Doping-Studie Sportmediziner Hollmann weist Vorwürfe zurück

Wildor Hollmann geht zur Gegenattacke über: Der Sportmediziner wirft den Autoren der Dopingstudie Ahnungslosigkeit vor. Deren Vorwürfe, auch er sei an Dopingversuchen beteiligt gewesen, weist der 88-Jährige zurück. Ex-Sprinter Manfred Ommer beschuldigt derweil Weltrekordler Usain Bolt.

Anti-Dopinglabor: "Keine Ahnung von Medizin"
AFP

Anti-Dopinglabor: "Keine Ahnung von Medizin"


Hamburg - Sportmediziner Wildor Hollmann hat die Studie "Doping in Deutschland seit 1950 bis heute" kritisiert und die darin gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Der frühere Arzt der Hockey- und Fußball-Nationalmannschaft bestritt, in den siebziger und achtziger Jahren Dopingforschung betrieben zu haben.

"Die Dopingfahnder haben keine Ahnung von Medizin. Sie haben den großen Fehler gemacht, alle Forschung mit Doping zu betiteln, die mit Leistung zu tun hat. Ohne unsere leistungsbezogenen Studien gäbe es heute keine Präventivmedizin, keine Reha-Zentren", sagte der Mediziner dem "Handelsblatt".

Der Kardiologe bestätigte die Angaben, die Re-Transfusion von Eigenblut erforscht zu haben. Mit den Tests an 17 Sportstudenten habe er jedoch nur ermitteln wollen, wie viel Eigenblut nötig sei, um nach Blutentnahmen die alte Leistungsfähigkeit wieder herzustellen: "Von Doping hat bei uns kein Mensch je auch nur ein Wort geredet."

Hollmann widersprach der Behauptung, er habe in den Achtziger Jahren das Mittel Actovegin an Radsportlern und Spielern der Hockey-Nationalmannschaft erforscht. Zwar habe er Experimente mit dem Medikament, das aus Kälberblut gewonnen wird und die Sauerstoffbindung im Blut erhöht, durchgeführt - jedoch nie an Spitzensportlern: "Sollte so etwas gelaufen sein, dann völlig an mir vorbei. Ohne mein Zutun, ohne meinen Willen. Natürlich ist es möglich, dass einer der 67 Ärzte, die im Laufe der Zeit für mich gearbeitet haben, das war für mich nicht zu kontrollieren."

"Dann wäre auch Zähneputzen Doping"

Der heute 88 Jahre alte Hollmann, früher Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln, wies auch den Vorwurf zurück, die Ergebnisse seiner Studien hätten wichtige Ergebnisse für dopingbereite Sportler geliefert. "Dann ist schon Zähneputzen Doping, weil ich damit die Leistungsfähigkeit meines Gebisses steigere. Das ist alles eine Frage der Definition. Für mich ist Doping nur das, was laut den Gesetzen verboten ist. Alles andere hat nichts mit Doping zu tun."

Der frühere 200-m-Vizeeuropameister Manfred Ommer schießt kurz vor der Leichtathletik-WM in Moskau scharf gegen Weltrekordler Usain Bolt und sieht Jamaikas Superstar als Auslöser für Doping-Praktiken. "Der verarscht doch die Leute", sagte Ommer: "Die deutschen Sprinter, die laufen sich warm, die machen Gymnastik, und der kommt in Badelatschen ins Stadion, guckt ein bisschen blöd in der Gegend rum, dann zieht der seine Spikes an und läuft im Vorlauf mal locker 9,8. Das ist doch Verarsche. Dann kann es passieren, dass der deutsche Athlet irgendwann auch sagt: Pass mal auf, wenn ich deine Pillen hätte, wäre ich auch so schnell."

Im Gegensatz zu Ommer, der bereits 1977 Doping eingeräumt hatte, gilt Bolt als sauber. Ommer glaubt aber: "Irgendwann werden sie Bolt aus dem Verkehr ziehen. Es ist nicht ohne diese leistungssteigernden Mittel machbar." Die moderne Leichtathletik sei nicht mit Ommers Ära vergleichbar: "Heute kannst du da Millionär werden, wir haben nicht mehr diese Zuckerwatte von Anfang der 70er Jahre, das Anabolika. Da lacht sich der Usain Bolt doch kaputt drüber."

Er selbst habe mit Doping angefangen, um im Vergleich mit ostdeutschen Sprintern mitzuhalten: "Bei meinem ersten Länderkampf, der WM 1971 in Helsinki, saßen wir auf der Tribüne, und wir konnten das Scheißlied nicht mehr hören, das war die Hymne der DDR. Dann gehst du zu deinem Arzt und sagst: Warum haben wir nicht die Pillen?"

aha/sid



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Ostwestfale 09.08.2013
1. Millionäre in der Leichtathletik?
Zitat von sysopAFPWildor Hollmann geht zur Gegenattacke über: Der Sportmediziner wirft den Autoren der Dopingstudie Ahnungslosigkeit vor. Deren Vorwürfe, auch er sei an Dopingversuchen beteiligt gewesen, weist der 88-Jährige zurück. Ex-Sprinter Manfred Ommer beschuldigt derweil Weltrekordler Usain Bolt. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-sportmediziner-hollmann-weist-vorwuerfe-zurueck-a-915686.html
Herr Ommer sollte aber bitte so fair bleiben und sagen, dass nur die Sprinter und ein paar Ausnahmeathleten reich werden können.Die deutschen Leichtathleten verdienen durch die Bank alle keine hohen Summen mit ihrem Sport. P.S:Der Artikel enthält einen Tippfehler, denn der erste "Länderkampf", bei dem Herr Ommer auf DDR-Sprinter traf wird wohl kaum die WM 1991 gewesen sein...
kissi1 09.08.2013
2. WM Helsinki
1983. nicht 91.
lefreaque 09.08.2013
3.
Zitat von sysopAFPWildor Hollmann geht zur Gegenattacke über: Der Sportmediziner wirft den Autoren der Dopingstudie Ahnungslosigkeit vor. Deren Vorwürfe, auch er sei an Dopingversuchen beteiligt gewesen, weist der 88-Jährige zurück. Ex-Sprinter Manfred Ommer beschuldigt derweil Weltrekordler Usain Bolt. http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-sportmediziner-hollmann-weist-vorwuerfe-zurueck-a-915686.html
Der erste Länderkampf Ommers war die Europameisterschaft 1971, hat er selbst auch im TV (ich meine, es war das heute journal) so gesagt.
jujo 09.08.2013
4. .....
Zitat von OstwestfaleHerr Ommer sollte aber bitte so fair bleiben und sagen, dass nur die Sprinter und ein paar Ausnahmeathleten reich werden können.Die deutschen Leichtathleten verdienen durch die Bank alle keine hohen Summen mit ihrem Sport. P.S:Der Artikel enthält einen Tippfehler, denn der erste "Länderkampf", bei dem Herr Ommer auf DDR-Sprinter traf wird wohl kaum die WM 1991 gewesen sein...
Ich kann die Frau Kleinert verstehen, wenn sie mehr als sauer ist, das als sie Kugelstosserin, auch als Nr. 1 , nicht an das grosse Geld kommt. Sie als Olympia fünfte bei den Meetings nur als bessere Staistin bezahlt wird und sich dann später herausstellt, zum Teil nach Jahren, das die Ranglisten führenden alle gedopt waren. Diese haben die üppigeren Startgelder und Siegprämien bekommen. Die Veranstalter sollten in solchen fällen Anzeige wegen Betrug erstatten und über Zivilprozesse ihr Geld zurückfordern! Das hilft Frau Kleinert und anderen zwar nicht.
samba2000 09.08.2013
5. dann muss der arzt eben gewechselt werden
linford christie, bolt verdanken ihre siege müller-wohlfahrt. wobei hollmann alles zugibt, bloß das nicht als doping ansieht...sehr schön!
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