Doping T-Mobile-Teamchef will Akteneinsicht, Sponsor geht auf Distanz

Schwere Zeiten für T-Mobile: Die Aussagen von Dopingsünder Patrik Sinkewitz belasten das Verhältnis zwischen dem Rennstall und Hauptsponsor Telekom. Teamchef Bob Stapleton will die Aussagen des entlassenen Radprofis jetzt selbst überprüfen.


Hamburg - Das Team-Management von T-Mobile fordert im Fall Sinkewitz Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Freiburg und beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Das teilte der Bonner Rennstall heute mit.

Teamchef Stapleton: "Dunkle Vergangenheit, glänzende Zukunft"
REUTERS

Teamchef Stapleton: "Dunkle Vergangenheit, glänzende Zukunft"

"Wir werden die Fakten prüfen und bewerten, sobald sie uns zur Verfügung stehen und innerhalb unserer rechtlichen Möglichkeiten verantwortungsvoll und fair handeln", sagte T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton. Auch der Weltverband UCI solle die Aussagen prüfen, sagte der 49-Jährige.

Nach Ansicht von Stapleton wird sich Sponsor T-Mobile nach den jüngsten Aussagen von Sinkewitz, die auch das aktuelle Team unter Dopingverdacht gestellt haben, nicht vorzeitig zurückziehen: "Die dunkle Vergangenheit ist kein Grund, an der glänzenden Zukunft dieses Teams mit seinen jungen und vielversprechenden Athleten zu zweifeln. Es hat bisher keine Diskussionen über eine Beendigung des Engagements zwischen T-Mobile und Rennstall gegeben."

Ein Telekom-Sprecher hatte dagegen bereits am Sonntag auf SPIEGEL ONLINE gesagt: "Wir sind sicher nicht schlecht beraten, die derzeitige Entwicklung abzuwarten und das Sponsoring auf Grundlage der aktuellen Entwicklungen neu zu überdenken." Christian Frommert, Unternehmenssprecher für Sportsponsoring beim T-Mobile-Mutterkonzern Deutsche Telekom, ergänzte heute: "Es ist das gute Recht von Bob Stapleton, dies so zu sehen. Aber natürlich muss unser Gesichtswinkel ein anderer sein. Dazu gehört, dass grundsätzlich jedes Engagement ständig überprüft wird. Das gilt erst recht für die Aufarbeitung einer langen Dopingvergangenheit."

Im Radsport stelle sich laut Frommert immer mehr die Frage, "ob wir im Kampf gegen Doping letztlich gegen Windmühlenflügel gekämpft haben". Ob sich der Sponsor, der seit 1991 das Radteam finanziert, trotz der neuen Doping-Vorwürfe weiter vertragsgemäß bis 2010 engagieren wird, dürfte frühestens in der kommenden Woche feststehen.

Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, rät der Telekom, ein "juristisches Risiko" in Kauf zu nehmen und das Sponsoring zu beenden. In der "Süddeutschen Zeitung" sagte Danckert: "Ich möchte das Gericht in Deutschland sehen, das hier die Telekom verpflichtet, weiter zu finanziellen Zusagen stehen zu müssen und sich zugleich in der Öffentlichkeit permanent beschimpfen und seinen Ruf weiter beschädigen zu lassen."

all/sid/dpa



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