Doping-Skandal Huber-Geständnis bringt Olympioniken in Verdacht

Der Ruf des Radsports ist zerstört, weitere Sportarten könnten folgen: Doping-Experte Werner Franke ist sich sicher, dass auch in anderen Disziplinen kräftig mit illegalen Mitteln manipuliert wird. Das Geständnis des Olympia-Mediziners Georg Huber nährt diesen Verdacht.


Hamburg - Nach weiteren Enthüllungen hat der Doping-Skandal eine neue Dimension erreicht und erstmals weitere Sportarten unter Generalverdacht gestellt. Mit dem Geständnis des langjährigen Olympiaarztes Georg Huber hat der Skandal die Grenzen des Radsports verlassen, wobei das gesamte Ausmaß noch gar nicht abzusehen ist.

Italienische Polizisten mit beschlagnahmter Doping-Tüte (bei Olympia 2006 in Turin): "Klare Hinweise auf Epo"
DPA

Italienische Polizisten mit beschlagnahmter Doping-Tüte (bei Olympia 2006 in Turin): "Klare Hinweise auf Epo"

Der Heidelberger Zellbiologe Werner Franke ist sich sicher, dass auch in anderen Disziplinen betrogen wird. Besonders von Doping unterwandert seien neben dem Radsport die Leichtathletik, die Nordischen Skiwettbewerbe sowie Gewichtheben, sagte Franke in der "Bild am Sonntag". "International gesehen hat Kraft-Doping das Gewichtheben noch voll im Griff", sagte der 67-jährige Doping-Jäger.

In den nordischen Skiwettbewerben gebe es laut Franke "klare Hinweise auf Epo-Doping". Franke erinnerte in diesem Zusammenhang an die Olympischen Spiele 2006 in Turin, als die österreichische Biathlon-Mannschaft für einen Skandal sorgte. Bei einer Razzia waren damals Spritzen und Medikamente im Hotel des Teams gefunden worden. "Außerdem nehmen viele auch noch kurzfristig Aufputschmittel", so Franke.

Huber, der gestern gestand, einzelnen Nachwuchsfahrern zwischen 1980 und 1990 das leistungssteigernde Hormon Testosteron verabreicht zu haben, ist zuletzt in verschiedenen Disziplinen, unter anderem auch im Skisport tätig gewesen. Er betreute bei zwölf Olympischen Spielen deutsche Sportler und war ab 1980 für die Ausstattung der deutschen Olympia-Apotheken zuständig. Seit 1986 war er auch Verbandsarzt und Anti-Doping-Beauftragter des Behindertensportverbandes und seit 1996 verantwortlicher Verbandsarzt des deutschen Skiverbandes für den Bereich Leistungsdiagnostik. Von 1998 bis 2004 war er außerdem betreuender Arzt bei den Paralympics. 2005 wurde er als Sportarzt des Jahres ausgezeichnet. Nun steht der Verdacht im Raum, dass er deutsche Olympioniken mit verbotenen Substanzen versorgt haben könnte.

Sowohl der Deutsche Ski-Verband (DSV) als auch der Behindertensportverband (DBS) kündigten heute ein Ende der Zusammenarbeit mit Huber an. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gab heute die Trennung von Huber bekannt. Man werde mit ihm in keiner Weise mehr zusammenarbeiten, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach. Dies gelte selbstverständlich auch für die Vorbereitung der Athleten auf die Sommerspiele von Peking 2008.

Bereits am Samstag hatten die Uniklinik Freiburg und der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) gehandelt und den Mediziner suspendiert. Die Uniklinik gerät damit immer mehr in Verruf, nachdem bereits die beiden Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid ihre Verwicklung im Skandal um das Team Telekom eingestanden hatten.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble will angesichts der Schreckensmeldungen ein Anti-Doping-Gesetz forcieren. Das kündigte der auch für den Sport zuständige CDU-Politiker in der "Bild am Sonntag" mit. "Das Vertrauen, das zerstört wurde, ist immens. Meine große Sorge ist jetzt, dass die Doping-Enthüllungen nicht auf den Radsport begrenzt bleiben", sagte Schäuble.

mig/sid



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nanouc 27.05.2007
1. leistungssport
Ich hatte das schon mal in einem anderen thread thematisiert. Leistungssport ist dem rock n' roll näher als der ohrenbeichte. Den sauberen ehrlichen sport gibt es nicht. Siehe Mühlegg, Baumann, Ulrich usw usf. Die liste ist endlos. Warum also einer heeren idee nachhängen. Beim popstar regt sich doch kaum noch einer auf, wenn er mal mit koks , h, amphys oder eine minderjährigen erwischt wird. Warum soll der leistungssport anders sein? Also sollte jeder, der leistungssport betreibt mit dem generalverdacht des dopings leben. Dann kann es auch nicht zu solchen szenen wie bei Aldag und Ete kommen. Keine sportförderung durch den staat und wir sparen noch eine menge geld für die ausrichtung von olympia, wm und sonstigen großereignissen. Soll doch dann ein sponsor über pay tv die unterhaltung zahlen. Wie übrigens jetzt schon bei der championsleague.
Stefanie Bach, 27.05.2007
2. Wettbewerb
Zitat von nanoucIch hatte das schon mal in einem anderen thread thematisiert. Leistungssport ist dem rock n' roll näher als der ohrenbeichte. Den sauberen ehrlichen sport gibt es nicht. Siehe Mühlegg, Baumann, Ulrich usw usf. Die liste ist endlos. Warum also einer heeren idee nachhängen. Beim popstar regt sich doch kaum noch einer auf, wenn er mal mit koks , h, amphys oder eine minderjährigen erwischt wird. Warum soll der leistungssport anders sein? Also sollte jeder, der leistungssport betreibt mit dem generalverdacht des dopings leben. Dann kann es auch nicht zu solchen szenen wie bei Aldag und Ete kommen. Keine sportförderung durch den staat und wir sparen noch eine menge geld für die ausrichtung von olympia, wm und sonstigen großereignissen. Soll doch dann ein sponsor über pay tv die unterhaltung zahlen. Wie übrigens jetzt schon bei der championsleague.
Wir diskutieren hier doch nur Symptome einer kulturellen Frage: Sind wir in der Lage, geregelten Wettbewerb zu organisieren und zu praktizieren? Der geregelte Wettbewerb wird durch Doping und Dumping bedroht. Beides sind Angriffe auf die Bedingungen eines geregelten, gerechten Wettbewerbs. Vielleicht hat Ulrich gedopt, wir wissen es nicht, was wir wissen ist, dass die SPD-Fraktion Mitarbeiter zu Dumping-Löhnen beschäftigt, hierher gehört der Schwerpunkt der Aufregeung. Widerspruch! Wir müssen als Gesellschaft die Frage klären, ob wir bereit sind, den Bedingungen eines fairen, geregelten Wettbewerbs zu entsprechen. Der Sport ist nur ein (kleiner) Bereich. Ihn alleine aufzuräumen ist zu wenig. Politik und Wirtschaft gehören ins Zentrum. Stefanie Bach Magazin Deutsch (http://www.magazin.institut1.de/)
Seifert 27.05.2007
3. Doping-Sumpf
Würde Doping zum Offizialdelikt erklärt -also jede Form der Leistungssteigerung durch Manipulation unter Strafe gestellt-ginge zwar im internationalen Sport das Licht aus,es bestünde aber die Chance,dass der Sport insgesamt sauberer würde. Leider bleibt das wohl Utopie,wie ja wohl auch der Amateurstatus Großvaters Art schon längst zu Grabe getragen wurde und damit dem Doping massiven Ausmaßes international der Weg bereitet wurde. Ich befürchte,das keine Sportart(nicht mal Angeln oder "Taubensport")ohne Dope auskommt. Bliebe noch die Freigabe:aber soll man sie wirklich schlucken +spritzen lassen,was das Zeug hält? Schade,Tom Simpsom war ein frühes Zeichen,aber begreifen wollte es keiner!!
Iggy Rock, 27.05.2007
4.
Beides könnte dem Sport helfen, Amnestie und für diejenigen die da nicht mitmachen bzw. für diejenigen die es weiter betreiben härteste Strafen. Mit der Amnestie könnte man erst einmal für die Aufklärung sorgen und mit harten Strafen, jegliches Doping auf Dauer unterbinden. Die jetzigen Sperrungen oder Geldstrafen sind viel zu lasch. Wie wäre es wenn jeder teilnehmende Sportler vor einem Wettkampf einen Vertrag unterschreiben muss der beinhaltet das ihm, bei nachgewiesenem Doping, nicht nur eine 5-10 jährige Sperre droht, sondern er 80-90% seiner finanziellen Einnahmen (vor allem die durch Werbeverträge), aufgrund möglicher Erfolge unter Dopingeinfluss, der Antidopingforschung und evtl. noch humanitärer Hilfe zur verfügung stellen muss? Das würde richtig wehtun und schnellstens zum umdenken führen. Ebenso müsste man Anreize schaffen das Beteiligte schneller und auch überzeugter auspacken, wenn sie etwas wissen. Das man erst nach einer Karriere als Betreuer im Sport plötzlich auf die Idee kommt mal Klartext zu reden und es der öffentlichkeit mitzuteilen ist zu spät.
Pinarello, 27.05.2007
5. Wenn schon, dann aber alle aufzählen!
Zitat von sysopSchwimmen, Wintersport, Leichathletik: Das Thema Doping könnte nach dem Ruf des Radsports auch andere Sportarten ramponieren. Wie kann man den Doping-Sumpf austrocknen? Helfen härtere Strafen oder Amnestie?
Sie bauchen das Thema Doping gar nicht auf den Sport zu begrenzen sondern gleich auf die ganze Gesellschaft beziehen. Also, Nikotin, Kokain, Alkohol, Amphetamine, Ecstasy und "Angstnehmer" schon bei den Schulkindern, der Sport ist nur Teil eines Problemes, das die gesamte Gesellschaft betrifft, was aber automatisch das ERgebnis ist, wenn nur Leistung zählt und per Konkurrenzkampf gnadenlos ausgesiebt wird, siehe Bayern mit seinen Schülern, aber der 4. Klasse, also etwa 10 Lebensjahren wird bereits das gesamte spätere Leben geregelt, wer später mal oben ist oder unten den Bodensatz bildet. Bevor wir hier über Berufssportler urteilen, die wissen ja schließlich was sie machen, fangen wir doch erstmal bei den Kindern im Schulalter an, denn die wissen nicht was mit ihnen gemacht wird.
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