anerkennung als medizinisches Versorgungszentrum des deutschen Sports entzogen. Der DOSB wird die Untersuchungskommission der Universität Freiburg um Zusammenarbeit bitten. "Dabei geht es auch um die Frage der Mitverantwortung des Sports einschließlich der DOSB-Vorgänger NOK und DSB", sagte Bach. Die DOSB-Führung will mit den geständigen Radprofis der Teams Telekom und T-Mobile Kontakt aufnehmen und sie in den Antidopingkampf einbinden. Für die geständigen Freiburger Ärzte Huber, Lothar Heinrich und Andreas Schmid gibt es unterdessen keinen Weg zurück. "Unsere Haltung ist glasklar. Im DOSB ist kein Platz für Leute, die Athleten gedopt haben - unäbhängig von allen Verjährungsfristen", bekräftigte Bach.

Bereits kurz nach dem "Spiegel"-Bericht über Doping im damaligen Team Telekom hatten sich DOSB-Generaldirektor Michael Vesper und der zum Leitenden Olympiarzt 2008 berufene Prof. Wilfried Kindermann darauf verständigt, keine "Freiburger" mehr für Peking und auf dem Weg dorthin einzubinden. Bach warnte "bei aller Betroffenheit davor, alles über einen Kamm zu scheren", kündigte aber "eine umfassende Aufarbeitung" an. "Das Dopingproblem gibt es nicht nur in einer Sportart. Das weiß ich leider nur zu gut aus meiner Tätigkeit als Vorsitzender der Olympia-Disziplinarkommissionen", sagte der IOC-Vizepräsident. Innenmister Wolfgang Schäuble und Bach bekräftigten erneut den engen Schulterschluss zwischen Staat und Sport und mahnten die schnelle Verabschiedung des verschärften Arzneimittelgesetzes an, das eine Kronzeugenregelung wie im Code der Welt-Anti-Doping-Agentur vorsieht.

fs/sid



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